Kaiserslautern Binnen Tagen Freunde gewonnen
„Sehr kurz. Zu kurz...“: Die Einschätzung ist schnell getroffen, darin sind sich die Schülerinnen Vivien Rau, Pia Schneider, Lars Kirsch und Charlotte Loncq einig. Aber es reiche eben doch, um beinahe Freundschaften entstehen zu lassen, meinen Florence Kernec’h und Sandra Schuh, wohlwissend, dass der bevorstehende Abschied weder Franzosen noch deutschen Gastgebern leicht fallen werde. Immerhin fünf Tage haben die gut 50 Jugendlichen aus beiden Nachbarländern gemeinsam verbracht. Die Gruppe aus St. Quentin war vergangene Woche in Kaiserslautern zu Gast.
Kein Zweifel: Das Interesse wird nicht größer. Eher sinke die Zahl der jungen Franzosen, die sich für die deutsche Sprache begeistern können. Sylvie Philipot kann das gut beurteilen. Die Französin unterrichtet am Collège Jean Moulin in St. Quentin. Englisch, klar. Und Spanisch finde zunehmend Interesse. Philipot unterrichtet an der Schule in Lauterns Partnerstadt die nicht gerade hoch beliebte Fremdsprache. Sie und ihre Kollegin Laetitia Voisin haben die französische Delegation in die Westpfalz begleitet. Nun pflegt zwar das Burggymnasium gute Kontakte nach Frankreich, bietet auch so einige Austauschprogramme mit Frankreich an. Allerdings hat die Lauterer Schule mit der Partnerschaft zum Collège in St. Quentin Neuland betreten. Und dass Schüler mit Französisch als zweiter Fremdsprache – aus den Klassenstufen acht und neun – einen Austausch mitmachen, hat Premiere. Denn das war bislang jenen vorbehalten geblieben, die Französisch bevorzugen, wenn’s ans Erlernen einer ersten Fremdsprache geht. Was sich nicht geändert hat: Es sind überwiegend junge Frauen, die sich fürs Französische begeistern können. Zu den Ausnahmen zählt Lars Kirsch. „Warum eine tote Sprache wie Latein lernen“, sagt er – und nennt Familienurlaube in Frankreich als Schlüsselerlebnisse; schon da habe er sein Faible für die Sprache entdeckt. Kirsch wird im Januar für 14 Tage das Burggymnasium verlassen – um seine Kenntnisse beim zweiwöchigen Schulbesuch im Elsass zu vertiefen. Solche externen Austausche seien selbstredend die allerbeste Art, nicht nur die Sprache zu lernen, sondern in vielfältiger Weise zu profitieren. Sandra Schuh kann ihre Schülerinnen und Schüler in dieser Hinsicht nur ermutigen. Die Gymnasiallehrerin unterrichtet am Burggymnasium Englisch wie Französisch – und hat den Besuch auf deutscher Seite begleitet. Triebfeder und Motor war dabei Florence Kernec’h. Die könne die Vorzüge der jeweils anderen Sprache vorzüglich vermitteln, sei als Muttersprachlerin ohnehin ein Ass, engagiere sich besonders, um die Kontakte zwischen Franzosen und Deutschen herzustellen und zu intensivieren. Dabei sei diese Begegnung doch eine besondere Herausforderung gewesen, sagen Sandra Schuh und ihre Kolleginnen aus St. Quentin. Schüler hier wie dort hätten im vergangenen Jahr begonnen, sich Briefe zu schreiben. Einige Kontakte hätten gehalten, hätten sich verstärkt. Am ersten Dezember-Freitag seien die Franzosen angereist – und dann, nach dem abendlichen Empfang, seien die jeweiligen Gymnasiasten und ihre Gäste aus St. Quentin erst mal weitgehend auf sich alleine gestellt gewesen. „Wir haben sie sozusagen ins kalte Wasser geworfen“, sagt die Sprachen-Expertin vom Burggymnasium. Das Freischwimmen scheint aber bestens geklappt zu haben. Ein Abstecher nach Heidelberg war auf der Tagesordnung, „wir haben unter uns auch einen Besuch im Monte Mare organisiert, dem sich fast alle angeschlossen haben“, berichten Vivien Rau und Pia Schneider, die sich schon darauf freuen, im kommenden Mai „Land und Leute“, na, zumindest ein bisschen was von Stadt und Menschen in der rund 55.000 Einwohner zählenden Nordfranzösischen Partnerstadt kennenzulernen. Vom Besuch in Kaiserslautern nimmt Charlotte Loncq viel mit nach Hause. Ihr hat es prima gefallen. Und ein Unterschied ist ihr schnell ins Auge gefallen: „Die deutschen Lehrer sind entspannter, der Umgang, das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern lockerer als bei uns.“ |cha