Kaiserslautern „Auweia, Shania“
Von „Sackhaaren“ zu melodiös gepinkelten Beethoven-Klassikern: Das Comedy-Trio Eure Mütter hat eine geniale Idee entwickelt – ihre ersten vier Shows in einem Spezial-Programm zusammenzufassen. Der Titel: „Ich find ja die Alten geil – Der heiße Scheiß aus den Jahren 1999 bis 2010“. Am Dienstag stieg der erste Teil ihrer zweiteiligen Vorpremiere im rappelvollen Kasino. Resümee: genial banal, frech-frivol, schamlos schräg und einfach zum Sichwegschmeißen!
„Ruhig bleiben! Das ist ein Überfall“, warnten Matze und Don, mit Damenstrümpfen überm Kopf und übergroßen beschrifteten Karten, gleich zu Beginn der Show. Ein Überfall war es auch. Und zwar auf das Zwerchfell. Denn das Comedy-Traum-Trio Andreas Kraus, Donato Svezia und Matthias Weinmann schoss an diesem Abend ein furioses Gag-Feuerwerk ab. Ob die drei Stuttgarter Knaben der ganze Stolz ihrer eigenen Mütter sind, wissen nur sie selbst. Was ihre gute Erziehung angeht, taten sich während der Show aber so manche Fragen auf. Ein Beispiel: Wie und vor allem warum kommt man denn auf die Idee, ein Lied über männliche „Sackhaare“ zu verfassen, das in der existenziellen Frage gipfelt: „Soll ich mir den Sack rasieren? Und wenn ja, nimmt man dann die gleiche Klinge wie im Gesicht?“ Man weiß es nicht. Ist aber auch egal, denn das prall gefüllte Kasino bebte vor schallendem Gelächter, und war ist die Hauptsache. Was es mit dem Spezial-Programm auf sich hat, ist übrigens auch schnell erklärt: Bisher haben die drei Mütter ihre insgesamt sechs Shows immer parallel gespielt. Aber irgendwann wurde es mit allen Requisiten und Kostümen ein bisschen eng im Kofferraum ihres Ford Fiesta. Deswegen gibt es jetzt die besten Sketche der ersten vier Shows gebündelt in einer Greatest-Hits-Vorführung. Im Internet durften die Fans über ihre Lieblingsnummern aus zehn Jahren abstimmen. Und es kam wie es kommen musste: Zwei Nummern haben exakt dieselbe Stimmenanzahl bekommen. Das Schlager-Manifest „Die Sonne von Sorrent“ und der Country-Ohrwurm „Auweia, Shania“. Bei der Stichwahl in Kaiserslautern hat die Ode an Shania Twain mit überragendem Lautstärke-Pegel das Rennen gemacht. Kein Wunder bei der schneidigen Choreo und Textzeilen wie „Fuck Shit Shania“. Mit jeder Nummer wurde es schräger, schamloser und lustiger. Don, der begnadete Tierstimmenimitator, führte vor, welche Töne ein „Ostsibirisches Otzeman-Männchen“ von sich gibt. Danach wurde es sportlich bei den Müttern mit einer Runde „Kowedo“, samt des hochmotivierten Athleten Kurt und dem geistig leicht zurückgebliebenen Milo. Die Spielregeln: „Ich hau ihm mit’m Schläger auf den Kopp!“ – Jap, mehr Regeln gibt es tatsächlich nicht. Milo wurde Weltmeister, und die sitzenden Lautrer haute es fast von den Stühlen vor Lachen. Was bei dem „Drei Russen“-Sketch los war, in dem Beethovens „Ode an die Freude“ melodiös in Schüsseln „gepinkelt“ wurde, sparen wir an dieser Stelle lieber mal aus. Zu den Highlights der Mütter gehört auch der Witz-Wettbewerb in der Pause. Per Zuruf bestimmte das Publikum einen Top-Promi und einen Putzgegenstand und durfte sich während der Pause einen Witz überlegen darüber, was Promi und Gegenstand gemeinsam haben. Getroffen hat es die vielleicht, vielleicht auch nicht bankrotte Tennis-Ikone Boris Becker und eine Fusselrolle. Nach der Pause und einer gesungenen Hommage an „Die Schlange vor dem Damenklo“ wurde aufgelöst. Und da waren so einige Pointen-Schmankerl dabei. Von „Außen klebrig, innen hohl“ bis hin zu „Beide sind schon über stark beharrte Dinger rübergerutscht“ bekam die Tennis-Legende ganz schön Fett weg. Das Rennen machte letztendlich Publikumsgast Gabi mit ihrer Pointe: „Beide sind rollig“. Wer hätte das gedacht? Da steckt ja doch einiges an unentdecktem Stand-up-Comedy-Potenzial im Lautrer Publikum. Respekt, Gabi und Co. Fazit: Zwei Stunden hysterische Power-Comedy im Schnellmodus mit genialem Wortwitz und abrupten Pointen, bei denen sich das Publikum das Zwerchfell wund lachte. Das schlägt das Mütter-Herz doch höher.