Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel „Bloß nicht aufhören!“: Subway to Sally in der Kammgarn

Subway to Sally bringen drei Jahrzehnte Bühnenerfahrung mit. Das merkt man.
Subway to Sally bringen drei Jahrzehnte Bühnenerfahrung mit. Das merkt man.

So berstend voll wie am Freitagabend war die Kammgarn selten: Beim ausverkauften Subway To Sally-Konzert standen die Fans zeitweise bis weit ins Foyer hinein.

Hauptsächlich konzentrierte sich freilich im Hauptsaal die gesamte Wucht an musikalischer und persönlicher Erfahrung, die sich in weit über drei Jahrzehnten Bandgeschichte angesammelt hatte und sich in ungezählten Titeln mit entsprechender Stimmungswirkung entfaltete.

Hinter dem im Vordergrund charismatisch agierenden Ansager, Sänger und Dudelsackspieler Eric Fish interpretierten dazu technisch und interpretatorisch beeindruckend die Gitarristen Bodenski und Ingo Hampf, Bassist Sugar Ray, Schlagzeuger Simon Michael und Violonistin Ally Storch. Ergänzt wurde der Streichersound an diesem Abend (und während der gesamten aktuellen Tour) noch von einem siebten Mitglied, dem Cellisten B. Deutung, der mit seinem Spiel die Gesamtwirkung des ohnehin starken Band-Sounds noch einmal spürbar erhöhte.

Keine Stil-Schublade

Wo das Ensemble, das sich stetig weiterentwickelt hat, stilistisch einzuordnen ist, kann man übrigens gar nicht (mehr) so genau sagen. Und das muss man auch gar nicht. Wichtig ist viel mehr, dass diese sehr individuelle Formation, die sich in etwa im Spannungsfeld von Mittelalter- und Folkrock plus weiteren Einflüssen herausgebildet hat, so auftritt, wie sie es tut: musikalisch mitreißend und textlich direkt ins Gemüt zielend (und meistens auch treffend). Wie groß dabei die Spannbreite ist, zeigt gerade jene aktuelle Tournee, die unter dem Oberbegriff „Nackt“ geführt wird: Man zeigt sich komplett offen, präsentiert ältere Titel und ganz aktuelle, verbirgt nichts an Emotion und Kreativität.

So spielte man denn auch in der Kammgarn unter vielen anderen Stücken „Eisblumen“ und „Kleid aus Rosen“, „Falscher Heiland“ und „Post Mortem“ - quer durch das Leben einst und jetzt, oft mit allzeit beständigen Themen wie Liebe, Tod und Religion. Besonders eindrücklich wirkten die Lieder immer dann, wenn es vordergründig um Seemanns-Themen, bei genauerem Hinhören aber um metaphorische Gedanken zur irdischen Existenz ging (wie etwa im tief unter die Haut gehenden „Weit ist das Meer“). Da steckt Substanz gleichermaßen in Musik und Text drin.

Keine Spur von Langeweile

So gab es zu keinem Zeitpunkt dieses langen Abends Langeweile, dafür bei aller sprudelnden Ausgelassenheit im - auch immer wieder ins Geschehen einbezogenen - Publikum durchaus Momente des relativen Innehaltens. Ein besonderer Gänsehaut-Moment ergab sich hier, als sich die vielen, zum guten Teil dunkel oder „mittelalterlich“ gewandeten Fans an einer Stelle des Programms zu einem beeindruckenden Riesen- Chor zusammenschlossen.

Ausgeklügelte künstlerische Präsenz, extra-großes Publikum, dazu noch eine Art 3D-Bühnenbild und noch ein paar kleinere Versatzstücke feiner Unterhaltung (als Eric Fish zum Beispiel ein paar sehenswerte Tanzschritte vollführte) - es fehlte an nichts, was ein gutes Konzert ausmachte. Eigentlich hatten Subway to Sally ja schon ans Aufhören gedacht. Nicht nur, aber besonders nach diesem Abend in Kaiserslautern darf man hoffen, dass das noch lange nicht der Fall sein wird. Bloß nicht aufhören!

x