Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Asiatische Hornisse auf dem Vormarsch: Was man wissen muss

So sieht ein sogenanntes Primärnest der Asiatischen Hornisse aus. Etwa im Juli beginnen die Tiere mit dem Bau des größeren Nests
So sieht ein sogenanntes Primärnest der Asiatischen Hornisse aus. Etwa im Juli beginnen die Tiere mit dem Bau des größeren Nests in den Baukronen.

Kaiserslautern scheint eine Hochburg für die Asiatische Hornisse zu werden. In der Innenstadt, in Morlautern, Dansenberg, Erzhütten und Mölschbach sind die Tiere zu finden. Gleiches gilt für den Landkreis. Was tun?

Es ist rund 20 Jahre her, da wurde die Asiatische Hornisse, Vespa velutina, aus China nach Europa eingeschleppt. Die klimatischen Bedingungen, ihre vermehrungsfreudige Art und das Fehlen natürlicher Feinde beflügeln seither ihre Ausbreitung. 2014 wurde sie in Waghäusel in der Nähe von Karlsruhe erstmals entdeckt. Entlang der Rheinschiene von Ludwigshafen bis Worms hat sie sich zügig angesiedelt. Jetzt scheint sie auch die Westpfalz zu erobern. Im Landkreis gab es mehrere Nester genauso wie in der Stadt Kaiserslautern und seinen Ortsteilen.

Hornissen-Beauftragter Werner Mang vom Nabu Pirmasens entfernt gemeldete Neser der Asiatischen Hornisse. Hier ist er in voller M
Hornissen-Beauftragter Werner Mang vom Nabu Pirmasens entfernt gemeldete Neser der Asiatischen Hornisse. Hier ist er in voller Montur in Morlautern im Einsatz.

„In Frankreich ist die Velutina schon lange im gesamten Land stark vertreten, und auch das Saarland ist bereits dicht besetzt“, sagt Werner Mang. Für den Wespen- und Hornissenberater aus Höheinöd war es nur eine Frage der Zeit, bis die Asiatische Hornisse auch in der Westpfalz ankommt. Und sie wird bleiben, da ist sich der einzige Hornissenbeauftragte für die Westpfalz – er beseitigt in der Region gemeldete Nester – sicher. „Es geht nur noch darum, das Vorkommen einzudämmen“, sagt Mang. Die Einwanderung durch diese invasive Tierart ist seiner Meinung nach unumkehrbar. Mang gibt Antworten auf einige wichtige Fragen.

Ist die Asiatische Hornisse gefährlich?


Die Asiatische Hornisse ist – wie die Europäische Hornisse (Vespa crabro) – nicht aggressiv. Bei beiden gehen Stiche – die sind schmerzhaft und können für allergisch reagierende Menschen gefährlich werden – auf eine Verteidigungshaltung zurück. „Die Velutina verteidigt das Nest massiv. Da kommt gleich ein ganzer Pulk an Hornissen an“, erläutert Mang. Die Tiere sollten deshalb nicht unterschätzt werden. Eine Distanz von mehreren Metern zum Nest sollte immer gewahrt werden. Ist er selbst im Einsatz, um ein Nest zu entfernen, geht das nur mit entsprechender Schutzausrüstung, festem Schuhwerk, dicken Handschuhen, Haube sowie Helm mit Visier. Unterm festen Imkeranzug trägt er noch einen extrem dicken Fleece. „Der Stachel ist sechs Millimeter lang, auch wissen die Tiere, wie man gezielt Gift in die Augen spritzt“, beschreibt Mang das Verhalten der invasiven Art. Ein Notfallset für den Fall der Fälle habe er ebenfalls immer dabei.

Wie lebt die fremde Hornisse?
Einzig die Königin überwintert und beginnt im Frühjahr mit dem Bau eines kleinen, sogenannten Primärnests. Das kann in einer Hecke sein oder freihängend etwa am Gartenhaus oder in einer Pergola. Das vielleicht 30 Zentimeter große Nest wird bald zu klein, und das Volk zieht in ein mindestens medizinballgroßes Sekundärnest um, das in den Baumkronen gebaut wird. Dort leben in einem starken Volk 5000 bis 6000 Tiere. Ein kleineres weist 3000 bis 4000 Hornissen auf, sagt der Hornissenbeauftragte und ergänzt, dass die heimischen Hornissenvölker 500 bis 700 Tiere beherbergen.

