Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bau AG will auf Pfaff-Gelände und auf dem Bännjerrück bauen

Wurde 2019 eingeweiht: „Nils“ in der Friedenstraße mit 56 Wohnungen.
Wurde 2019 eingeweiht: »Nils« in der Friedenstraße mit 56 Wohnungen.

Die Wohnungen der städtischen Bau AG sind begehrt. Besonders groß ist die Nachfrage in den „Nils“-Projekten. Für die Anlagen im Grübentälchen und im Goetheviertel gibt es lange Wartelisten. Perspektivisch ist Abhilfe in Sicht.

„Wir würden lieber heute als morgen ein weiteres Nils-Projekt bauen“, erzählt Gabriele Gehm, die bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft die „Nils“-Vorhaben, die im Land Rheinland-Pfalz eine Vorreiterrolle einnehmen, steuert. „Nils“ steht für nachbarschaftlich, inklusiv, lebenswert und selbstbestimmt. „Unser Ziel ist es, in allen Vierteln so ein Mehrgenerationenobjekt zu errichten“, erläutert Gehm. Die Bau AG sei dazu schon in Grundstücksverhandlungen, wolle gern aufs Pfaff-Gelände, auf den Betzenberg, auch auf dem Bännjerrück soll etwas geschehen. Dort habe die Bau AG ganz konkret ein Areal im Auge. „Ideal sind 40 Wohneinheiten“, erklärt Gehm, die von den Vorzügen dieser besonderen Wohnform schwärmt.

Miete ab 5,10 Euro pro Quadratmeter

Im „Nils“ wohnt man zusammen, ist weniger allein, sagt sie. Da leben Familien, Senioren, Alleinstehende, Menschen mit Beeinträchtigungen oder Krankheiten wie etwa Multiple Sklerose unter einem Dach, Sozialhilfeempfänger residieren neben Besserverdienern. Die Miete richtet sich nach der Lebenssituation. Zweidrittel der Wohnungen, die zwischen 45 und 114 Quadratmeter groß sind, sind öffentlich gefördert. Hier beträgt die Miete 5,10 Euro pro Quadratmeter, in den anderen 6,50 Euro. Alle Wohnungen sind barrierefrei und mit einem Aufzug zu erreichen, die meisten haben einen Balkon. Herzstück ist sowohl in der Friedenstraße als auch in der Goethestraße die „Guud Stubb“.

Die „Guud Stubb“ als Treffpunkt

Sie ist Treffpunkt, Aufenthaltsraum, Wohnküche, Café. Dort singt der Hauschor, backt die Mitbewohnerin Dampfnudeln, wird ein Yogakurs angeboten, ist am Nachmittag Tanz, trifft sich die Selbsthilfegruppe. Und kommen sollen nicht nur die Bewohner, sondern zudem Menschen aus dem Viertel, dem Quartier, wie es Gehm nennt. Denn darum geht es der Bau AG auch. Quartierentwicklung zu betreiben, behilflich sein, damit die Menschen näher zusammenrücken, sich gegenseitig unterstützen, und dadurch länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Das ist ein Rezept gegen die zunehmende Vereinsamung.

„Wir schaffen Dörfer mitten in der Stadt“, so Gehm, die berichtet, dass die Bewohner mit sehr viel Bedacht ausgewählt werden. „Wir führen regelrecht Bewerbungsgespräche, für die 56 Wohnungen im Grübentälchen haben wir mit 200 Menschen gesprochen.“ Das Miteinander müsse stimmen, drückt es Gehm aus. „Wir brauchen Hilfenehmer und Hilfegeber.“ Die junge Familie finde in dem Wohnprojekt leicht die Ersatzoma, der eher zurückhaltende Senior erlebe die Gemeinschaft, für den Rollstuhlfahrer wird der Einkauf mit erledigt. Und wer nicht kochen kann, dem wird in der „Guud Stubb“, die 110 Quadratmeter groß ist, Nachhilfe erteilt. Da helfen die Kümmerer, die es in jedem „Nils“ gibt. Die Quartiersmanager sind Ansprechpartner, Netzwerker. Wobei sich vieles unter den Bewohnern selbst entwickelt. Etwa beim Benutzen der großzügigen Außenanlagen mit Hochbeeten, Bouleplatz, Staudengärten. „In der Hochphase der Pandemie haben sich unsere Leute für die Boulebahn mit Baustrahlern eine Art Flutlichtanlage gebaut.“

Pflege-Gästewohnungen im Angebot

Eine Besonderheit sind die Pflege-Gästewohnungen, zwei Zimmer, Küche, Bad, die es in jedem „Nils“ gibt. „Die stehen grundsätzlich allen Bürgern offen. Sie können sogar wochenweise angemietet und zur Kurzzeitpflege genutzt werden.“ Dort kann jemand einziehen, der aus dem Krankenhaus entlassen wird und noch Unterstützung braucht, ebenso pflegende Angehörige. Betrieben werden sie vom jeweiligen Pflegedienst, der für „Nils“ zuständig ist und dort ein Büro hat. „Dort kann ich einzelne Leistungen zubuchen, vom Essen über die Wohnungsreinigung bis zur Fahrt zum Arzt oder Hilfe bei der Körperpflege“, sagt Gehm. Es gebe enge Kontakte zum Krankenhaus und den Sozialdiensten, Hilfe bei Behördengängen und aufwendigen Antragsverfahren inklusive. Abgerechnet werden kann als Selbstzahler oder über die Kranken- und Pflegekasse.

Bis zu 150 Namen stehen im Schnitt auf der Warteliste für eine Wohnung im „Nils“. Wer als nächstes zum Zuge kommt, lässt sich nicht ausmachen. „Fest steht, wir wollen in den Wohnanlagen die ganze Breite der Gesellschaft haben“, betont Gehm. Sozialromantik pur sei das nicht. Manchmal gebe es Reibereien. Das gehöre dazu. Wie im richtigen Leben.

 In der „Guud Stubb“: Bewohnerin Brunhilde Roos backt Dampfnudeln für die Mitbewohner.
In der »Guud Stubb«: Bewohnerin Brunhilde Roos backt Dampfnudeln für die Mitbewohner.
x