Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Autorinnenlesung in der Pfalzbibliothek

Martina Berscheid liest am kommenden Samstag in der Lauterer Pfalzbibliothek.
Martina Berscheid liest am kommenden Samstag in der Lauterer Pfalzbibliothek.

Manchmal sind es scheinbar kleine Ereignisse, die große Veränderungen auslösen und immer weitere Geschehnisse nach sich ziehen. Darum geht’s im gerade erschienenen Roman „Die Klassenkameradin“ von Martina Berscheid. Am Samstag stellt die in Kaiserslautern geborene Autorin das Werk in der Pfalzbibliothek vor.

Jenes entscheidende, zunächst eher nebensächlich erscheinende Ereignis in Evas drögem Leben ist ein Klassentreffen, auf dem sie 20 Jahre nach Schulabschluss ihre frühere Kameradin Agnes wiedertrifft. Diese erscheint ungemein lebenslustig, selbstsicher und mondän - so ganz anders als die biedere Haus- und Ehefrau Eva, die nun zunehmend von Agnes’Lebensstil fasziniert ist.

Als die in einem kleinen Ort lebende Eva sich bereit erklärt, während einer Geschäftsreise der neuen Freundin deren exquisite Wohnung in der Stadt zu hüten, löst das eine Reihe von folgenschweren Ereignissen aus. Davon ist die Bereitschaft Evas, gerne so wie Agnes leben zu wollen, erst der Anfang.

Entwicklungs- und Gesellschaftsroman

Martina Berscheids „Die Klassenkameradin“ ist wie die darin erzählte Geschichte selbst mehr als das, was es zunächst zu sein scheint: Das Werk ist ein gut aufgebauter Gesellschaftsroman mit Elementen des Entwicklungsromans und Einsprengseln aus dem Thriller-Genre. Die Darstellung gesellschaftlicher Zusammenhänge sei ihr besonders wichtig, unterstreicht die 50 Jahre alte Autorin im Gespräch mit der RHEINPFALZ. An einigen Stellen wird es richtig unheimlich und düster-spannend, wenn etwa persönliche Bedrohungen dargestellt oder gedankliche „Was-wäre-wenn-jetzt“-Situationen im Kopf der Akteurinnen durchgespielt werden.

Gemeinsam mit den oft im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Rollen stehenden Aktionen und Wendungen in der Handlung entsteht ein rundes, spannendes Werk, das man gerne „in einem Rutsch“ durchlesen mag. Neben dem in 50 Kapiteln entwickelten Inhalt hat auch die Sprache ihren Reiz. Der Roman lebt unter anderem von der anschaulichen Beschreibung von dann gut vorstellbaren Orten, Situationen und Personen. Man liest präzis gestaltete Sentenzen wie: „Menschen, die sich Horizonte anschauten, ohne ihren eigenen je zu erweitern.“

Grün wie Mineralwasserflaschen

Es gibt überraschende Beschreibungen à la: „Agnes’ Stimme änderte ihre Klangfarbe von Samtrot zu Mineralwasserflaschengrün“. Plastische Metaphern klingen so: „Mehlklümpchen trieben in der Sahnesoße wie tote Fische in einem umgekippten Weiher.“ Das lässt immer wieder innehalten, um die Sprache und dann auch den dazugehörigen Inhalt gleichermaßen zu goutieren. Auffallend ist nicht zuletzt die elegant übers Werk hinweg verteilte Nennung von Rock-Songs.

Sie lässt einerseits eine profunde Kenntnis der modernen Musikkultur erkennen lassen und verdeutlicht zugleich treffend die jeweils beschriebene Situation. Für Musikfans hat Berscheid sogar am Ende des Romans eine komplette Liste mit allen vorkommenden Titeln und ihren Interpreten angefügt. „Die Klassenkameradin“ ist ein umfänglicher Roman über das moderne Leben, die darin zu spielenden Rollen, zu treffenden Entscheidungen, deren Auswirkungen auf sich selbst und seine Mitmenschen. Es ist überdies und auch deshalb ein Roman, von dem man sich durchaus eine Fortsetzung mit dem weiteren Schicksal der Handelnden vorstellen könnte.

Info

Martina Berscheid: „Die Klassenkameradin“: 386 Seiten. Edition Schaumberg. 19 Euro.

Termin

Eine Autorenlesung mit Martina Berscheid findet am Samstag, 28. Oktober, 11 Uhr, in der Pfalzbibliothek Kaiserslautern statt.

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