Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Ausstellung im Leerstand: Kunst und Raum erfahren

 Blick von draußen durch die Schaufenster ins Innere des 500 Quadratmeter großen Ausstellungsraums mit (von links) der bunten 15
Blick von draußen durch die Schaufenster ins Innere des 500 Quadratmeter großen Ausstellungsraums mit (von links) der bunten 15-teiligen Wandarbeit »BRD« (2016/2020), einem hängenden Objekt aus Acryl-Leuchtstäben sowie die hängende Papierzeichnung (2020) alle von Silvia Rudolf, links eine Skulptur von Reiner Mährlein.

Der Monat März liebäugelt mit Kunstinteressierten: im Kunstraum Westpfalz, in der Stiftskirche, demnächst in der Pfalzgalerie. Und seit Freitagabend ist im Kunstlager 22 die Ausstellung „Woher komme ich? Wohin gehe ich?“ zu sehen. In dem Leerstand (vorher: Drogerie Müller) beantworten Mitglieder der Künstlerwerkgemeinschaft (KWG) die Titelfragen mit biografisch datierten Positionen des Werdegangs.

Viel Raum, viel Kunst und zur Vernissage viel Volk konnte man am Freitagabend in dem Leerstand im Kaiserslauterer Möbelhaus Fuchs erleben, wo früher die Drogerie Müller war: Kunst im Geviert zwischen zwei Mauerwänden und zwei Fensterfronten. Ein präsenter Raum.

Die 500 Quadratmeter des Raumes haben wahrlich bessere Zeiten gesehen: Rundum abblätternde Farbe, abgeklopfter Putz, fleckige Wandflächen neben Rohren und durchhängenden Kabelsträngen in offenen Mauerspalten. Kurz: Es ist eine Baustelle, denn der Leerstand wird für neue Mieter renoviert. Ebenfalls rundum leuchtet Licht aus neuen Lampen. Mitglieder der KWG haben sie provisorisch montiert, denn es geht ja um Kunstwerke.

Zeiten und Positionen

Zu sehen sind 54 Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Grafik, Fotografie, Objekte und Skulpturen. Sie markieren Zeiten und Positionen, Epochen und Entwicklungen, die der Titel anspricht. Sie visualisieren ein Stück Weg der neun teilnehmenden Künstler: Roland Albert, Klaus M. Hartmann, Jörg Heieck, Reiner Mährlein, Veronika Olma, Silvia Rudolf, Gela Steinmacher, Volker Tinti sowie dem ehemaligen KWG-Mitglied Thomas Brenner. Sie machen deren Kontinuität oder die Aktivität der 54 sichtbar, sie zeigen verbliebene oder veränderte Ausdrucks- und Darstellungsformen. Das gleich einem Manifest: sichtbare Kunstpositionen damals und heute. Lebensspannen, die exakt bis zu 50 Jahre reichen.

Der Beleg aus dem Jahr 1972 hängt an einer der Raumsäulen. Er heißt „Rotation“, zeigt verdichtetes Kreiseln roter Lackfarbe auf Karton und stammt aus dem Atelier von Volker Tinti, dem zweitältesten KWG-Mitglied. Daneben hängen seine heutigen Arbeiten: Konkrete Kunst in Weiß, Blau, Rot. Längst bemalt Tinti nur noch hölzerne Kleinteile – für mathematisch präzise Reliefvarianten. So nebeneinander wie in diesem Werdegang sind andere selten ausgestellt.

Mannshoher Stahltorso

Gela Steinmacher zeigt 30 Jahre von helmartigen Objekten in Raku-Technik (1991) bis zur Installation „Les Ephémères“ aus Pflanzenteilen von 2021. Dabei geht es vorbei am mannshohen Stahltorso „Kopplung“ (2021) des Bildhauers Klaus M. Hartmann. Mit seinem Podest markiert nicht nur ein treffliches Ausstellungszentrum. Er assoziiert, dass jenes Woher und Wohin das Menschsein ausmacht und ihm alles das passiert, was die Kunst im Detail ausdrückt: mal figürliche, mal abstrakte Menschengesichter, Raumdimensionen, Farbemotionen, Regen, Bewegen, Architekturen, Naturen, Gegenstände.

Tatsächlich liegt die Faszination dieser Kunstschau im Rundgang. Stets präsent ist der beschriebene Raum. Stets vor Augen haben die Besucher die zwei- und dreidimensionale Kreationen erzählter Geschichten wie Thomas Brenners inszenierte Fotografien, und Veronika Olmas Tempera-Malerei, Lebensräume wie in Jörg Heiecks Landschaftsfotografie und Roland Alberts Naturgebilde oder auch assoziative Zeichen und abstrakter Formen wie Silvias Rudolfs Papierarbeiten und Acryl-Stäbe oder Reiner Mährleins Arbeiten in Stahl und Stein.

Rational und emotional

Das Wichtige an der Ausstellung ist es, als Besucher zwischen Raum und Kunst zu sein. Jedes Kunstwerk ist adressiert an lesende Augen oder Hände, ob einsam versunken in Macharten oder mit anderen unterhaltend über Lesarten. Fazit: Eine sehenswerte Ausstellung also mit starken lokalen Bezügen, die dem Charme des Ortes ebenso Attribute zollt wie den rational und emotional zu erlebenden Positionen der hiesigen Kunstszene.

Ausstellung

  • Die Ausstellung im Kunstlager 22, Kaiserslautern, Eisenbahnstraße 21-25, geht bis Juni, Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag 17-19 Uhr , Samstag 11-15 Uhr. Info: kuenstlerwerkgemeinschaft.de
  • Das Rahmenprogramm (Musik, Literatur, Schauspieler) startet am 30. April.
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