Kaiserslautern
Arnd Zeigler im Kulturzentrum Kammgarn zu Gast
In der neuen Tour mit dem Titel „Hat schon Gelb“ präsentierte Zeigler nicht nur skurrile Tore und Eigentore sowie markante Sprüche, sondern er erzählte auch in klassischer Zeigler-Manier mit Filmen und Anekdoten seine eigene Fußballgeschichte. Auch die Betzespieler Terrence Boyd und Lars Bünning hatten ihr Vergnügen an dieser aufregenden Reise durch die Fußballwelt.
Seit 15 Jahren in Sachen Fußball unterwegs
Seit 15 Jahren analysiert der Moderator, Stadionsprecher von Werder Bremen, Kolumnist und Buchautor am Schreibtisch seiner Wohnung den Fußball-Zirkus mit viel Leidenschaft. Immer mit Humor und dem typisch ironischen Augenzwinkern. „Fußball beansprucht das Hirn des Mannes, der sich keine Zeit nimmt, erwachsen zu werden.“ Mit diesem Wahlspruch begrüßte der 57-Jährige seine Fans, die ihn mit Riesenbeifall empfingen. „Fußball-kulturell“ wollte er sich zunächst „an Kaiserslautern heranarbeiten“ und legte ostentativ einen Betzeschal mit Fritz Walters Konterfei und das Trikot von Terrence Boyd mit der Rückennummer 13 über sein Rednerpult.
„Was ist an Fußball das Tolle?“ fragte er, „was ist das, was uns alle an Fußball so fasziniert?“ Um das zu belegen, zeigte er eine Film-Szene aus einem Spiel von Fortuna Bielefeld, deren Spieler im Jahr 1970 gegen Bayern München in München in der letzten Minute das Siegestor schossen. Die Zuschauer stürmten nach diesem Tor den Platz und rasteten völlig aus. Diese Leidenschaft gebe es nur im Fußball, meinte Zeigler. Fußball könne sogar wundervolle Freundschaften stiften, fuhr er ironisch fort und zeigte ein Bild, auf dem sich Putin und der Präsident der Fifa, Gianni Infantino, mit einem Glas Sekt zuprosten.
Fußball sei die schönste Nebensache der Welt und ein Spiel dauere 90 Minuten? Ganz falsch, behauptet Zeigler: Nicht die schönste Nebensache, sondern die schönsten Nebensächlichkeiten sind es, woraus er Fußballträume strickt. Witzig, traurig, skurril und immer ein bisschen böse. Aber wer kann ihm das schon übelnehmen, wenn es am Ende was zu lachen gibt? Und schließlich müsste jeder mal dran glauben. Die Guten ebenso wie die Kauzigen und die Bayern genauso wie die Bremer. Ob auf dem Platz oder hinter den Kulissen. Passt auf was ihr sagt, ihr Fußballgötter! Zeigler findet alles!
Lothar Matthäus als Literat
So zeigt er ein Bild mit „Loddar“ Matthäus beim Deutschlernen und Berti Vogts beim Lesen. Bloß hält der ehemalige Eisenfuß das Buch verkehrt herum. Auch originelle Sprüche der Fußballer oder Trainer sind vor Zeigler nicht sicher. „Allein lohnt es sich nicht, diese Spiele heute Abend anzukacken“, habe ein Spieler gesagt. Oder „Am heiteren Himmel hat er ein Tor geschossen, leider war es ein Eigentor“. „Gibt es einen Körperteil, der ihnen nicht zu schaffen macht?“, habe die Fernsehmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein Sebastian Rode von Eintracht Frankfurt gefragt. Der grinst und antwortet: „Das wäre der gut funktionierende …“. Dann schweigt des Sängers Höflichkeit.
Der Erfinder der Kacktore
Spektakuläre Eigentore zeigt Zeigler am laufenden Band. Da tritt der Torwart gleich zwei Mal über den Ball, Michael Roche aus Tahiti gelingt das Kunststück, von der Auslinie ins eigene Tor zu treffen, oder einem anderen gelingt es, den Abpraller ins eigene Tor zu nageln, nachdem der Gegner den Ball an den Pfosten gefeuert hatte. „Weil Geld keine Tore schießt“, so Zeigler, „übernimmt es der Torwart“, nachdem der Schuss des Gegners vom Pfosten quer über die Torlinie rollt und der Torwart die Kugel mit dem Absatz über die Linie kickt. „Kacktore“ nennt der Moderator solche Missgeschicke. „Es ist halt besser, fünf kleine Scheißfehler zu machen, als einen richtigen“, kommentiert der Schnellredner. „Das Gehirn macht eben andere Dinge, als der Rest des Menschen ausführt.“
„War Fußball früher schöner als heute?“, fragt Zeigler. Man habe den Eindruck, dass früher noch echte Typen auf dem Platz standen, meint er. Damals seien die Spieler noch nicht medial geschult gewesen, teilweise noch schüchtern und zurückhaltend. Aber auch heute gebe es Phänomene, die großen Unterhaltungswert besäßen. Jürgen Klopp zum Beispiel oder RB Leipzig, an denen man sich kritisch reiben könne. Er vermisse nur manchmal die Unschuld, die verloren gegangen sei. „Heute hat man das Gefühl, es ist alles glatter und reiner geworden.“ Rasender Beifall am Ende. Selbst nach drei Stunden konnten die begeisterten Zuschauer nicht genug von Zeiglers Sprüchen bekommen.