Kaiserslautern „Bunte Mischung verspricht Stabilität“

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Auf den Tag vor zehn Jahren fegte der Sturm Kyrill über die Westpfalz. Wie sich der Wald seither erholt hat und was der Forst unternimmt, um die Bestände sturmsicherer zu machen, erläutert Ute Fenkner-Gies, Leiterin des Forstamtes Kaiserslautern, im Interview mit unserer Mitarbeiterin Klaudia Gilcher.

Wie sah der Wald bei uns aus, nachdem Kyrill abgezogen war?

Im Forstamtsbereich sind immerhin mehr als 16.000 Festmeter gefallen. Kyrill hat aber überwiegend Einzelwürfe verursacht. Die sind für den Waldbesucher nicht so augenfällig und für den Waldaufbau auch nicht so zerstörerisch wie Flächenwürfe. Für uns Förster ist es trotzdem viel Arbeit, weil wir die Einzelbäume finden müssen, um Folgeschäden vorzubeugen, zum Beispiel dem Borkenkäferbefall. Vivian und Wiebke, die Stürme von 1990, waren dagegen im Westen der Pfalz eine Katastrophe, weniger stark im Pfälzerwald. Besonders betroffen waren die nassen und damals voll wassergesättigten Moorböden im „Bruch“. Über 100.000 Bäume, ganz überwiegend Fichten, sind damals gefallen, vor allem westlich von Einsiedlerhof, südlich von Ramstein, südwestlich von Rodenbach. Viele werden sich daran erinnern. Alleine im Bruch waren an die 200 Hektar Wald betroffen. Wie sehen die heute aus? All diese Flächen sind wieder Wald geworden. Mit Mitte 20 ist er gerade aus den Kinderschuhen heraus. Bei der Pflege fällt etwas Birkenbrennholz an, alle andern Baumarten sind noch nicht verwendbar. Die Förster haben Eichen, Linden, Hainbuchen gepflanzt, Birken, Erlen, Aspen und auch einige Kiefern sind dazu eingeflogen. Diese bunte Mischung verspricht deutlich höhere Stabilität als die flachwurzelnde und im Bruch auch fremde Fichte. Gibt es im Forst einen Notfallplan ähnlich wie im Katastrophenschutz? Es gibt ein „Handbuch Sturm“, in dem man sich Tipps und Hinweise für ein planvolles und ruhiges Vorgehen holen kann. Wie sieht die Arbeitspraxis bei großen Schäden aus? Das Erste ist immer eine Auffrischung der besonderen Arbeitssicherheitsregeln für die gefährlichen Arbeiten in „Mikado“-Flächen. Grundsätzlich wird nach jedem Sturm das Holz aufgearbeitet, geerntet und genutzt, in der Reihenfolge von größeren zu kleineren Flächen und Flächen mit viel gebrochenem Holz, vor denen mit geworfenen Bäumen, die noch Wurzelkontakt haben. Am Ende steht der nicht einfache Verkauf. Das Holz muss in die verarbeitenden Firmen möglichst ohne Entwertung abfließen. Daher sind 1990 einige Nasslagerplätze entstanden, von denen aus das Holz mit weniger Qualitätseinbußen nach und nach in den Holzmarkt gesteuert werden kann. In solchen Zeiten leisten die Förster und Forstämter viele Überstunden und Sondereinsätze. Erhalten die Kommunen einen Ausgleich, wenn sie große Teile ihres Waldes schlagartig verlieren? Zwischen den betroffenen Gemeinden wird sowohl die Aufarbeitung und Räumung der Flächen als auch der Verkauf des Holzes gerecht und möglichst gleichmäßig verteilt. Hat sich die stürmische Verjüngung von 1990 unterm Strich positiv oder negativ ausgewirkt? Die wirtschaftliche Bilanz ist schlecht: Die Bäume hätten natürlich stärker und größer und vor allem nach und nach genutzt und verarbeitet werden sollen. In Katastrophenzeiten fällt ja auch der Preis meist stark. Damit wird also das Vermögen der Waldbesitzer, seien es Gemeinden, Private oder der Staat, geschädigt. Im Jahr des Verkaufs hat der Eigentümer natürlich relativ hohe Einnahmen. Die müssen aber zum Teil für die Wiederbewaldung aufgewendet werden. Mittel- und langfristig hat der große Sturm im Bruch aber den Effekt gehabt, dass die jungen Wälder zu stabileren, an den Standort angepassten Mischwäldern heranwachsen. Der wirtschaftliche Erlös wird wohl geringer sein als der mit der Fichte erzielbare, aber – so hoffen wir – doch etwas sicherer, stetiger, von weniger Katastrophen gebeutelt und nicht zuletzt naturnäher. Also lieber vorbeugen als heilen? Der Klimawandel kann uns noch einige Überraschungen bereiten. Aber das Risiko von Totalverlusten ist nach aller Wahrscheinlichkeit geringer, wenn mehr und standortgerechtere Baumarten und Sträucher in Mischung zusammenwachsen. Überall, wo wir die Wälder verjüngen, geschieht das mit einem Mix von Baumarten, meist mit einem Grundbestand der Buche als unserer Hauptbaumart in Mitteleuropa und im feuchteren Bruch eher mit der Eiche. Wir hoffen, den Wald damit für die Veränderungen am besten zu wappnen: Fällt eine Baumart aus, können die anderen die Waldstruktur wieder schließen. Der Waldumbau in diese Richtung erfolgt natürlich besser nicht durch Katastrophen, sondern langsam und stetig. Nach Wiebke und Vivian lief er beschleunigt ab, was zu einer deutlichen, schnellen Zunahme des Laubholzanteils geführt hat. Ab welcher Windstärke gehen Sie nicht mehr in den Wald? Windstärke und Windgeschwindigkeiten sind nicht der Maßstab für ein sicheres Betreten des Waldes. Es ist viel einfacher: Wenn Äste, auch Ästchen, in größerer Zahl vom Sturm abgerissen werden und herunterkommen, dann bleibt man weg oder sieht zu, dass man raus kommt. Das gilt wirklich für alle: für Waldbesucher wie für Förster. Oft wird die Gefahr gerade in bekanntem Gelände, auf der üblichen Spazierrunde oder Laufstrecke, unterschätzt, nach dem Motto, „da lauf ich doch immer“. Es ist und bleibt aber gefährlich, wenn Äste umherfliegen. Zuletzt ein Blick raus aus dem Wald rein in die Siedlungen: Welche Baumart würden Sie nicht so gern als Hausbaum wählen? Am besten pflanzt man auch da etwas, das an den Platz angepasst ist. Das heißt: Der Baum darf nicht so schnell hoch werden. Ein Halb- oder Dreiviertelstamm eines Obstbaumes zum Beispiel, Sträucher wie Hasel oder Flieder, auch Hainbuchen oder Linden eignen sich gut. In kleineren Gärten sollte man jedenfalls hohe und schnellwachsende Nadelbäume vermeiden, von denen man sich dann bald wieder trennen muss. |kgi

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