Kaiserslautern
Betzenberg-Bewohner klagen über Baustelle
Seit 8. März rollen die Bagger in der Kantstraße. Die Stadtwerke investieren 2,4 Millionen Euro, um den Stadtteil künftig mit Fernwärme versorgen zu können. Dafür musste die Zufahrt ab Höhe Erbsenberg voll gesperrt werden. „Das ist eine Katastrophe“, ärgert sich Steffi Schüler, Vorsitzende des Lenkungskreises Betzenberg, der sich um eine Aufwertung des Wohngebiets rund ums Stadion bemüht. Die Anwohnerin berichtet, die Menschen fühlten sich abgehängt, „wie in einem Ghetto“. Sie brauche in Hauptverkehrszeiten eine halbe Stunde, um in die Stadt zu kommen. Der komplette Verkehr laufe jetzt über den Elf-Freunde-Kreisel, da staue es sich permanent. „Es müsste zumindest eine einspurige Lösung für die Kantstraße geben“, kritisiert Schüler die Bauarbeiten. Sie fragt sich, was bei Notfällen passiert, ob die Rettungsfahrzeuge dann schnell genug vor Ort kommen. Schließlich gehe es jetzt nur noch über die Stadionstraße und die Bremerstraße in das Viertel. Am Albrechtsbrunnen gebe es regelmäßig Autoschlangen.
Ein anderer Betzenberg-Bewohner moniert, dadurch, dass jetzt alle die Stadionstraße nutzten, komme es in der Hegelstraße zu einem höheren Verkehrsaufkommen. Viele hielten sich nicht an Tempo 30. „Zumindest sollte die Stadtverwaltung dort mal öfter kontrollieren oder einen Blitzer aufstellen“, fordert er.
„Keine leichtfertige Entscheidung“
Die Stadtwerke erklären auf Nachfrage, derzeit gebe es keine Alternative zu einer Vollsperrung. „Alle unsere Baumaßnahmen werden im Vorfeld sorgfältig geplant und erforderliche Verkehrskonzepte mit den zuständigen Behörden diskutiert und abgestimmt. Die Entscheidung für eine Vollsperrung wird nie leichtfertig getroffen. In der Kantstraße sind verschiedene Faktoren dafür verantwortlich, dass eine Vollsperrung zum jetzigen Zeitpunkt unumgänglich ist“, teilte ein Sprecher des Versorgungsunternehmens mit.
Unter Vollsperrung gearbeitet werden muss laut den Stadtwerken aktuell, weil im unteren Bereich der Kantstraße viele Ver- und Entsorgungsleitungen liegen. „Deshalb musste zur Verlegung der Fernwärmetrasse in die Fahrbahnmitte ausgewichen werden.“ Für spätere Bauabschnitte sei eine Verlegung am Straßenrand oder im Gehwegbereich vorgesehen. Die Baufirmen müssten sich für die Grabenarbeiten mit Fahrzeugen und Gerätschaften rangieren und sich im Straßenraum aufstellen. Für die Montage der zwölf Meter langen Stahlrohre seien Kranwagen im Einsatz. „Zudem legen die gesetzlichen Arbeitsrichtlinien zum Schutz der Mitarbeitenden Sicherheitsabstände zwischen Baustelle und rollendem Verkehr fest, die zwingend eingehalten werden müssen. Das hat zur Folge, dass selbst bei vermeintlich breiten Verkehrsstraßen Vollsperrungen vorgeschrieben sind“, so die Stadtwerke weiter. Die Arbeitsfortschritte seien deutlich größer, wenn voll gesperrt werde.
Geplant ist derzeit, dass voraussichtlich Ende Juni eine Fahrbahn in der Kantstraße wieder für den Verkehr geöffnet wird. Bis dahin sollen die Bauarbeiten bis in Höhe Kantstraße 20 fortgeschritten sein.
Polizei sieht keinen Handlungsbedarf
Aus Sicht der Polizei ist es nicht optimal, wenn durch die Baustelle das Wohngebiet auf dem Betzenberg nur noch über eine Zufahrtsstraße erreichbar ist. Zumal der während des Berufsverkehrs ohnehin schon stark belastete Bereich um den Elf-Freunde-Kreisel nun noch intensiver frequentiert werde. Laut Bernhard Erfort, Sprecher des Polizeipräsidiums Westpfalz, hat sich allerdings in kurzer Zeit und nach anfänglichen Problemen die Verkehrssituation eingependelt. „Die meisten Verkehrsteilnehmer haben sich schnell auf die derzeitigen Verhältnisse eingestellt. Staus und Verkehrsbeeinträchtigungen sind nach unseren Beobachtungen auf ein vertretbares Maß zurückgegangen, weshalb wir aktuell keinen Handlungsbedarf sehen.“ Erfort zufolge gab es nach dem Baustart „einige wenige Optimierungsvorschläge durch die Polizei in Bezug auf die Beschilderung. Diese wurden von der Stadt Kaiserslautern umgesetzt“.
Not-, Rettungsdienste und die Polizei seien auf die Situation eingerichtet. „Bisher ist uns nicht bekannt, dass es zu deutlichen Verzögerungen bei der Anfahrt gekommen wäre“, so Erfort.
Die Stadtverwaltung erklärte am Dienstag, die Bitte um Blitzer sei bereits an sie herangetragen worden. „Wir werden in den kommenden Wochen verstärkt Kontrollen auf dem Betzenberg durchführen“, kündigt Stadt-Pressesprecherin Sandra Zehnle an. Die Stadtwerke informieren über den Baufortschritt auf ihrer Webseite, für Anfragen wurde die E-Mail-Adresse baustelle@swk-kl.de eingerichtet.