Kaiserslautern Auftakt zum Rheinpfalz-Report "Der Handel in der City"

Der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Kaiserslautern, Matthias Pallmann-Heger.

Der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Kaiserslautern, Matthias Pallmann-Heger, sieht den Handel in Kaiserslautern im Vergleich mit Städten gleicher Größenordnung auf Augenhöhe. Den Einzelhandel mit Atmosphäre, Angebot und Beratung sieht er trotz Internet nach wie vor als absolut zukunftsfähig an.

Der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Kaiserslautern, Matthias Pallmann-Heger, kennt die Chancen und die Risiken für den Handel in Kaiserslautern. Chancen für den Handel in Zukunft zieht er aus dem hohen Zentralitätswert für Kaiserslautern, der belegt, dass reichlich Kaufkraft aus der Region nach Kaiserslautern fließt. Gute Aussichten für den Handel gründet er auch auf der oberzentralen Bedeutung, die Kaiserslautern als Standort in der Westpfalz spielt. Vor allem an Samstagen merkt man, so Pallmann, den Stellenwert von Kaiserslautern als Oberzentrum, wenn die Region nach Kaiserslautern zum Einkaufen kommt. Risiken für den Handel sieht er hingegen in einer unterdurchschnittlichen Kaufkraft vor Ort, die das Konsumverhalten der Menschen dämpft. Und Risiken sieht er zudem auch in einem Überbestand an Verkaufsfläche in Kaiserslautern, der auf dem Handel lastet. Nach wie vor, so rechnet Pallmann vor, hat die Stadt drei Mal so viel Verkaufsfläche pro Einwohner als der Bundesdurchschnitt. Die Folgen sind für den Besucher der Stadt wahrnehmbar. Sie äußern sich in Ladenleerständen, sagt der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands unverblümt, und darin, dass es in Kaiserslautern Gegenden gibt, die auf der Gewinnerseite und Gegenden, die auf der Verliererseite liegen. Zu den Gewinnern zählt er den Opelkreisel, das westliche Gewerbegebiet West, eine 1a-Lage außerhalb der Stadt, wie er sagt. In der Innenstadt heißen die Gewinner für ihn Fackelstraße und westliche Marktstraße zwischen Mc Donald’s und Stiftskirche. Verlierer sind nach seiner Beobachtung die Teile der Stadt, in denen die Leerstände gravierend ausfallen. Schwierige Verhältnisse macht er in der Pirmasenser Straße, in der Eisenbahnstraße und in der Altstadt aus. Was den Handel in Kaiserslautern aus seiner Sicht weiterhin attraktiv macht: Kaiserslautern hat zwar einen hohen Filialisierungsgrad. „ Die Stadt hat eine interessante Größe für Ansiedlungen von Filialisten, die in der Regel erst ab einer bestimmten Stadtgröße kommen.“ Gleichwohl, und das freut Pallmann besonders, hat die Stadt immer noch viele inhabergeführte kleinere Geschäfte, wenn sie sich auch nicht in den Magistralen des Handels befinden. Ein Schrumpfungsprozess ist freilich im Gange, gibt er unumwunden zu. Er beobachtet in diesem Zusammenhang viele neue Gastronomiekonzepte, die sich in den letzten Monaten in Kaiserslautern breit gemacht haben. Das Überangebot an Handelsflächen führt aus seiner Sicht dazu, dass es zur Neuansiedlung von Gastronomiekonzepten oder Mischkonzepten, die Gastronomie und Handel vereinen, kommt. Als aktuelles Beispiel führt er an, dass im früheren Backwerk in der Marktstraße ein Laden mit italienischer Feinkost und Bestuhlung entstehen soll. Vom Warenangebot in Kaiserslautern ist der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands überzeugt. „Wenn ich Kaiserslautern mit Städten in der gleichen Größenordnung vergleiche“, so Pallmanns Fazit, „dann kann Kaiserslautern auf jeden Fall mithalten. Wir haben hier eine unterdurchschnittliche Kaufkraft, und trotzdem sind alle Branchen in der Innenstadt vertreten. Dass natürlich immer Wünsche mal offen bleiben, das liegt in der Natur einer kleinen Großstadt.