Kaiserslautern Auftakt im Zeichen der Historie
Die Farben Hellblau und Dunkelblau mit einem weißen Kreuz in der Mitte sind nicht zu übersehen. Sie prangen von Fahnen und auf dem Boden stehenden Beachflags, von tellergroßen Aufklebern auf dem Straßenpflaster und auf Programmheften zum „Kirchenvolksfest“ 200 Jahre Pfälzer Kirchenunion.
Gestern Nachmittag ist das Fest angelaufen. Gefeiert wird um die Stiftskirche und um die Unionskirche. Noch lassen ein bedeckter Himmel, ein kühles Lüftchen und nur wenige Besucher keine richtige Feierlaune aufkommen. Am Informationsstand neben der Radio-Bühne vor der Stiftskirche halten sich Aileen Diemer und Beate Ludwig von der Evangelischen Kirche der Pfalz bereit, Programmhefte, Luftballons, Pins und die neueste Ausgabe des „Evangelischen Kirchenboten“ zu verteilen. Beide fröstelt es. „Wir hoffen auf Sonne“, so die jungen Frauen gut gelaunt. Derweil haben auf der Radio-Bühne von RPR1 Benni und Johanna mit Geige und Bratsche Platz genommen. Mit zarten Klängen bereiten sie der Geburtstagsfete 200 Jahre Pfälzische Kirchenunion den Weg. Ein wenig weiter um die Ecke hat auf der Haupt-Bühne vor dem Stiftsplatz „Carpe diem“, die Band der Tagesförderstätte der Reha-Westpfalz, mit ihrem Auftritt begonnen. Menschen mit und ohne Behinderung begeistern mit ihrer Freude am Musizieren. Ein paar Dutzend Besucher haben sich eingefunden und warten auf den offiziellen Startschuss des „Kirchenvolksfestes“. Den gibt Kirchenpräsident Christian Schad zusammen mit Dekanin Dorothee Wüst und Oberbürgermeister Klaus Weichel. „Fünf, vier, drei, zwei, eins, null: Das Fest ist eröffnet“, schallt es gemeinsam mit RPR1-Moderator Andreas Kunze von der Bühne. „Was wird gefeiert?“, geht die erste Frage an den Kirchenpräsidenten. Und Schad erinnert an das Ereignis im August 1818 in Kaiserslautern, als sich Lutheraner und Reformierte zur „Protestantisch-Evangelisch-Christlichen Kirche der Pfalz“ zusammenschlossen. 98 Prozent der Synodalen hätten sich dafür ausgesprochen. Erst 155 Jahre später sei es europaweit zu einer Union von Lutheranern und Reformierten gekommen. Dekanin Wüst freute sich, das Geburtstagsfest für die Landeskirche in Kaiserslautern an historischer Stätte ausrichten zu können. „Mit Musik, Unterhaltung und Gesprächen haben wir ein tolles Fest auf die Beine gestellt“, so Wüst. Jetzt könne jeder herausfinden, was das Schöne an Kirche sei. Weichel bekannte sich als Protestant. Nicht immer gehe es in Kaiserslautern wie bei der Kirchenunion einig zu, verwies er auf eine ausgeprägte politische Streitkultur. Kommune und Kirche in Kaiserslautern bescheinigte er ein wenig später auf der „Blauen Bank“ im Gespräch mit Diakoniepfarrer Albrecht Bähr ein gutes Miteinander. „Wir brauchen uns gegenseitig“, erinnerte er an die zahlreichen Kindertagesstätten, deren Betrieb ohne die Kirchen nicht möglich sei. Auch sei die Kirche ein wichtiger Bestandteil im sozialen Netz der Stadt. Ohne das Mitwirken der Kirche hätte der Flüchtlingsansturm 2015 nicht bewältigt werden können, lobte Weichel deren soziales Engagement. In den Farben des Kirchenjubiläums zusammen mit weißen Erika hübsch herausgeputzt präsentieren sich die Bistrotische auf dem Unionsplatz, wo das Duo „Divine Chords“ auf der Lounge-Bühne „Akustik Pop’n’ Roll“ zum Besten gibt. „Schade, es sind nicht viele Leute unterwegs“, so Klaus Orschiedt und Jürgen Jäger vom Gemeindepädagogischen Dienst. Sie nippen an einer Riesling-Schorle und erfreuen sich an Popsongs des Duos.