Kaiserslautern Betze-Geflüster: Kein Küken mehr

Sie ist erst ein paar Spieltage her, die Regionalligabegegnung in Baunatal, nach der Jean Zimmer betrübt über den Platz trottete, sich über den Ausgleichstreffer des KSK und die verlorenen zwei Punkte ärgerte und hilfesuchend Richtung Tribüne blickte zu seinem Vater. Der kam sofort nach unten an die Bande, sprach ruhig auf ihn ein und tröstete seinen Filius. Der innerhalb von Tagen plötzlich groß geworden ist. Richtig groß. Der in der Allianzarena aufgelaufen ist, gegen Philipp Lahm verteidigt hat, als wäre der ein A-Jugend-Spieler und er der Profi. Der entspannt im Fernsehstudio auf dem Sofa sitzt und selbstbewusst erklärt, dass er sein Trikot mit dem Bayernspieler nicht tauschen wollte, weil er ja schließlich ein FCK-Trikot hat und kein anderes braucht. Und der verwundert reagiert, wenn er gefragt wird, wie er mit der Angst vor einem großen Spiel umgeht. „Angst? Kenne ich nicht.“ Jean Zimmer ist nur einer von einer ganzen Reihe aus der Next Generation, die unter Regie von U23-Trainer Konrad Fünfstück auf dem Fröhnerhof heranwächst und bei den Profis auf den Rasen drängt. Marius Müller lauert auf einen Einsatz zwischen den Pfosten, Jan-Lucas Dorow ackert im Profitraining und beim U23-Spiel für einen Platz im Sturm, Sascha Mockenhaupt steht als Abwehrspieler parat. Sie alle haben erfahren, dass der Weg nicht direkt von oben nach unten geht sondern wellenförmig. Mal führt er wieder zurück zu den Wurzeln, dann steil nach oben, dann über die Bank. Zwischen den Welten kann sein, dass ungewöhnliche Dinge passieren. Beispielsweise vor kurzem, beim Regionalligaspiel des 1. FC Kaiserslautern II gegen den Tabellenführer Sonnenhof Großaspach. Da saßen die Profis samt Trainer auf der Tribüne, verfolgten, was die Jungen da unten machen, und mittendrin ein 20-Jähriger, der bis vor kurzem noch selbst für die U23 in der Abwehr geackert hatte. Ob es ihm schwergefallen ist, nur zuzugucken? Er gibt es jedenfalls nicht zu, spricht davon, dass er seinen Freunden gern zugesehen hat, verspricht, dass er das auch in Zukunft tun wird. Für ihn ist es selbstverständlich, dass er am Sonntag gegen Dresden kämpft, während seine ehemalige Mannschaft in Mainz versucht, Richtung Relegationsplatz zur Dritten Liga zu marschieren. Die neue Generation ist erwachsen geworden, irgendwo zwischen Baunatal, München, Fröhnerhof und Fritz-Walter-Stadion. Für welche Liga sie reif ist, muss sich erst noch zeigen.