Kaiserslautern
Amazon-Deutschland-Chef Kleber: „In meinem Büro hängt ein FCK-Schal“
Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber, gebürtiger Kaiserslauterer, kommt gerne zurück in die alte Heimat. Über den pfälzischen Dialekt, die Arbeitsbedingungen bei Amazon und den Einzelhandel in Kaiserslautern hat Benjamin Ginkel am Rande des „Coming Home for Christmas“-Amazon-Konzerts mit Mark Forster gesprochen.
(lacht) Ejo, mer kenne Pälzisch schwätze. Das hann ich doch in Lautre gelernt! Aber fürs Interview ist Hochdeutsch vielleicht besser.
Sie sind also ein echter Lautrer?
Ich bin im städtischen Krankenhaus geboren und bin ein Hütterer durch und durch. Dort habe ich auch Fußball gespielt und meine Eltern leben noch hier.
Amazon hat die Deutschlandzentrale in München. Kommen Sie noch oft in die alte Heimat?
Leider nicht. In der Regel kommen meine Eltern uns und ihre beiden Enkel in Bayern besuchen. Aber nach der Anreise heute mit dem Zug, da ging’s vom Bahnhof direkt heim zu meiner Mutter zum Essen. Ansonsten stehen alle fünf Jahre Klassentreffen an. Ich habe hier noch jede Menge Schulfreunde aus meiner Zeit am Rittersberg-Gymnasium.
Sie sind seit 1999 im Amazon-Management. Jetzt sagt man Pfälzern zwar nach, dass sie loyal sind, aber in Ihrer Position kommt es ja nicht nur darauf an, dass Sie bleiben wollen ...
(lacht) Tatsächlich bin ich der dienstälteste Country Manager bei Amazon – weltweit. Sie wissen ja, wie das bei Pfälzern läuft: Wir machen noch ’ne Runde und noch ’ne Runde – und noch ’ne Runde. Wie in der Wirtschaft.
Und jetzt in der Vorweihnachtszeit können Sie hier entspannt sitzen, während die Kassen klingeln ...
Das Weihnachtsgeschäft ist für uns eine wichtige Zeit, jetzt beschäftigen sich die Kunden damit, was sie ihren Liebsten schenken. Das ist nach wie vor die umsatzstärkste Zeit, aber wir haben ja beispielsweise auch den Cyber-Monday. Den hat Amazon vor einigen Jahren nach Deutschland gebracht, und mittlerweile ist er auch hier etabliert.
Ab November sind dann sicher besonders viele Menschen für Amazon tätig. Wie viele sind es deutschlandweit?
Bis zum Jahresende werden wir rund 20.000 Festangestellte deutschlandweit sein, etwa 4500 davon in Rheinland-Pfalz. Plus die Saisonkräfte in der Spitzenzeit, wie jetzt vor Weihnachten.
Was die Bezahlung und Behandlung der Mitarbeiter angeht, steht Amazon immer wieder in der Kritik ...
Das kann ich so nicht stehen lassen: Wir sind ein verantwortungsvoller und fairer Arbeitgeber. Uns ist doch klar, dass ein erfolgreiches Weihnachtsquartal ohne unsere motivierten Kolleginnen und Kollegen in den Logistikzentren gar nicht denkbar wäre. Und, wir verbessern uns täglich. In Frankenthal beispielsweise hat jetzt der Betriebsrat seine Arbeit aufgenommen, und mit einem Einstiegsgehalt von 11,59 Euro die Stunde für ungeübte Kräfte stehen wir, wie ich meine, sehr gut da. Das ist ein ordentliches Gehalt im Versandbereich. Übrigens kann sich jeder, der es sehen will, selbst ein Bild vom Ablauf in Frankenthal machen. Wir sind da offen für Besucher.
Amazon ist fast zum Synonym für Umsatzeinbußen im Einzelhandel geworden. Trauen Sie sich noch in die Kaiserslauterer Fußgängerzone?
Aber natürlich. Die Hauptherausforderung der Fußgängerzone in Kaiserslautern ist aus meiner Sicht nicht der Internethandel, der übrigens gerade einmal zehn Prozent des Handelsvolumens ausmacht. Kaiserslautern steckt in einem Transformationsprozess vom Industrie- zum Technologiestandort. Durch den Arbeitsplatzabbau ist die Kaufkraft begrenzt. Die reicht nicht aus, um alle Einzelhändler zu erhalten.
Um den Einzelhandel zu stärken, arbeitet die Stadt Kaiserslautern derzeit an Projekten, wie die Händler vor Ort ihre Waren leichter zu den Kunden bekommen. Etwa mit Abholstationen.
Zunächst mal will ich der Stadt für den Mut gratulieren, sich dem Thema Digitalisierung zu stellen. Denn Digitalisierung fängt immer damit an, dass sich jemand etwas traut. Und: Die Flexibilisierung der Zustellung haben wir ebenfalls im Blick. Der Kaiserslauterer Ansatz ist richtig. Das Paket muss den Kunden finden, nicht der Kunde das Paket. Die Zustellung muss sich dem Lebensrhythmus der Kunden anpassen.
Nutzen Sie privat den Amazon-Sprachassistenten Alexa?
Klar, mit großer Freude und im ganzen Haus.
Sie haben keine Angst, dass ihre Gespräche in einem rumänischen Schreibbüro transkribiert werden?
Um Sprachmodelle zu verbessern, muss anonymisiert analysiert werden, was die Nutzer machen. Ohne Training keine neuen Funktionen.
Sie wissen also nicht, was Familie Ginkel am Abend am Esstisch bespricht?
Natürlich nicht. Datenschutz und der Schutz der Privatsphäre sind uns wichtig. Als Unternehmen hat man beim Kunden nur ein Vertrauen. Ist das verspielt, ist der Kunde weg. Alexa ist eine noch junge Technologie, die erklärt werden muss. Das geht nur mit Transparenz. Daran arbeiten wir.
Bei Ihren Kaiserslauterer Wurzeln muss die Frage noch gestellt werden: Verfolgen Sie die Situation auf dem Betzenberg?
In meinem Büro hängt ein FCK-Schal. Nach Jahren der Freude und des Leides bin ich noch immer ein glühender Fan, weswegen ich mich damals ehrenamtlich als Berater im Teufelsrat engagiert habe.
Aus dem Fritz-Walter-Stadion die Amazon-Arena zu machen ist keine Option? Das könnte der finanziellen Situation des Vereins ja schon helfen ...
Da muss man verstehen, dass es für Amazon schwierig wäre, gezielt einen Verein zu unterstützen. Schließlich gibt es Amazon in ganz Deutschland. Wir suchen da lieber andere Wege, engagieren uns beispielsweise verstärkt im Live-Streaming. Auch davon profitieren die Vereine.
