Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Arbeitsmarkt in Kaiserslautern trotz bundesweiter Hiobsbotschaften stabil

Angesichts der weltpolitischen Lage sucht General Dynamics derzeit Schweißer, sagt Arbeitsagentur-Chef Peter Weißler.
Angesichts der weltpolitischen Lage sucht General Dynamics derzeit Schweißer, sagt Arbeitsagentur-Chef Peter Weißler.

Die Arbeitslosigkeit im Stadtgebiet Kaiserslautern ist 2025 leicht angestiegen. Warum sich der Arbeitsmarkt dennoch stabil präsentiert, ordnet Agenturchef Peter Weißler ein.

80 Arbeitslose mehr zählte die Agentur für Arbeit Kaiserslautern-Pirmasens Ende Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um 0,1 Prozentpunkte; die Quote stieg von 9,3 auf 9.4 Prozent. Für Peter Weißler, Chef der für die gesamte Westpfalz zuständigen Agentur, etwas überraschend. Angesichts „der Hiobsbotschaften für den Arbeitsmarkt bundesweit“, von denen immer wieder zu lesen sei, „müsste man mit einer größeren Zunahme rechnen“. Der Arbeitsmarkt in der Westpfalz allgemein und in der mit Abstand größten Stadt der Region speziell zeige sich „sehr stabil“, sagt Weißler, im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Betriebe melden weniger freie Stellen

In der Stadt Kaiserslautern registrieren die Statistiker der Agentur für Arbeit zum Stichtag 30. Juni 2025 knapp 57.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, knapp 300 weniger als im Jahr davor. „Man hätte meinen können, dass es deutlicher nach unten geht“, sagt Weißler angesichts des Rückgangs um 0,5 Prozent. Dennoch: Im Vergleich zu 2020 bieten die Arbeitgeber im Stadtgebiet aktuell mehr als 3000 Menschen mehr Arbeit. 2020 waren es etwa 53.400, heute sind es rund 56.890.

Spürbar ist der Rückgang bei den von den Betrieben bei der Agentur für Arbeit gemeldeten freien Stellen. Im vergangenen Dezember waren es 1130 Stellen, im Vergleich zum Vorjahr rund 250 weniger, was einem Minus von 18,3 Prozent entspricht. „Das fällt schon auf, wir liegen damit unter dem Wert vom Dezember 2020“, sagt Weißler. Zwischenzeitlich, 2021 und 2022, lag die Zahl der offenen Stellen in Kaiserslautern jenseits der 2000er-Marke. Weißler spricht in diesem Zusammenhang vom „Amazon-Effekt“: der Versandhandel-Riese hat im Industriegebiet Nord ein Verteilzentrum eröffnet, das rund 2000 Menschen Arbeit bietet.

Das schlägt sich auch an anderer Stelle der Arbeitsmarktstatistik nieder: Im Wirtschaftszweig Handel und Auto-Reparatur verdienen in Kaiserslautern mit fast 10.000 Arbeitsplätzen die meisten Menschen ihr Geld, auf Rang zwei folgt die Gesundheitsbranche (8670), Stichwort Westpfalz-Klinikum. Im klassischen verarbeitenden Gewerbe, also großen Industriebetrieben, arbeiten – auf Rang vier hinter den Wirtschaftlichen Dienstleistungen – rund 7500 Menschen. „Das verarbeitende Gewerbe war mal die Nummer eins“, sagt Weißler.

100 freie Stellen im verarbeitenden Gewerbe

In genau diesem Sektor, also dem verarbeiteten Gewerbe, sind dennoch mehr als 100 freie Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Es sei kein Geheimnis, sagt Weißler, dass aufgrund der weltpolitischen Lage bei General Dynamics, quasi beim Nachbarn der Agentur für Arbeit, das Geschäft brummt. Das Unternehmen, das auch in der Rüstungsindustrie tätig ist, suche seit einiger Zeit spezialisierte Industriearbeiter, insbesondere Schweißer. Dem Vernehmen nach sind einige Menschen, die beim in Zweibrücken ansässigen Kranbauer Tadano ihre Arbeit verloren haben, nun in Kaiserslautern bei General Dynamics untergekommen.

Auch in der Pflegebranche und auf dem Erziehungssektor sind laut Weißler die Berufsaussichten gut, seit Jahren nehme die Anzahl an Beschäftigten in den beiden Bereichen zu. Im Gesundheitswesen etwa werden in Kaiserslautern mehr als 100 Menschen gesucht. Für Weißler erscheint die Zahl etwas niedrig, womöglich sei der Bedarf weitaus größer, als es die Zahlen spiegelten. „Manche Betriebe melden Bedarf von fünf Stellen, suchen aber weitaus mehr Kräfte.“

Generell sei bei den gesuchten Kräften die komplette Wirtschaftsstruktur der Stadt abgebildet. „Der Markt ist in Bewegung. Die Chancen für Menschen, wieder Arbeit zu finden, sind da“, sagt Weißler. Im Laufe des vergangenen Jahres habe sich der Markt in Kaiserslautern zusehends stabilisiert.

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