Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bejubeltes Konzert der SWR-Bigband

Dirigent Magnus Lindgren war im Konzert der SWR-Bigband als virtuoser Bläser zu erleben.
Dirigent Magnus Lindgren war im Konzert der SWR-Bigband als virtuoser Bläser zu erleben.

Mit ihrem „Heimspiel on Tour“ bewies die SWR-Bigband im Lauterer Funkhaus nachdrücklich, dass sie zur Champions League des Jazz zählt. Eine musikalische Überraschung gab es im zweiten Set.

Die SWR-Bigband, die bereits viermal für den begehrten Grammy vorgeschlagen wurde, verbindet Leidenschaft, Spielwitz, Spontaneität und Virtuosität auf so emotionale Weise, dass es die Lauterer Zuhörer von den Sitzen riss. Schon mit Jaco Pastorius’ Klassiker „Chicken“ stülpte das 20-köpfige Ensemble einen ganzen Farbkasten über den Hörern aus: mit knochentrockenen Bassfiguren, frech-rotzigem Posaunen-Solo, explodierenden und gestopften Trompeten, perlendem Piano.

Ein verrückter „Hühnerhaufen“, könnte man meinen. Aber nein. Trotzdem lief alles wohl geordnet zusammen. Alle Musiker ausgestattet mit virtuoser Technik, glitt ihr schneidender Ton wie ein Messer durch die Butter. Man spürte von Anfang an, dass die Band dem Charakter ihres Dirigenten, des „Artist in Residence“ Magnus Lindgren, nachspürt: dem Ziel, zeitgenössische Sounds zu verändern und die Grenzen der unterschiedlichen musikalischen Idiome zu verschieben.

Die Wunder des Herrn Lindgren

Noch bewusster wurde diese Ambition des Leaders, der als Instrumentalist, Komponist und Arrangeur seit mehr als einem Jahrzehnt zu den erfolgreichsten Jazzmusikern Europas gehört, bei den folgenden Stücken. Gerry Mulligans „Bernie’s Tune“, „Helsinki“ des Finnen Trygve Seims und Oliver Nelsons „One for Bob“ packte er kurzerhand zusammen in eine einzige Sound-Landschaft.

Dem mehrfach ausgezeichneten Lindgren gelang alles, was er anfasste. Seine Arrangements waren Wunderwerke ideenfunkelnder Überraschungen – voller Kontraste und unerwarteter Wendungen, die bei allem Traditionsbewusstsein der Bigband harmonisch, melodisch und auch technisch neue Welten erschlossen.

Doppelt belichtet

Der Fusiontitel „Rocklunda“ sowie „Penny Blue“ von den Crusaders schöpften aus einer ungewöhnlichen klangmalerischen Phantasie, flimmernden Klangüberlagerungen und Sound-Schichten, die wie eine Fotografie mit doppelter Belichtung wirkten. In etlichen Szenen zeigte Lindgren mit seinem feurigen, perkussiv geprägten Spiel, dass er zu den besten Saxophon-, Flöten- und Klarinettenspielern Europas zählt. Die Solisten der Bigband standen ihm nicht nach.

Nach der Pause wurde ein Geheimnis gelüftet. Mit Ole Anabulé, der auf den größten Festivals von Montreux bis Kanada aufgetreten ist, präsentierte sich ein charismatischer Vokal-Künstler, dessen Songs seine Liebe nicht nur zum Jazz, sondern auch zum Soul und zur afrikanischen Musik unterstreichen.

Eine Entdeckung nach der Pause

Der 1964 in London geborene Nigerianer bezauberte sein Publikum auf Anhieb mit seiner dreieinhalb Oktaven umfassenden Stimme und seiner künstlerische Emotionalität. Chick Coreas „Spain“ gab er ein völlig neues Gewand, bestach mit virtuosem Scat-Gesang und unglaublich hoher Stimme, die Loopings schlug wie ein Kunstflieger.

Im leidenschaftlichen Ziel, musikalische Grenzen zu überschreiten, war er sich mit Lindgren und seiner Band völlig einig. Soul, Jazz, Pop und Afro-Beats vereinigten sich in all ihrer Bandbreite. Seine Stimme war mal sanft, mal sehnsüchtig, mal eindringlich. Vor allem bezauberte sie mit melodischem Zauber und der Poesie, die die afrikanische Musik so unverwechselbar machen.

Begeistertes Lauterer Publikum

Ole Anabulé verfügt über ein Arsenal von stimmlichen Möglichkeiten, das mit anderen Sängern kaum vergleichbar ist. Er kann seine flexible Stimme vom abgrundtiefen Bass über schmiegsames Soul-Gewisper bis zum ekstatisch-opernhaften Rock-Crescendo hinaufschrauben, während der ganze Körper zum Rhythmus bebt.

In seinen Songs klagt er Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Verrat an: ohne Zweifel das, was man Soul nennt. Ein Konzert, das man nicht so schnell vergessen wird. Das Lauterer Publikum war begeistert.

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