Kaiserslautern Blaues Kreuz informiert in der „Aktionswoche Alkohol“ über die Gesprächsangebote
„Rund 1,6 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren waren im Jahr 2018 in Deutschland alkoholabhängig; weitere 1,4 Millionen tranken regelmäßig so viel Alkohol, dass man von Missbrauch spricht“, umreißt die Internetseite www.aktionswoche-alkohol.de die Größenordnung der Problematik. „Wie sie angefangen haben, aufzuhören, das wissen alle noch ganz genau“, berichtet Bärbel Deobald, Schriftführerin im Verein Blaues Kreuz Kaiserslautern. Denn um als Süchtiger mit dem Trinken aufzuhören, brauche es einen Impuls.
Deobald hat die Selbsthilfegruppe vor Jahren als Angehörige ihres alkoholkranken (Ex-)Mannes besucht und ist bis heute darin engagiert. Sie erklärt: „Manche hören auf, weil sich ihr Leben völlig verändert hat, andere, weil sie sagen: ,Ich will nie wieder so erbärmlich daliegen.’“ Ohne einen solchen Knackpunkt würden sich die Süchtigen oft selbst belügen: „Viele, die heute abstinent leben, erinnern sich noch gut an die Klimmzüge und Lügen, um sich nicht eingestehen zu müssen, dass sie suchtkrank sind.“
„Jeder weiß, wo Alkoholismus endet“
Deswegen sei Dankbarkeit in den Selbsthilfegruppen des Blauen Kreuzes immer ein großes Thema: „Denn jeder weiß, wo Alkoholismus endet.“ In den geschützten Gruppen könne jeder offen über seine Probleme sprechen – unter Menschen, die das alles kennen, wie Deobald betont. Ob als Angehöriger oder selbst Betroffener. Ganz wichtig: „Wir machen das ohne erhobenen Zeigefinger.“ Selbst nach Rückfällen sei man in der Gruppe willkommen, „jemanden abzuweisen, kommt für uns überhaupt nicht in Frage“.
Es sei denn, er oder sie hat bei Gruppentreffen immer wieder eine Alkoholfahne. Deobald: „Dazu ist unsere Zeit zu kostbar, um sich mehrere Abende mit einem Alkoholisierten auseinanderzusetzen.“ Das bringe nichts. Die Treffen finden mittwochs zwischen 19.30 und 21 Uhr und freitags von 19 bis 20.30 Uhr statt. Anmeldung per E-Mail an kl@blaues-kreuz-pfalz.de wird empfohlen, da sie im Wechsel in Präsens (bei der Diakonie in der Pirmasenser Straße) und online stattfinden. Die Online-Sitzungen habe man in der Coronazeit gestartet und wolle sie nun beibehalten. Regelmäßig teilnehmen müsse man nicht, sagt Deobald, jeder könne so vorbeikommen, wie er Zeit und Lust habe.
An zwei Samstagen in der Fußgängerzone ansprechbar
Auch mit Blick auf die Aktionswoche, die das Blaue Kreuz Kaiserslautern am Samstag, 14. Mai, von 9 bis 15 Uhr mit einem Infostand in der Riesenstraße (Höhe Juwelier Christ) einläutet, findet Deobald die gesetzlichen Regelungen zum Alkohol nicht zu lasch: „Wer kein Problem hat, kann auch mal ein, zwei Weizen trinken oder einen Wein. Man muss verantwortungsvoll damit umgehen.“ Für problematisch hält sie Schul- und Kindergartenfeste, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird: „Kinderfeste sollten kindgerecht sein.“
Überhaupt sei es wichtig, konsequent zu sein. Als Abstinenzler gelte es, konsequent keinen Alkohol zu trinken – auch kein alkoholfreies Bier –, und Angehörige von Suchtkranken sollten Drohungen („Ich verlasse dich, wenn du nicht aufhörst“) konsequent wahr machen. Deobald: „Denn wenn der Alkohol an erster Stelle steht, dann kommt lange nichts.“ Während Alkoholiker sich entscheiden müssten, ob sie leben wollen, müssten die Angehörigen entscheiden, wie sie leben wollen.
Längst seien die beiden Blaues-Kreuz-Selbsthilfegruppen über die Gespräche hinaus zusammengewachsen, gemeinsame Ausflüge und Wanderungen standen vor Corona fest auf dem Programm. Das soll nun wieder gepflegt werden. Ebenso ist dem Blauen Kreuz die Teilnahme an der Aktionswoche Alkohol mit den beiden Infoständen wichtig – am 21. Mai ist die Kaiserslauterer Gruppe um den Vorsitzenden Martin Engelbert erneut in der Fußgängerzone präsent. Dann auf dem Altenhof.
Wer sich unverbindlich informieren wolle, erste Kontakte knüpfen oder einmal die „Rauschbrille“ selbst ausprobieren möchte, sei an dem Stand willkommen. Wie bei den Gruppen gelte, so Deobald: „Alles kann, nichts muss.“ Außerdem warten Broschüren für verschiedene Zielgruppen, etwa für Kinder mit suchtkranken Eltern, auf ihre Abnehmer.