Kaiserslautern Balsam für Gemüter und Ohren

Ein Franzose, ein Saarbrücker und ein Kaiserslauterer vereinen sich in dem Trio Favari. Im Cotton Club präsentierten die drei Musiker am Freitagabend ein kurzweiliges Programm aus internationalen Jazzkompositionen, Chansons und Songklassikern. Ein Überraschungsgast sorgte zusätzlich für Stimmung.
Er sieht fast aus wie Charles Aznavour, und er singt sogar wie der unvergessliche Chansonnier und Filmschauspieler. Dunkelgrauer Anzug, weißes, streng zurückgekämmtes Haar, scheitellos, so steht er am Mikrofon und bezaubert mit seiner sanften, heiseren Stimme. Wie Claudio Favari hier all seine Könnerschaft in Technik und Ausdruck aufbietet, um diese Titel mit der sechssaitigen, stahlbesaiteten Gitarre zum Leuchten zu bringen, ist Balsam für Gemüter und Ohren. Er hat die natürlichste Art zu phrasieren. Den Daumen der rechten Hand setzt er wie ein Plektrum ein und erreicht dabei anatomisch fast unerklärbare Geschwindigkeit. Und wenn er die Oktavtechnik anwendet, ist es, als stünde er dort und grinse dich an. Gerade durch diesen Oktavenstil erzielt er eine auffallende Klangwirkung. Was der Franzose aus der Gitarre herausholt, grenzt an Magie. Gleichzeitig beherrscht er all die Nuancen in der Anschlagskultur, die einen Meister ausmachen. So werden „Merci“ und der „Bleu-Blanc-Blues“ zu musikalischen Edelsteinen. Mit „Tears“ und dem „Minor Swing“ präsentiert das Trio eine Hommage an den legendären Django Reinhardt. Nach Glissando-Art gleitet Favari mit seinem Daumen über die Saiten, wobei eine virtuose Vibrato-Technik und spannungsvolles Bending von Saiten zur Erzielung von Dirty Tones in seinen farbenreichen Personalstil einfließen. Gerade im „Minor Swing“ überholen sich die drei Jazzer mit virtuosen Läufen. Favari glänzt dabei mit ausgefallenen Jazz-Akkorden, während Richard Bauer am E-Piano mit vitalen und risikofreudigen Läufen besticht. Die Soli des in Saarbrücken wohnenden Schlagzeugers Kurt Landry indes sind hart swingend und überaus groovend. Breaks intensivieren noch die Spannung. Wie das Trio Chansons und Songs von Charles Aznavour und sogar Mozarts Sinfonie Nr. 40 in überraschende, rockjazzige Klanggewänder steckt, ohne dabei die Wurzeln der Musik völlig zu übertünchen, rückt die sympathischen drei Musiker zurecht ins Rampenlicht. Flinkfingrig traktiert Bauer die Tasten, bretthart zupft Favari auf der Gitarre, während Landry seine Kollegen mit akzentartig eingesetzten Crescendo-Presswirbeln und einer Art Wellendynamik vor sich her treibt. Besonders schillernd in all seinen Klangfarben war „Le Jazz et la Java“, bei dem sich der Drei-Viertel-Takt der Gitarre sowie der Vier-Viertel-Takt des Schlagzeugs überlagerten. Viel Beifall erhielt auch der Überraschungsgast, Pauline Ngoc, mit dem Aznavour-Titel „She“ und „La vie en rose“ von Edith Piaf. Angenehm verflochten sich dabei die samt-schwarze Stimme der Franco-Thailänderin mit der sanften, rauchigen Stimme des Franzosen. Das war einer der Höhepunkte des Abends. Das Publikum bedankte sich mit langem Beifall, in dem Gefühl, dass guter alter Mainstream-Jazz nicht abgehangen klingen muss. Dieses spielfreudige Trio um Claudio Favari lieferte den Beweis dafür.