Kaiserslautern
Auftakt zu Treppenhaus-Konzerten: Holger Haase spielt im Apostelkirchen-Schiff
Die an drei Tagen jeweils zweimal – zur Mittagszeit und am frühen Abend – gespielten etwa halbstündigen Programme eröffnete Haase am Montag mit der 1. Sonate für Oboe solo G-Dur, op.71, Nr.1 des klassischen französischen Komponisten und Flötisten François Devienne (1759 bis 1803). Insbesondere den ersten Satz, allegro brillante, realisierte Holger Haase vorgabengemäß und mit entsprechend hoher (und notwendiger) instrumentaler und interpretatorischer Virtuosität mit Vitalität und Kraft.
Auch die beiden anschließenden Teile der Sonate, die Haase ebenso in der modernen Solo-Version des Devienne-Landsmanns Pierre Pierlot (1921 bis 2007) darbot, wirkten im Vergleich zum Vorbild keineswegs ausgedünnt, sondern durch das ausgeklügelte Arrangement und erst Recht durch jenen energetischen Vortrag Haases umso dezidierter und pointierter. Die beiden folgenden Oboe-Sonaten des op. 71 werden am Mittwoch und am Freitag aufgeführt.
Selten gehörte Komposition aus britischer Feder
Etwas ganz Besonderes präsentierte der Oboist mit dem Solo-Oboen-Werk „The Mechanical Turk“ des zeitgenössischen britischen Komponisten Kenneth Hesketh (Jahrgang 1968). Die aus dem Jahr 2002 stammende Komposition beschäftigt sich mit einer berühmten Maschine in der Form eines schachspielenden Türken, die im 18. Jahrhundert weithin für Furore sorgte. Zwar versteckte sich innerhalb des Aufbaus (wie man später erfuhr) ein schachkundiger Mensch, der vermeintliche Automat sorgte aber trotzdem noch lange auch bei Philosophen und Erfindern für Erstaunen und Nachdenklichkeit – und eben auch bei Musikern wie Hesketh, der sich des Objekts auf seine Weise annahm.
Er verarbeitete in seinem avantgardistisch anmutenden Werk durchaus auch ansprechend melodisch, vielfach aber mit verzerrten Tönen und lautmalerischen Geräuschen die arbeitende Mechanik der Apparatur. Dies auf einer Oboe wiederzugeben, ist eine Kunst für sich, die dem hochkonzentrierten Ausführenden zwar viel abverlangte, Holger Haase indes aber auch tadellos und bewundernswert gelang.
Teil zwei der Reihe folgt am Mittwoch
Auch das vom Instrumentalisten in der Ansage bereits „vorgewarnte“ – und im Übrigen trotz der Umstände nicht gerade kleine – Publikum dürfte an mancher Stelle des ungewöhnlichen Stücks zwar erstaunt gewesen sein, erfreute sich aber offensichtlich auch an jenen Momenten, in denen man förmlich verrostete Gestänge sich verschieben und ratternde Greifarme die Spielfiguren bewegen hören konnte. Das hatte man in dieser Form vermutlich nicht erwartet, lockerte aber angenehm die Atmosphäre und erweiterte den Kunstgenuss, der über die erbetenen Spenden letztlich der Orgel der Apostelkirche zu Gute kommen.
Ein guter, ein gelungener Auftakt der Treppenhauskonzerte, die am Mittwoch mit der erwähnten 2. Sonate Deviennes und Clément Zaffinis „5 Séquences“ für Oboe solo um 12 und noch einmal um 19.30 Uhr fortgeführt werden.