Kaiserslautern
Bei GKN inKaiserslautern gehen Ende Juni die Lichter aus
„Die jungen Kollegen, die einen Job suchen, die finden auch was“, zeigt sich Becker überzeugt, „sie müssen aber bereit sein, weg zu gehen.“ Becker ist seit fast 15 Jahren für die Betriebsratsarbeit freigestellt, seit gut sieben Jahren ist er Vorsitzender des Gremiums. Im Werk, das sich mitten auf dem Opel-Gelände befindet, sehe es mittlerweile richtig trostlos aus, berichtet Becker: „Da sind viele Bereiche mit Bauzäunen abgesperrt, Maschinen sind schon abgebaut und stehen zum Abtransport bereit.“ Einige Maschinen würden verkauft, andere innerhalb von GKN an einem neuen Standort aufgebaut. Die Fertigungszellen des Kaiserslauterer Gelenkwellenwerks beispielsweise würden nach Polen gebracht.
Für die meisten Beschäftigten, die bei GKN in Kaiserslautern arbeiteten, sei Ende Januar Schluss gewesen, sagt Becker: „213 Kollegen sind zum Stichtag in die Transfergesellschaft gewechselt, im Februar sind noch einmal gut 30 dazugekommen.“ Im Werk selbst – beziehungsweise was noch davon übrig ist – sind noch knapp 20 Menschen beschäftigt, die sich um die Abwicklung kümmern. Becker erklärt: „Personalabteilung, Logistik und Einkauf sind noch besetzt. Da wird aber ebenfalls noch einmal reduziert, bis am Ende nur noch ein kleiner Rest zurückbleibt.“ Der wird zum 1. Juli in die Transfergesellschaft wechseln, wenn am 30. Juni „die Halle besenrein an Opel übergeben wird“.
Die Schicksale der Kollegen gehen Becker nah – und nach
Zu den Letzten wird auch Becker gehören, kündigt er an: „Wie es sich gehört, macht der Betriebsrat das Licht aus. Davor graut mir schon heute. Das wird ein schwerer Tag.“ Überhaupt sei es gerade eine harte Zeit, für viele seiner Kollegen sei die berufliche Zukunft noch ungewiss. Um seine eigene Zukunft ist Becker weniger besorgt: „Meine Kinder sind erwachsen, die haben ihren Weg gemacht und meine Frau geht Arbeiten.“ Allerdings: „Ich kann mich sehr gut in die Kollegen hineindenken, was es bedeutet ein oder zwei schulpflichtige Kinder zu haben und ein Haus abbezahlen zu müssen. Da steht man nun vor besonderen finanziellen Belastungen.“ Das geht ihm nah – und nach.
Dennoch müsse er professionell bleiben, schließlich sei der Betriebsrat oft Ansprechpartner Nummer eins – in den verschiedensten Bereichen. Bei der Betrieblichen Altersrente beispielsweise, die sich viele der GKN-Mitarbeiter durch ihre vorherige Tätigkeit bei Opel verdient haben. Becker: „Wir haben in den vergangenen Monaten viel gelernt, hätten aber gerne darauf verzichtet.“ Die häufigste Frage sei „Was soll ich jetzt machen?“ gewesen. „Und die können wir vom Betriebsrat nicht beantworten. Wir können Hilfestellungen geben und Möglichkeiten aufzeigen. Aber entscheiden muss jeder für sich“, sagt Becker.
Die GKN-Mitarbeiter sind von der Politik enttäuscht
Lobend äußert er sich zum Engagement der IG Metall. Die Gewerkschaft habe ihren Mitgliedern mit umfassenden Informationen und einer Infoveranstaltung zur Seite gestanden. Dort habe es für die ehemaligen GKN-Beschäftigten viele gute Tipps gegeben. Weit weniger nette Worte findet Becker in Richtung der Politik. Die habe im vergangenen Herbst, als die Schließung bekannt wurde, vorm Werkstor in vielfältiger Weise solidarisch erklärt – und dann war Ruhe. „Wir hatten seitdem keine Anfragen mehr, es gab nur noch ein kurzes Gespräch mit Malu Dreyer. Wir waren uns mehr oder weniger selbst überlassen.“