“ Dem Handel vor Ort gibt er auch im Internetzeitalter eine Chance, sich behaupten zu können. „Den Einzelhandel mit Atmosphäre, Angebot und Beratung sehe ich nach wie vor als absolut zukunftsfähig“, sagt er. Was der Handel gut könne, sei stationär zu verkaufen. „Das ist das, was reine Internetshops nicht können oder schwer können. Da muss man irgendwie eine Symbiose finden.“ Pallmann spricht über seine eigenen Erfahrungen, die er als Betreiber eines Haushaltswarengeschäfts in der Marktstraße bisher mit dem Internet gemacht hat. Er gewinnt Kunden über das Internet und stellt fest, dass der Kunde bei hochwertigen Produkten, die er in seinem Laden anbietet, gern fachgerecht bedient wird. „Da ist das Internet für uns wie ein Navi, das die Leute zu uns bringt.“ Was hat die Shopping-Mall, die im März nächsten Jahres bereits zwei Jahre alt wird, gebracht, was nicht? Pallmann, der bekanntermaßen kein Freund der großen Mall in Kaiserslautern war, verweist darauf, dass das Einkaufszentrum die Fackelstraße weiter belebt, die 1a-Lage weiter verstärkt hat. „Das muss man sich vorstellen wie ein Gefälle, wo alles Richtung Mall läuft.“ Das führt nach seiner Analyse aber auch dazu, dass es Bereiche in der Innenstadt gibt, die darunter stark leiden. Der Interessensvertreter des Handels bringt die Auswirkung der Shopping-Mall auf eine einfache Formel: „Je mehr Entfernung von der Mall, desto mehr Leerstände.“ Offenbar gibt es aber auch Ausnahmen von der Formel. Pallmann führt als Gegenbeispiel die Mühlstraße an, die, unmittelbar an der Mall gelegen, nicht von der Mall profitiert hat. Der Stachel der Verärgerung über die Abschaffung der Parkkarte, die kostenloses Parken in der Innenstadt für eine halbe Stunde erlaubte, und die Streichung des kostenlosen Samstagsparkens sitzt im Handel weiterhin tief. Macht Pallmann deutlich. „Wir brauchen in Kaiserslautern eine einzelhandelsfreundlichere Politik. Es kann nicht sein, dass das Thema Kommunaler Entschuldungsfonds für alle Dinge in Kaiserslautern zum Totschlagsargument wird“, sagt er. Pallmann wirbt dafür, Geschäfte vor Ort zu unterstützen. Er erinnert in diesem Zusammenhang an die bundesweite Qualitätsoffensive inhabergeführter Geschäfte unter dem Motto „buy local (kaufe vor Ort)“. Er betont die positiven Folgen daraus auf den Arbeitsmarkt. „Wenn man die Geschäfte in der eigenen Stadt unterstützt, dann unterstützt man nicht in erster Linie den Unternehmer, der nur einen geringen Prozentsatz seines Umsatzes als Gewinn behält, sondern man unterstützt Arbeitsplätze. Gerade in Fachgeschäften und in alteingesessenen Geschäften ist der Personalkostenanteil viel, viel höher als in Märkten.“ Zufrieden ist Pallmann damit, wie das Citymanagement angelaufen ist. „Wir haben eine Verbesserung in der Sauberkeit. Wir haben Treffen, bei denen sich Leute in ihren Vierteln solidarisieren und Aktionen starten, wie zum Beispiel im Unionsviertel oder in der Eisenbahnstraße.“ Grundsätzliche Veränderungen werden im Handel nicht ausbleiben. Findet der Vorsitzende des Kaiserslauterer Einzelhandelsverbands. „Eine Stadt der Zukunft wird Handel haben, aber sie wird weniger Handel haben wie bisher“, prognostiziert er. Er sieht die Entwicklung der Innenstadt hin zu mehr Wohnen, Dienstleistung, Gastronomie, Gesundheitsfürsorge, Kultur. MORGEN LESEN SIE Wo liegt die Konkurrenz für den Kaiserslauterer Innenstadt-Handel? − Nachbarstädte, Outlet, Internethandel, Grüne Wiese.

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