Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Auch bei zweitem Treppenhauskonzert kratzt Oboist Haase gekonnt an Hörgewohnheiten

Feiert die zehnte Auflage seiner Treppenhauskonzert-Reihe in der Kaiserslauterer Apostelkirche: der Oboist Holger Hasse.
Feiert die zehnte Auflage seiner Treppenhauskonzert-Reihe in der Kaiserslauterer Apostelkirche: der Oboist Holger Hasse.

Zweiter Tag der aktuellen Treppenhauskonzerte in der Apostelkirche: Auch am Mittwochmittag spielte Initiator und Oboist Holger Haase corona-bedingt nicht direkt am namensgebenden Ort, sondern im Kirchenraum selbst. Und wie schon zum Auftakt zwei Tage zuvor (wir berichteten), präsentierte der Künstler auch diesmal wieder nicht alltägliche Kompositionen.

Nur wenig mehr als sein Geburtsjahr (1920) weiß man über den französischen Komponisten Clément Zaffini, aus dessen schmalem Gesamtwerk Holger Haase die „5 Séquences für Oboe solo“ als erstes spielte. Es war trotz seiner klar definierten Mehrteiligkeit das bislang kürzeste Werk, das der Künstler im Rahmen seiner Konzertreihe vortrug – und dennoch (oder gerade deswegen) auch eines der am meisten Aufmerksamkeit einfordernden. Die insgesamt nur wenige Minuten andauernden „Séquences“ drangen hier vom routiniert, gleichwohl hochemotional agierenden Oboisten mit bemerkenswert wirkender Kraft in das im Anschluss mit reichlich Applaus reagierende Publikum.

Englischhorn-Satz wirkt wie erfrischender Windstoß

Den Schwerpunkt dieses Treppenhauskonzerts bildete als Fortsetzung des ersten Parts am Montag nun die „2. Sonate für Oboe solo F-Dur, op. 71, Nr. 2“ von François Devienne (1759 bis 1803) in der Solo-Fassung von Pierre Pierlot. Entgegen der kompositorischen Vorgabe spielte Haase hier das tiefer gestimmte Englischhorn, wobei nicht nur (aber besonders) der lebhafte erste Satz des Werks in nun extra-sonorer, aber dennoch beständig fließender, gleichermaßen bewegter und bewegender Manier frisch gestaltet wurde. Das wirkte in der selbst hinter Kirchenmauern noch zu spürenden hochsommerlichen Hitze wie ein erfrischender Windstoß.

Auch Schritt in die Moderne getan

Einen Schritt in die Moderne ging Holger Haase schließlich zum Ende des etwas über halbstündigen Konzerts mit der Komposition „Quattro Movimenti für Oboe d´amore solo“ von Hans Georg Bertram (1936 bis 2013). Getragen vom besonderen, warmen Klang der nun (und generell eher selten) eingesetzten Oboe d´amore ließ Haase in dem Anfang der 1970er Jahre erschienenen Zyklus nun wieder (wie bereits im ersten Konzert am Montag) avantgardistisch anmutende Verzerrungen und Tonfolgen erklingen.

Das ergab einen interessanten Gegensatz zwischen dem weichen „Sound“ der etwas längeren als übliche Oboe mit ihrem charakteristischen breiten Endstück und der Interpretation der modernen Kompositionen. Hier wurde dadurch auch elegant und angenehm an eingeschliffenen Hörgewohnheiten gekratzt.

Krönender Abschluss folgt am Freitag

Den Abschluss der dreiteiligen Reihe mit Holger Haase bildet am Freitag (um 12 und 20 Uhr) die Darbietung der „3. Sonate für Oboe solo C-Dur. op. 71. Nr. 3“ von Devienne und „Piri für Oboe solo“ des deutsch-koreanischen Musikers und Komponisten Isang Yun (1917 bis 1995).

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