Kaiserslautern Aufnahmestopp bei der Kaiserslauterer Tafel

Waltraud Plaksin (links) und Max Brösske bei den Ausgabe-Vorbereitungen in den Räumen der Kaiserslauterer Tafel.
Waltraud Plaksin (links) und Max Brösske bei den Ausgabe-Vorbereitungen in den Räumen der Kaiserslauterer Tafel.

Die Kaiserslauterer Tafel schlägt Alarm: Deutlich mehr Kunden, ausgepowerte Helfer und bestenfalls gleichbleibende Warenspenden – diese Rechnung geht nicht auf. Seit Anfang Mai werden keine neuen „Kunden“ mehr angenommen. Den Helfern blutet das Herz.

Freitagnachmittag kurz vor 16 Uhr in der Wollstraße. „So schlimm das ist, wir haben nichts mehr“, sagt Waltraud Plaksin, ehrenamtliche Helferin bei der Kaiserslauterer Tafel, und schließt das Fenster zur Straße hin. Fast 15 Menschen, vor allem Frauen und Kinder, müssen den Rückweg ohne eine Lebensmitteltüte antreten. Obwohl sogar Lagerbestände ausgegeben worden sind.

Zeitsprung: Knapp zwei Stunden zuvor reihen sich die ersten „Tafel-Kunden“ in der Wollstraße ein, die Schlange wächst schnell. Männer, Frauen, Kinder, Junge und Alte, Alleinerziehende und Familien, Alleinstehende. Leicht zu hören, dass nicht nur Deutsch gesprochen wird, allerlei Sprachen mischen sich. Währenddessen haben die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Tafel schon die Finger rundgehen lassen und insgesamt 360 Tüten gepackt: große Papiertaschen mit Obst, Gemüse und Nudeln; kleinere Päckchen mit Süßigkeiten und Milch und Brotpakete mit Backwaren. Je nach Personenzahl werden die Tüten später verteilt.

Stefan Opitz, zweiter Vorsitzender der Kaiserslauterer Tafel, lobt das Engagement des Teams: „Das ist richtig Arbeit. Auch die Ausgabe, die gleich beginnt. Da muss es schnell gehen.“ Insgesamt 35 Männer und ebensoviele Frauen packen bei der Tafel mit an. Die Herren eher am Morgen und Vormittag, wenn sie mit dem Transporter die Supermärkte anfahren, um Lebensmittel abzuholen, die Damen dann in der Wollstraße beim Sortieren und Zählen, beim Packen und an der Ausgabe.

Keine falschen Hoffnungen machen

„Wir kommen personell und was die Menge an Lebensmitteln angeht an unsere Grenze“, sagt Opitz. Also habe man sich vergangene Woche im Vorstand „schweren Herzens“ geeinigt, einen Aufnahmestopp für unbestimmte Zeit zu verhängen. Opitz: „Der gilt für alle Nationalitäten. Es hilft ja auch niemandem, wenn wir die Lebensmittel auf mehr Tüten verteilen und jeder nur noch eine Tomate und einen Salatkopf bekommt.“

In den Räumen der Tafel herrscht rege Betriebsamkeit, alles wird für die Ausgabe vorbereitet: Tüten positioniert, Schnittblumen bereitgelegt und beutelweise die Backwaren herbeigeschleppt. Indes erklärt Opitz die Probleme der Tafel: „Uns fehlt’s an Helfern. Glücklicherweise kommen immer wieder neue Kräfte dazu und viele helfen schon seit Jahren.“ Aber anpackende Hände, gerade von jungen Leuten, könne man stets gebrauchen. Dass innerhalb von zwei Monaten etwa 700 Menschen mehr versorgt werden wollen – vor allem Frauen und Kinder aus der Ukraine – mache die Arbeit der Tafel derzeit extrem schwer: „Das sind etwa 50 Prozent mehr Kunden als vorher, aber wir haben nicht mehr Ware.“

Im Gegenteil, denn die Supermärkte kalkulieren in Zeiten von steigenden Preisen deutlich knapper, einige nutzten bereits Künstliche Intelligenz bei der Warenbestellung, um möglichst wenig Lebensmittel nicht zu verkaufen. „In vielen unserer fast 30 Supermärkte, die uns unterstützen, ist die Menge an Ware rückläufig“, sagt Opitz. Deswegen sei es auch verkehrt, ein Zeitfenster für ein Ende des Aufnahmestopps zu nennen: „Wir wollen keine falschen Hoffnungen machen, wann es weitergeht.“ Seiner Einschätzung nach wohl erst nach dem Ende des Krieges in der Ukraine, wenn die geflüchteten Familien wieder zurückkehren können.

Mehr Helfer würden die Mitarbeiter entlasten

Die Ausgabe beginnt, und die Helferinnen Waltraud Plaksin, Ulla Rottberg und Elke Jung sorgen mit einer weiteren Frau, die nicht genannt werden möchte, für eine reibungslose und zügige Ausgabe durch zwei Fenster. Im Hintergrund sitzt Tafel-Ehrenvorsitzende und -Gründerin Adele Haag, die überprüft, ob die Kunden berechtigt sind, sich an diesem Tag Tüten abzuholen.

Opitz, der sich um die Organisation der Tafel kümmert, würde sich in erster Linie mehr Helfer wünschen: „Das könnte unsere Mitarbeiter entlasten. Die sind derzeit schon sehr gefordert, bei diesen Mengen.“ In Sachen Belastung nicht zu vergessen: Corona hat die Arbeit bei der Tafel nicht einfacher gemacht, und Menschen ohne Lebensmittel wegschicken zu müssen, belaste einige der Helferinnen und Helfer ebenfalls.

Während in der Wollstraße auf der gegenüberliegenden Seite die Tüten von Tafelkunden in Koffern oder Trolleys verstaut werden, geht’s innen weiter betriebsam zu. Gegen 15.30 Uhr sagt eine der Helferinnen: „Da draußen stehen noch ganz schön viele.“ Haag verschafft sich einen Überblick: „Das reicht hinten und vorne nicht.“

Wie sich kurz darauf herausstellt, liegt sie mit der Prognose richtig: Denn obwohl noch Tüten nachgepackt werden, teilweise aus Lagerbeständen, reicht es nicht für alle. Die Fenster werden geschlossen. Draußen bleiben enttäuschte Menschen zurück, drinnen ein Team von engagierten Frauen. Viele mit Schweißperlen an der Stirn. Doch hinsetzen und durchatmen ist nicht: Für die nächste Ausgabe wird jetzt noch durchgeputzt. Alle hoffen, am Dienstag niemanden wegschicken zu müssen.

IWeitere Informationen und Kontakt für potenzielle Helfer im Internet: www.kaiserslauterer-tafel.de.

Großer Andrang in der Wollstraße am Freitag vor der Tafel.
Großer Andrang in der Wollstraße am Freitag vor der Tafel.
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