Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bei der VHS geht es langsam wieder aufwärts

In der Pandemie halfen Online-Kurse der VHS, sich über Wasser zu halten. Das Format sei weiterhin gefragt, erläutert Leiter Mich
In der Pandemie halfen Online-Kurse der VHS, sich über Wasser zu halten. Das Format sei weiterhin gefragt, erläutert Leiter Michael Staudt.

Die Energiekrise schlägt sich in vielen Bereichen des Lebens nieder: Die Volkshochschule (VHS) Kaiserslautern ist glücklicherweise finanziell davon verschont. Warum die Kursteilnehmer nicht im Kalten sitzen und wie sich die Belegungszahlen entwickeln, erläutert VHS-Leiter Michael Staudt.

Nach der harten Zeit der Pandemie muss Michael Staudt nicht schon wieder gegen das nächste große Problem kämpfen: Die Energiekrise lässt ihn relativ kalt. Zum Glück nur im übertragenen Sinn.

In zweierlei Hinsicht ist er von der Krise verschont: Erstens muss er sich keine Sorgen machen, wie er die gestiegenen Kosten deckt. „Das Gebäude stellt uns die Stadt zur Verfügung. Alle Nebenkosten bekommen wir von ihr als Sachkostenzuschuss bezahlt“, und zwar ungedeckelt, erläutert Staudt. Auch für die Außenstellen übernehme die Stadt die Nebenkosten, auf Rechnung.

VHS wie andere Schulen von Temperaturabsenkung ausgenommen

Dass er zweitens die Räume auch wie bisher beheizen darf, liegt daran, dass die VHS als Schule gilt und deshalb von der Temperaturbeschränkung auf 19 Grad in städtischen Gebäuden ausgenommen ist. „Das wäre eine Katastrophe“, dankt er dem Stadtrat, denn „eine Absenkung wäre gar nicht möglich: Wir haben Kinder- und Säuglingskurse sowie alle Yogakurse hier. Auch in den Integrationskursen sitzen die Teilnehmer fünf, sechs Stunden.“

Wegen ganz anderer Gründe wurde vor Weihnachten eine Woche lang in den VHS-Räumen gefroren, wie Staudt berichtet. „Die Heizung war kaputt. Das ist jetzt behoben.“ Nur der Altbau hängt laut Staudt an der Gasheizung im Keller, der Neubau werde mit Fernwärme versorgt.

Hoffnungsfroh ist der VHS-Leiter auch angesichts der steigenden Belegungszahlen. „Im Jahr 2021 hatten wir nur 60 Prozent im Vergleich zu 2019. Jetzt geht’s langsam aufwärts.“ Eine verblüffend hohe Nachfrage zeige sich bei allen Gesundheitskursen, „also allem, was mit Bewegung und Entspannung zu tun hat, wie Yoga und Pilates“. Einfacher ist die hohe Nachfrage an Deutsch-Kursen zu erklären, „für die Ukrainer mussten wir noch mehr Kurse einrichten.“ Besonders gefragt seien seit ein paar Jahren – „nicht erst seit der Energiekrise“ – auch Motorsägenkurse.

Online-Kurse als positiver Effekt durch Corona

Corona habe rückblickend auch positive Effekte gehabt, resümiert er. „Das Angebot, Kurse online zu besuchen, stößt immer noch auf Nachfrage. Deswegen behalten wir dies bei; derzeit haben wir 35 Kurse, die hybrid oder online laufen.“ Wegen der Raumgröße muss der Interessent bei der Anmeldung lediglich angeben, ob er lieber vor Ort oder von zu Hause aus teilnehmen möchte, „anschließend kann er sich jederzeit kurzfristig entscheiden“.

Einen bundesweiten Trend bemerkt Staudt seit rund zehn, 15 Jahren bei den Zeiten: „Früher war der Abend ab 20 Uhr die beliebteste Zeit, jetzt wollen die Leute um 20 Uhr fertig sein“, zeigt sich hier ein verstärkter Fokus auf der Work-Life-Balance, Berufstätige legen heute mehr Wert auf Familie und Freunde. „Auch bei den früher beliebten Wochenendkursen ist die Nachfrage rückläufig.“

Ebenso entscheiden sich die Menschen in der schnelllebigen Zeit immer kurzfristiger: „Die starre Semesterstruktur haben wir deswegen aufgelöst. Wir planen immer wieder Kurse ein und bieten sie direkt online an, sobald sie feststehen.“ Alle zehn Minuten werde die Website der VHS aktualisiert, „der Belegungsstatus der Kurse wird alle fünf Minuten aktualisiert“.

Über 30 Räume verfüge die VHS in ihrem Weiterbildungszentrum in der Kanalstraße, „wir bräuchten jedoch mehr“, derzeit allein schon wegen der Integrationskurse. Jene fänden sonst in der Friedenskapelle statt; er hofft, sie nach der Renovierung im März, April wieder nutzen zu können. Die Räumlichkeiten dort seien zudem für Konzerte, Lesungen, Vorträge oder den Talent-Campus für Jugendliche besonders geeignet.

Staudt blickt derzeit „wie jedes Jahr gespannt auf die Anmeldungen“: Rund 3500 bis 4000 seien dies in normalen Jahren. Die Frist laufe üblicherweise von Ende Dezember bis Ende Januar/Anfang Februar. Für eine Prognose der diesjährigen Zahlen sei es noch zu früh, „am vergangenen Samstag kam ja erst unser Magazin heraus“, erläutert er.

Die früher rund 120 Seiten umfassende ausführliche Kursübersicht wurde durch ein Magazin von rund 30 Seiten abgelöst – nicht nur, weil immer mehr Infos und Anmeldungen online erledigt werden. „Der Papierpreis ist drastisch gestiegen: 40.000 Euro hat das 120-Seiten-Programm gekostet, 15.000 Euro mehr allein für die Papierkosten wären es gewesen.“ In diesem Jahr hätte der Zuschlag wahrscheinlich noch höher gelegen, vermutet Staudt, denn „für das 30-seitige Magazin betrugen die Papier-Mehrkosten jetzt 8000 Euro.“

An 55.000 Haushalte werde das Magazin übers Wochenblatt verteilt. Sogenannte Werbeverweigerer, die einen entsprechenden Aufkleber auf dem Briefkasten haben, erhalten es nicht mehr.

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