Kaiserslautern
Betrug: Gefälschte Inkassoschreiben im Umlauf
Gudrun Gebhardt aus Niederkirchen denkt an nichts Böses, als sie an diesem Samstag ihre Morgenpost aus dem Briefkasten holt. Doch zwischen den alltäglichen Nachrichten sticht ein Brief der Pro Collect AG besonders heraus. Neben dem unbekannten Firmennamen macht Gebhardt auch die Frankfurter Adresse stutzig. Sie öffnet den Umschlag und kann die dubiosen Geldforderungen in Höhe von 272 Euro erst einmal gar nicht fassen: „Ich war vollkommen geschockt. Zwar wurde mir relativ schnell klar, dass es nur eine Fälschung sein kann, aber im ersten Moment hatte ich Angst.“
Nicht die Erste, die Anzeige erstattet
Denn das vermeintliche Inkassobüro Pro Collect AG beschuldigt Gebhardt in diesem Schreiben, an einem Glücksspiel teilgenommen zu haben. Die offene Rechnung solle sie so bald wie möglich per Sepa-Lastschriftmandat begleichen und die unterschriebene Einzugsermächtigung dann an die gefälschte Adresse zurücksenden. Im Falle einer Nicht-Zahlung droht das Büro mit weitreichenden Konsequenzen. Das lässt Gebhardt nicht los: „Ich habe die ganze Nacht deswegen nicht geschlafen, das hat mich sehr aufgewühlt“ Am Montag wendet sie sich schließlich an die Polizei.
Sie ist nicht die erste, die aufgrund einer solchen Betrugsstraftat Anzeige erstattet. „Im Polizeipräsidium Westpfalz bewegen sich die Zahlen seit Bekanntwerden solcher Vorgehensweisen im mittleren zweistelligen Bereich.“, erklärt der Leiter der Polizeipressestelle, Michael Hummel. Dabei handele es sich nur um die zur Anzeige gebrachten Fälle. Deshalb kann Hummel nicht ausschließen, dass es Personen gibt, die diesen Zahlungsforderungen nachgeben.
Anfangs unsicher
Auch Gebhart sei sich anfangs nicht sicher gewesen: „Wirklich beruhigt hat mich erst der Bericht der Verbraucherzentrale über die Betrugsmaschen dieser Firma.“ Sie meint: „Ich kann mir gut vorstellen, dass ältere Menschen ohne Internetzugang diesen Tricks leichter verfallen.“ Das bestätige auch die kriminalistische Erfahrung. Statistisch sei besonders die Altersstufe von 50 bis 80 Jahren betroffen, berichtet Hummel.
Um sich vor den vielfältigen Betrugsmaschen zu schützen, rät die Polizei dazu, personenbezogene Daten nicht sorglos im Internet preiszugeben. Außerdem sollten unbekannte oder ausländische Nummern möglichst nicht zurückgerufen werden, da dadurch hohe Kosten entstehen können. Besonders aufdringliche Anrufer könnten gesperrt oder bei der Bundesnetzagentur gemeldet werden.
Im Zweifel nicht zahlen
Hinsichtlich der gefälschten Inkasso-Schreiben sei es wichtig, im Zweifel nie auf die Zahlung einzugehen. Auch wenn die Forderungen zu Recht bestehen könnten, sollten die Briefe zuerst genau betrachtet werden. „Da jedes Inkassounternehmen bei der zuständigen Aufsichtsbehörde registriert sein muss, können Betroffene bei Verunsicherung selbstständig im Rechtsdienstleistungsregister die Seriosität der Firma im Internet überprüfen“, erklärt Hummel.
Warum nun ein gefälschter Brief ausgerechnet nach Niederkirchen gelangte, ist für Gebhardt kein großes Rätsel. Im Zuge eines Ebay-Verkaufes wurde sie vor einigen Jahren schon einmal betrogen. „Ich denke, dass damals meine Kontonummer dann weitergegeben oder sogar an andere Betrüger verkauft wurde.“ Da sie seitdem mit vielen Betrugsmaschen konfrontiert wird, sage sie am Telefon nun bei unbekannten Nummern nicht mehr ihren Namen. Im Fall des gefälschten Inkasso-Briefes konnten die Schuldigen trotz Anzeige nicht zurückverfolgt werden. Die Täter hätte bei einem Schuldspruch eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren erwartet. Noch wichtiger als die Verurteilung sei Gebhardt, andere Mitbürger vor ähnlichen Trickbetrügern zu warnen. Hummel betont: „Bei Verdacht sollten sich Betroffene an die Polizei wenden und Anklage erstatten.“