Kaiserslautern
Ausstellung des Kunstvereins zeigt Werke von Thilo Westermann
Besucher, die sich im Foyer von Bild zu Bild bewegen, begegnen zwangsläufig jenem vom Künstler initiierten Widerhall: Motive, die sich in allen drei Bildarten dieser Ausstellung - Hinterglasmalerei, Unikatdruck, Fotomontage - wiederfinden. Oder besser: geistern und zwar im Sinn von jenem Geist, der dieser Kunst wegen seiner handwerklichen, kunsthistorischen und philosophischen Herkunft innewohnt. Allerdings lässt sich das nicht einfach von den Motiven ablesen. Dazu muss der Künstler befragt werden. Das wiederum stößt auf dessen Gegenliebe.
Jeder Aspekt seines kreativen Tuns erforscht
Denn Westermann, Jahrgang 1980, kam nicht nur von der Buntstiftmalerei zum Stillleben und dann erst zur Hinterglasmalerei, sondern erforschte jeden Aspekt seines kreativen Tuns bis hin zur absolut eigenen Handschrift. Technisch etwa. Da fand er für das Schwärzen des Glases ein Lösungsmittel, das er mit einer Radiernadel Punkt für Punkt im Negativverfahren beseitigt und im Schwarzweiß Grauwerte sondersgleichen kreiert. Die erwähnten Unikatdrucke sind sechsfach vergrößerte Diascans, die stilistisch die Machart des Punktierens einbeziehen. Da ähnelt jeder Punkt etwa den Pixeln heutiger Digitalkameras. Auch darin ist der Ausstellungstitel „Widerhall“ verbucht. Es ist verführerisch, all jene Einflüsse zu rekapitulieren, die Westermann für sich perfektionierte. Sowohl im Schwarzweißton des einfachen Blatts grafischer Hinterglasmalerei bis hin zu den teils barocken Bildkompositionen gegenständlicher Fotomontagen in erzählenden Farben.
Der Zeitaufwand pro Werk lässt sich nur erahnen
Westermann zuzuhören, verdeutlicht, wie verzahnt hier ein Künstler, Philosoph, Handwerker und vor allem Kunsthistoriker ans Werk geht. Auslandsaufenthalte, beispielsweise in Singapur, lassen weitere Kulturaspekte in Mach- und Lesarten einfließen. Etwa chinesisches Tuschezeichnen – einzigartig kombiniert mit Hinterglasmalerei. Der Zeitaufwand des Künstlers für jedes einzelne Werk ist bestenfalls zu erahnen. Die Gegenstände in den Fotomontagen etwa sind Fundstücke und werden jeweils für ein Motiv entdeckt. Daneben stehen die Unmengen Einzelbilder, die allein einen antiken Tisch abbilden. So spielt in das Figürliche der Sujets stets etwas Virtuelles hinein, ein Schein des Seins, ein optisches Spiel etwa der Proportionen.
Nicht nur der innere Widerhall zählt
Nichtsdestotrotz lädt die Ausstellung zum unbedarften Betrachten ein. Ganz ohne Wissen und Erklären jener Formen, Farben oder Narrative, einfach zum Erfreuen. Insbesondere an dieser grafisch-visuellen Ästhetik der so poetisch-filigran komponierten Formensprache chinesischer Orchideen. Denn tatsächlich fordert keines der Bilder ein, Westermanns Herkunfts- und Entstehungsgeschichten zu kennen. Es geht neben jenem inneren Widerhall, den der Künstler mit seiner speziellen Hinterglasmalerei initiiert, eben auch um einen äußeren. Nämlich wie durchdringend diese Werke des so fundiert denkenden und gestaltenden Thilo Westermann Räume wie das Foyer der Fruchthalle einnehmen und Besucher nachhaltig berühren können. Empfehlenswert!
Info
Die Ausstellung „Widerhall“ mit Werken von Thilo Westermann ist noch bis Freitag, 28. Oktober, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 9 bis 12 Uhr, Freitag 9 bis 13 Uhr und Mittwoch zusätzlich von 12 bis 16 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.thilowestemann.com