Kaiserslautern
Americana-Sängerin Vanessa Novak in der Friedenskapelle
Vanessa Novaks Konzert war prall gefüllt mit Geschichten und Botschaften. Unterstützt von ihren zwei Westerngitarren, den Varianten der Akkordbegleitung und dem Einsatz von Kapodaster und offenen Stimmungen gelingt es der heute in Darmstadt lebenden, erfahrenen Musikerin die Songs in ein passendes Gewand zu stecken. Das Konzert startet mit leicht gezupften Stahlsaiten und ein ständig wiederkehrender Bindungsaufschlag der linken Hand erzeugen eine leicht süßlich-fröhliche Stimmung.
Die Autodidaktin kam über Umwege als Jugendliche zur Gitarre. Sie begann früh Songs zu schreiben, natürlich in Englisch. Das ist für sie kein Problem, da sie zweisprachig aufgewachsen ist und schon als Zweijährige den Songs der Country-Queen Dolly Parton lauschte. Immer hatte sie sich intensiv mit den Texten auseinandergesetzt. Naheliegend, dass sie mit den eigenen Songs ihre Lebenserfahrungen, Begegnungen musikalisch im Americana-Stil verpackt.
Authentische Musikerin
So kommt Novak als authentische Musikerin gut beim Publikum an. In „Old Friend“ vergleicht sie mit klarer kräftiger Stimme eine angeknackste tiefe Freundschaft mit der Metapher ausgetretener Schuhe, die man aber keinesfalls aufgeben möchte: „I stick to gum when I committed to someone…“. Mit rockig-fetten Akkorden kommt ein Zwiegespräch mit dem Brautkleid ihrer besten Freundin daher. Mal wird ein beschwingtes Fingerpicking in offen gestimmter Gitarre eingestreut.
Stets nimmt sie die Zuhörer bei ihren Anmoderationen mit, wenn sie einen Einblick in die Bedeutung und Hintergründe der englischen Texte gibt. Das macht den Abend für das Publikum wertvoll und nachhaltig. Vor allem erkennen es die Zuhörer so , wenn ein harmlos plätschernder Song einem schwerwiegenden Text gegenübersteht, der die mit allen Mitteln nötige Verbannung eines Lebensabschnittspartner enthält („Used to Be Home“).
Fan von Lucinda Williams
„Farewell“ bietet entspannte Auflockerung mit einfach-fröhlichem Lagerfeuer-Geschrammel im besten Sinne und der ausdrucksstarken Gesangsstimme von Vanessa Novak, die für Folk-Country absolut passend ist. Ein nachdenkliches Zupfmuster mit reduzierter Songstruktur umspielt das Unvermögen, die Liebe zu einem Menschen auszusprechen („Three Words“).
Einige Coverstücke ergänzen das Programm. Dem Bob-Dylan-Song „Not Dark Yet“ stülpt sie ihre wesentlich interessantere stimmgewaltige Interpretation über. Und sie outet sich als Fan der mehrfachen Grammy-Gewinnerin Lucinda Williams (USA) für die poetischen Texte, wie in dem vorgestellten Cover „I Envy the Wind“ (ich beneide den Wind) oder auch dem Nicht-Loslassen-Können in dem temporeichen Song „Can’t Let Go“.
Melancholischer Lagerfeuersong
In der eigenen Ballade „Thirst“ besingt sie den Durst der Seele, dem hin und her gerissen zwischen beständiger Partnerschaft und einer anderen Seelenverwandtschaft. Die vielfältigen menschlichen Themen sprechen das Publikum direkt an. So singt sie von der Unausweichlichkeit, mit den Veränderungen im Leben klarzukommen („Bound to Change“). Sie liebt Kopfkino.
Das Programm beendet sie mit dem melancholischen „Home Is Where My Heart Is“, einem genialen Lagerfeuersong mit Ohrwurmcharakter. Die eingeforderte Zugabe spielt sie unplugged direkt vor der ersten Stuhlreihe: Den herrlich interpretierten Johnny-Cash-Song „Folsom Prison Blues“ und eine weitere kleine Mitsing-Nummer für das Publikum. Im anschließenden Gespräch verrät Vanessa Novak, dass Sie ihre Jugend in der Südwestpfalz verbrachte und eine Ausbildung in Kaiserslautern absolvierte. Die Leidenschaft für Musik hat sie quasi trotz Beruf, Familie mit drei Kindern nebenbei für sich kultiviert. Chapeau!
CD
Vanessa Novak: „Emotional Hangovers and a Hijacked Soul“, 14 Tracks, 57 Minuten, ihrer liebsten Songs, im Studio mit befreundeten Musikern eingespielt. Es ist ein abwechslungsreiches Album mit Folk, Country, Blues. In Bandbesetzung kann Vanessa Novaks Stimme noch mal anders glänzen, Sisterhood Records 2025, Apple Music.