Kaiserslautern / Dunzweiler / Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Beim Poetry-Slam in der Kammgarn wird es auch mal ernst

Phriedrich Chiller führt wie gewohnt durch den Poetry Slam in der Kammgarn.
Phriedrich Chiller führt wie gewohnt durch den Poetry Slam in der Kammgarn.

Beim 19. „KammOn“-Poetry-Slam in der Kammgarn in Kaiserslautern kam der Gewinner aus Köln – und sein Sieg war hoch verdient.

Selbst als Christian Gottschalk seinen Goldenen Kamm in den Händen hielt, hat er noch einen Spaß auf den Lippen. „Meine Frau musste heute früh lachen, als ich sagte, es gibt heute einen Kamm zu gewinnen“, sagte der Kölner mit dem kaum noch vorhandenen Haupthaar. Gottschalk überzeugte mit geistreichem Witz, sicherte sich die meisten Lacher und letztlich auch in Vorrunde und Finale den größten Applaus.

Dabei wirkte Gottschalks Programm zunächst unspektakulär. Über Möbel wollte er sprechen. „Vielleicht habt ihr selber Möbel zu Hause?“, fragte er das Publikum in der zum zweiten Mal in Folge ausverkauften Schreinerei. Was folgte, war ein Pamphlet gegen Schränke, Betten und Regale. Im Finale rechnete Gottschalk dann mit Neusprech-Verbalausfällen wie „Guilty Pleasure“, „Mindset“, „Quality Time“ oder „Work-Life-Balance“ ab. Letzteres sei beispielsweise ein anderes Wort für „ab und zu mal frei haben“. Im Finale konkurrierte Gottschalk indes mit Katharina Marosz aus Friedrichsdorf, die mit skurrilen Urlaubsgeschichten ebenfalls vor allem die Lachmuskeln des Publikums beanspruchte.

Ein trauriges Schicksal

Die Stärke des 19. Poetry-Slams aber war die Bandbreite der Vorträge. So standen vor allem beim Auftritt von Anna Lisa Azur aus Wuppertal einigen Zuhörenden die Tränen in den Augen. Unter dem Titel „5. August“ verarbeitete Azur das Schicksal von Janusz Korczak, der als Leiter eines jüdischen Waisenhauses gemeinsam mit seinen 120 Kindern ins Konzentrationslager in Treblinka ging und dort starb. Und das freiwillig, um die Kinder nicht alleine ihrem Schicksal zu überlassen. Anna Lisa Azur schlug damit auch eine Brücke zur aktuellen politischen Lage im Land und erinnerte daran, dass Frieden die einzige Antwort auf Hass sein kann.

Ähnlich deutliche Worte kamen von Hannah May (Trier), die vor dem Hintergrund der Hoffnung, die stets mit dem Beginn eines neuen Jahres einhergehe, aufzählte, welche Gefahren, Missstände, Ängste, Sorgen gerade die Gesellschaft beschäftigen.

Newcomer aus Hochspeyer, Dunzweiler und Landau

Typisch für den „KammOn“-Slam ist auch, dass sich Newcomer auf der Bühne präsentieren dürfen. Diesmal unter anderem die 15-jährige Julia Goldenbaum aus Landau, die zwei Gedichte vortrug. Vor allem „Lost Places“ offenbarte neben einem sehr geschickten Aufbau auch emotionale Tiefe. Selina Homann aus Dunzweiler und Lars Sauter aus Hochspeyer feierten ebenfalls ihre Bühnenpremiere und hinterließen einen guten Eindruck. An Bühnennachwuchs mangelt es also nicht.

Beste Bedingungen also, dass es auch in der nächsten Ausgabe des Poetry-Slams am 26. März wieder ein abwechslungsreiches Programm zu hören gibt. Moderator Phriedrich Chiller verwies zudem bereits auf den 3. September: Dann wird ein Best-of stattfinden, bei dem sich frühere Gewinner des Goldenen Kamms nochmals miteinander messen werden.

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