Kaiserslautern „Block acht“ und blau-weiße Kicker nur mal ganz kurz nervös

BEDESBACH. Das große Gähnen ist zwar ausgeblieben. So richtig aufregend aber war das auch nicht wirklich: Souverän hat sich der TuS Bedesbach-Patersbach den Meistertitel der A-Klasse Kusel-Kaiserslautern erspielt. Es gab wohl auf der Zielgeraden einen Moment des Flatterns. Doch auf den Punkt präsentierte sich das Team hellwach und sicherte sich am 29. Spieltag das Startticket für die Fußball-Bezirksliga Westpfalz.
Manch ein Berufspessimist in „Block acht“ sah die schon sicher geglaubte, bereits vorgebastelte „Schale“ den Glan hinab schwimmen. Und bibberte nach der 3:4-Derby-Heimschlappe am drittletzten Spieltag gegen den endspurtstarken Verfolger FV Kusel gewaltig, wähnte das Team im Geiste schon wieder in der ungeliebten Relegation. „Lieber Platz drei als Aufstiegsrunde“, hatten Coach und Vorstand zuvor schon verkündet. „Block acht“ stieg nach der Kusel-Partie von der kleinen Stehtribüne in Bedesbach herab und fuhr – beunruhigt – geschlossen nach Oberarnbach. Dort aber löste sich Besorgnis in Wohlgefallen auf. Im „Block acht“ stehen die Treuesten der ohnehin treuen Fans in Blau-Weiß. Der Block wird leicht nervös und gern auch mal laut. Letzteres war das Allererste, was Trainer Bernd Ludwig seinen Spielern abgewöhnt hat: Gelb wegen Meckerns ist beim TuS so selten wie ein Raddampfer auf dem Glan, der am Sportplatz vorbeiplätschert. Treten und bolzen können die „BePas“ gar nicht. Aber sich wehren. „Wer in der Fairness-Tabelle hinten hängt, steht in der normalen nie vorn“, lautet Ludwigs Credo. Der Coach ist eine Nummer für sich: 57 Jahre alt, 36 Jahre Trainererfahrung auf dem Buckel. Blitzgescheiter Mensch, scharfer Analytiker und Stratege mit ehernen Prinzipien. Zu jenen zählt: Nie über Personalien reden, nie einen Akteur herausheben, stets das Kollektiv beschwören. „Ich hab’ noch nie erlebt, dass ein Fußballer allein gespielt und gewonnen hätte.“ Klagelieder anstimmen über Verletzte? Niemals. „Das ist doch eine Ohrfeige für die, die statt der Ausfälle ran müssen.“ Bernd Ludwig liebt das Spiel und hasst den „3D-Fußball – dran, druff un’ dewedder.“ Die Meister-Bilanz: sechs Niederlagen, ein Remis. 23 Siege – macht 70 Zähler, „vier mehr als in der Saison davor“. Das ist für Ludwigs Begriffe prima. „Wir haben, wie ich meine, eine sehr kontante Saison gespielt.“ Ganz wenige Tiefpunkte gab es. Und die haben Ludwig nie nervös werden lassen. Die Spieler aber schon: „Wir hatten das Flattern am Ende, wir haben uns selbst unter Druck gesetzt“, gibt Sebastian Koch zu. „Aber wir haben nach der Niederlage gegen Kusel in Oberarnbach unsere vielleicht disziplinierteste Saisonleistung gezeigt“, denkt der Kapitän an den Moment zurück, da der TuS nach der Schlappe gegen den Zweiten auch beim Tabellendritten zu stolpern drohte. Es hätte noch etwas eng werden können. Koch – torgefährlicher offensiver Mittelfeldmann mit hoher Führungsqualität – ist eine der Stützen des Meisters. Dessen Denker und Lenker (der auch echt malochen kann): Felix Becker, mit 20 Toren zweitbester Schütze, nur getoppt vom linken Flügelflitzer Tim Ludwig, der einmal mehr erfolgreich war. Volltreffer waren zwei Zugänge aus der „Konkursmasse“ der SG Blaubach-Diedelkopf. Tim Alles und Matthias Dingert sind nicht angeworben worden. Sie hatten sich angeboten, wollten zum TuS: „Auch menschlich absolute Gewinne“, freut sich Vorsitzender Andreas Leyser über Alles und Dingert, den jüngeren und am Ball selbst viel stärkeren Bruder von Fifa-Schiedsrichter Christian Dingert. Jetzt gilt: in der Bezirksliga bestehen. Da ist Ludwig zuversichtlich, der den Klub 2012 in die A-Klasse geführt hat. Für ihn ist es die sechste Saison beim TuS. „Ich gehe nur, wenn man mich wegjagt oder der FC Barcelona anruft“, sagt er. Wenn Barça morgen um die Champions-League-Trophäe kickt, sitzt er in Berlin auf der Tribüne. Dass er danach Luis Enrique beerbt – unwahrscheinlich. Falls doch, kann es leicht passieren, dass „Block acht“ Camp Nou auseinandernimmt. Der Meisterkader Tor: André Mahler (24 Jahre/30 Einsätze/0 Tore), Sascha Mahler (34/0/0) Abwehr: Tim Alles (25/26/2), Philipp Allmann (24/12/0), Matthias Dingert (28/26/8), Florian Fritz (30/16/1), Jannick Lerner (23/1/0), Jens Ludwig (27/28/6), Pascal Schwarz (26/1/0), Christopher Steiger (22/27/0) Mittelfeld: Felix Becker (26/30/20), Sascha Fritz (34/2/0), André Graff (26/1/0), Bastian Gras (30/30/6), Kevin Hebel (23/25/2), Johannes Heidrich (28/2/0), Christopher Koch (20/24/1), Sebastian Koch (28/26/14), Tim Ludwig (29/(29/21), Jens Schröck (30/1/0), Benjamin Spörl (34/1/0) Angriff: Yannick Graff (20/11/5), Jerome Sefert (26/29/12) Trainer: Bernd Ludwig.