Kaiserslautern
Blutspendezentrale Saar-Pfalz schlägt Alarm
Einen möglichen Grund, sich während der Pandemie nicht als Spender zu Verfügung zu stellen, vermutet Westpfalz-Klinikum-Pressesprecherin Hanna-Maria Weills – neben der Angst vor einer Infektion – im zeitweise verhängten Besucherstopp am Krankenhaus: „Vermutlich dachten viele mögliche Spender, dass auch die Blutspendezentrale auf dem Klinikgelände geschlossen ist.“ Dabei sei das Zentrum sowohl in Kaiserslautern als auch am Standort Saarbrücken nach wie vor geöffnet.
Das Verhalten habe sich erst mit dem Fortschreiten der Pandemie verstärkt. Zu Beginn kamen sogar noch mehr Blutspender und viele nutzten andere Zeiträume als sonst, erinnert sich der Matthias Mudra, Geschäftsführer der Blutspendezentrale Saar-Pfalz: „Man hat gemerkt, dass die Menschen mehr Freizeit hatten.“
Blutspenden für Frühchen und Tumorpatienten
Der aktuelle Mangel an Blutspenden ist ein Problem, das auch der Ärztliche Leiter der Blutspendezentrale, Alexander Patek, nicht kleinreden will. Denn bereits unabhängig von der Pandemie sei nur etwa drei Prozent der deutschen Bevölkerung bereit, regelmäßig mit dem eigenen Blut Mitmenschen zu helfen. Mudra ist auch ohne Statistik überzeugt: „Wären es etwa fünf Prozent statt drei, hätten wir wahrscheinlich weniger oder gar keine Probleme mehr.“
Derzeit werde jedes Blut gebraucht unabhängig der Blutgruppe oder Rhesus-Eigenschaften. „Es gibt kein besser oder schlechter“, verdeutlicht der Facharzt für Transfusionsmedizin, „allerdings hängt der Bedarf davon ab, wie viele rhesus-negative Patienten gerade in den Krankenhäusern versorgt werden.“
Gleichzeitig räumt Patek mit einem Trugschluss auf:
Zwar seien vor allem Unfallopfer und chronisch Kranke auf Bluttransfusionen angewiesen. „Hauptsächlich werden diese aber von Patienten mit Tumorerkrankungen oder bei Darmoperationen benötigt.“ Auch für häufig zu Blutarmut neigenden, in hochkritischem Gesundheitsstand befindliche Frühgeborene könne die Spende über Leben oder Tod entscheiden, ergänzt Mudra. Blutbestandteile wie Plasma benötige hingegen die Pharmazie zur Herstellung von Arzneimitteln.
Neben wenigen Spendern bereitet der Blutspendezentrale, die hauptsächlich das Westpfalz-Klinikum, das Klinikum Saarbrücken und Kliniken der Saarland-Heilstätten GmbH (SHG) mit dem kostbaren Gut versorgt, auch die Haltbarkeit der Spenden Sorgen. „Das Blut ist nicht unendlich lange haltbar“, gibt Patek zu bedenken.
Problem: Nicht alle Blutbestandteile sind lang haltbar
Während das gefilterte Plasma tiefgefroren zwei bis drei Jahre aufbewahrt werden könne, seien die für den Sauerstofftransport verantwortlichen Erythrozyten sechs bis sieben Wochen und Thrombozyten, die Blutplättchen, sogar nur vier Tage haltbar, erklärt Patek. „Da wir Blut nicht künstlich erzeugen können, sind wir also dauerhaft auf Spenden angewiesen.“
Doch eine Reihe von Gründen schrecke potenzielle Spender ab: So hätten manche schlicht Angst vor Nadeln, anderen fehlten die Berührungspunkte zum Thema oder sie sorgten sich um ihre persönliche Gesundheit. „Dabei vertragen die allermeisten die Spende sehr gut“, versichert Mudra. Auf längere Sicht habe die regelmäßige Abnahme sogar Vorteile für den Spender: Nicht nur verbessere sich der Bluterneuerungsprozess, Sportler würden sogar etwas leistungsfähiger. Die angeschlossene Laboruntersuchung biete zusätzlich Sicherheit über die eigene Gesundheit: „Stimmt etwas bei der Untersuchung nicht, wird man von den Ärzten benachrichtigt.“
Spenden trotz Vorerkrankung möglich
Dass potenzielle Spender aus reinem Egoismus die etwa 500 Milliliter große Spende ablehnten, glauben Mudra und Patek nicht. Vielmehr verschärften Fehlschlüsse die Situation. „Viele glauben, dass sie wegen Vorerkrankungen wie Depressionen oder einer Schilddrüsenerkrankung per se von der Spende ausgeschlossen sind“, nennt Patek als Beispiele.
Die eingenommenen Medikamente müssten zwar beim Erstbesuch in einem Arztgespräch vor Ort angegeben werden. Spenden dürfe man in den meisten Fällen trotzdem. Mudra bietet einen Kompromiss: „Wer sich unsicher ist, kann einfach vorab in der Blutspendezentrale anrufen.“ Prinzipiell sei keine Terminvereinbarung notwendig. Mit etwa einer Stunde Aufenthaltszeit in der Zentrale müssten die Spender rechnen, wobei die eigentliche Spende nur 20 Minuten dauere.
Mit Aktionen Aufmerksamkeit schaffen
Um die Menschen weiterhin auf die Problematik aufmerksam zu machen, lasse sich die Blutspendezentrale regelmäßig etwas einfallen. „Unsere letzten Werbeaktionen beinhalteten zum Beispiel eine Postkartenaktion und einen pfälzischen Aufruf zur Blutspende auf Social Media“, schildert Weills. Das bewirke kurzfristig etwas, aber die Kontinuität fehle. Dabei dürften erwachsene Männer alle zwei, erwachsene Frauen alle drei Monate spenden. Mudras Erfahrung zeigt: „Erst wenn jemand zwei oder drei Mal zur Spende erschienen ist, bleibt er in der Regel dabei.“
Den Menschen sei bewusst, wie wichtig ihr Beitrag ist, „aber es bleibt nicht im Kopf“. Mit finanziellen Anreizen wolle und dürfe man potenzielle Spender aber nicht locken. Lediglich eine kleine Aufwandsentschädigung für die Anfahrt sei machbar. Bei der aktuellen Aktion für das Ahrtal erhalte die Spende eine doppelte Bedeutung, führt der Geschäftsführer aus: „In dem Gebiet fallen Blutspenden weg, die dem Monatsbedarf des Saarlandes entsprechen.“ Wer will, könne dann auch seine Aufwandsentschädigung den Opfern zukommen lassen.
Info
Info zu den Öffnungszeiten der Blutspendezentrale am Westpfalz-Klinikum: Montag, Donnerstag, Freitag von 7.30 bis 13.30 Uhr; Dienstag und Mittwoch von 12 bis 18 Uhr und jeden 3. Samstag im Monat von 9 bis 12 Uhr
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