Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Wasserknappheit: Rotes Licht für Pools und Autowäsche

Die Lauterspring liefert Wasser für Kaiserslautern.
Die Lauterspring liefert Wasser für Kaiserslautern.

Angesichts des Klimawandels muss mit Wasser sparsam umgegangen werden. Deswegen soll eine Wasserampel die Bevölkerung künftig warnen, wenn die Ressource knapp wird.

Trinkwasser ist global ein rarer werdendes Gut. Doch wie ist die Lage in Kaiserslautern? Wie groß sind die Grundwasserreserven? Kann das Wasser knapp werden?

Eine langfristige Prognose ist schwierig, meint Hilmar Württemberger, bei den Stadtwerken Kaiserslautern (SWK) für den Bereich Trinkwasser und Grundwassergewinnung zuständig. Denn dazu müsste man die Klimaveränderungen auf lange Zeit vorhersagen können. Sicher ist jedoch, dass die Wasserbilanz in Kaiserslautern seit Jahren einen negativen Trend aufweist, also mehr verdunstet als an Niederschlag fällt.

Der Grundwasserstand hängt zudem davon ab, wie viel des Niederschlags im Boden versickert und wie viel Wasser entnommen wird. „Die Sommer sind trockener und heißer, die Winter nasser geworden“, sagt Michael Beine, technische Führungskraft Wasserversorgung und Abteilungsleiter Rohrmedien bei den SWK. Der Niederschlag hat sich damit zwar mehr auf den Winter verschoben, in dem weniger verdunstet. Doch dieser Effekt wird erstens dadurch aufgehoben, dass „die Temperatur im Jahresmittel ein bis zwei Grad höher als früher ist“. Und zweitens durch eine „um vier bis sechs Wochen längere Vegetationsphase, wodurch die Pflanzen mehr Wasser aufnehmen und damit weniger dem Boden zur Wasserneubildung bleibt“.

Das Wasserversorgungskonzept wurde überarbeitet

Um dem Wasserbedarf trotz dieser klimatischen Veränderungen decken zu können, haben die SWK und der Zweckverband Wasserversorgung Westpfalz, der acht Verbandsgemeinden nördlich von Kaiserslautern umfasst, bereits 2010 ein Wasserversorgungskonzept mit dem Zieljahr 2030 herausgegeben. „Damals lautete die Prognose, dass Kaiserslautern im Jahr 2030 rund 80.000 Einwohner haben wird“, berichtet Württemberger. Nun sind es jedoch über 100.000. Das Konzept wurde an die Klimaveränderungen sowie die Bevölkerungsentwicklung angepasst und als „Integriertes Grundwasserbewirtschaftungskonzept 2040 Raum Kaiserslautern“ neu herausgegeben.

„Wir verkaufen rund 7,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr“, erläutert Beine. „Diese Fördermenge ist seit zehn, 15 Jahren stabil, obwohl der Wasserverbrauch pro Kopf sinkt: Dies wird aufgehoben von der wachsenden Bevölkerung.“ In der Industrie gebe es keine besonderen Großverbraucher in Kaiserslautern. „Lediglich Coca Cola hat bis zur Schließung vor rund 15 Jahren 300.000 bis 400.000 Kubikmeter pro Jahr abgenommen.“

Aus insgesamt 24 Brunnen und einer Quelle, der Lauterspring, gewinnen die SWK Trinkwasser. „Wir schauen auch, ob alte Brunnen zu reaktivieren sind“, berichtet Beine. Drei seien bereits wieder in Betrieb genommen, „einer Richtung Hochenecken wird noch geprüft“. Tiefer gebohrt habe man nirgends. Auf Grundwasser für eventuelle neue Brunnen werde man eher im Pfälzerwald treffen, nicht jedoch nördlich von Kaiserslautern. Zur Vorauswahl dienen hydrogeologische Karten des Landes.

Niederschläge in diesem Jahr bisher unterm Durchschnitt

Beine und Württemberger sind Mitglied in der Steuerungsgruppe Wasser, die auf Stadtratsbeschluss vom Mai 2024 eingerichtet wurde; darin sitzen außerdem Vertreter der Verwaltung, der Stadtentwässerung und der RPTU. Zur Aufgabe der Gruppe gehört die Weitergabe von Informationen. So berichtete Württemberger dem Umweltausschuss, dass die Region Kaiserslautern noch von den leicht überdurchschnittlichen Niederschlägen in den Jahren 2023 und 2024 profitiere. Damit hat auch die Lauterspring vor allem im Jahr 2024 deutlich mehr Wasser ausgeschüttet als in den 13 Jahren zuvor. „Doch die Niederschläge in diesem Jahr sind bisher deutlich unterdurchschnittlich“, ordnete Württemberger sie im Vergleich zu den Jahren 1994 bis 2020 ein – auch noch nach dem sehr nassen September. Es dauere ungefähr drei Monate, bis sich die Niederschläge beim Grundwasser und damit der Quellschüttung bemerkbar machen.

Um vor allem für Trockenperioden gewappnet zu sein, ist eine sogenannte Wasserampel geplant, die den aktuellen Wasservorrat anzeigt. Springt die Ampel von Grün auf Gelb, lautet die Anweisung: den Garten höchstens zweimal pro Woche wässern, Pools und Zisternen nicht auffüllen und Trinkwasser äußerst sparsam verwenden. Bei der Stufe Rot ist die Versorgung gefährdet: Der Garten soll nicht mehr bewässert, Pools und Zisternen nicht aufgefüllt, keine Autos mehr gewaschen, jede Wassernutzung kritisch hinterfragt werden.

In dieser Notstandsphase soll eine Gefahrenabwehrverordnung greifen, erläuterte Bettina Dech-Pschorn, Leiterin des Referats Umweltschutz, im Ausschuss. „Bußgelder können drohen.“ Ob eine Sanktion über den Wasserpreis nicht einfacher wäre, fragte Walfried Weber (CDU). Umweltdezernent Manuel Steinbrenner (Grüne) erwiderte, dies sei gesetzlich nicht möglich, da die Stadt zur Wasserversorgung verpflichtet sei.

Die Ampel soll spätestens Ende des Jahres vonseiten der SWK und der Stadt stehen. Den Vorschlag von Antje Funck (CDU), auch eine physische Ampel zum Beispiel vor dem Rathaus aufzustellen, hält Beine nicht für nötig. „Die Ampel wird wohl zu 90 bis 95 Prozent auf Grün stehen“, meint er gegenüber der RHEINPFALZ. Nur einmal, kurz vor der WM 2006, hätte die Ampel auf Rot gestanden. „Davor gab es mehrere trockene Jahre und dann waren 5000 Menschen mehr in der Stadt. Da waren die Pumpen am Limit.“

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