Ein Sekundärnest der Asiatischen Hornisse in Morlautern.
Ein Sekundärnest der Asiatischen Hornisse in Morlautern.

Genau wie unsere Hornisse ist auch die Asiatische ein Fleischfresser und ernährt sich von Insekten, Spinnen und Käfern. Zudem frisst sie Aas. Die Tiere hätten einen „Mordshunger. Ein Volk frisst im Jahr etwa elf Kilo Insekten. Das ist enorm“, sagt Mang. Die Asiatische Hornisse sei ein ausgezeichneter Jäger, könne wie ein Hubschrauber in der Luft stehen und sogar rückwärts fliegen. Aus jedem Volk überleben nur die Jungköniginnen – das können 500 und mehr sein. Auch das ist ein Grund für die stark steigende Population.

Ist die Honigbiene bedroht?
Befinden sich Bienenvölker im Umfeld des Nestes, machen sich die Hornissen auch über Honigbienen her. Das gleiche Verhalten zeigt die heimische Hornisse. Da deren Völker aber nicht so groß sind und keine so große Lebenserwartung haben, fürchtet der Imker die heimische Art weniger. „Die Velutina kann bis in den Dezember oder Januar überleben, da gibt es kaum noch proteinreiche Beute, und so sucht sie gezielt Bienenstöcke auf“, erklärt Mang. Mit einem engmaschigen Mäusegitter, durch das nur die Biene, nicht aber die Hornisse kommt, kann verhindert werden, dass die Hornisse in den Stock eindringt.

Die Asiatische Honigbiene hat laut Mang eine Abwehrstrategie gegen die Hornisse entwickelt. „Die Bienen fangen die Hornisse vor dem Stock ab, hüllen sie mit einem Schwarm ein und fächeln so lange, bis sich die Luft auf mehr als 46 Grad erhöht und die Hornisse stirbt.“ Diese Taktik kennt die heimische Honigbiene nicht. Vielleicht passe sie sich irgendwann an die Gefahr an und wehre sich, schildert Mang. „Warum nicht, in der Natur ist vieles möglich.“

So unterscheiden sich die Europäische und Asiatische Hornisse.
So unterscheiden sich die Europäische und Asiatische Hornisse.

Wie unterscheiden sich Asiatische Europäischen Hornisse?
Die Farbe macht den Unterschied zwischen der heimischen und invasiven Art. Die Asiatische hat einen überwiegend schwarzen Körper. Hinterleib und Kopfschild sind ebenfalls dunkel mit gelben Banden, die Beine sind gelb. Sie ist mit etwa drei Zentimetern etwas kleiner als die Europäische Hornisse, die eine rotbraune Grundfärbung des Kopfes, der Brust und Beine hat und den vertraut typischen schwarz-gelben Hinterleib aufweist.

Wo wird ein Nest gemeldet?
Während die Europäische Hornisse als bedrohte Art gilt, ist die Asiatische als invasive Art eingestuft. Das bedeutet, jede Sichtung eines Nestes muss gemeldet werden, wobei die Zuständigkeit bei den unteren Naturschutzbehörden (Stadt- und Kreisverwaltung) liegt.

Das Melden kann laut Mang auch über die Seite www.artenfinder.rlp.de geschehen. Über den Reiter „Mitmachen“ den Unterpunkt Meldeaufrufe auswählen und dann den Punkt „Asiatische Hornisse“ auswählen. „Es kann schnell gehen, aber auch mal eine Weile dauern, bis das Nest dann entfernt wird“, weiß Mang. Das Entfernen des Nestes erfolgt durch den Hornissenbeauftragten, in der Westpfalz also durch Mang. Für die Grundstückseigentümer fallen dabei keine Kosten an.

Durch das herabfallende Laub im Herbst sind die großen Hornissennester in den Baumkronen gut zu erkennen. Mang bittet, die Nester zu melden, „solange das Volk noch lebt und die Jungköniginnen im Nest sind, können wir zumindest die entdeckten beseitigen“, erklärt Mang. Die Ausbreitung der Velutina könne so wenigstens noch ein bisschen eingedämmt werden. Mehr sei nicht mehr möglich.

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