Kaiserslautern Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

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Irgendwie war es ja mit Stefan Raab so wie mit Helene Fischer. Es gab kein Entrinnen. Das breite Grinsen, das einem immer mit einer Mischung aus Anarchie, Häme, Boshaftigkeit und der Attitüde des ewigen Fernsehstrolches, dessen Streiche man ihm eigentlich nicht verübeln konnte, auf der Mattscheibe entgegenflimmerte, war allüberall. In „TV total“ wie bei der Wok-WM, beim Turmspringen wie beim Stockcar-Rennen. Seine Samstagabendshow „Schlag den Raab“ blockierte bis spät nach Mitternacht einen ganzen Sender, und man fragt sich jetzt besorgt: Was wird nun aus Pro 7, ohne Stefan Raab? Was bleibt von diesem Sender, der sich irgendwie ganz seinem Superstar ausgeliefert hat und ihn sogar als Polit-Talker auf die Republik losließ? Mit eher überschaubaren Erkenntnisgewinn. Aber letzterer war ohnehin nie ein Thema für den gelernten Metzger, der 1966 in Köln geboren wurde und der als Talk-Anarchist beim Musiksender Viva begann, ehe er 1999 zu Pro 7 wechselte. Es ist deshalb auch nur eine rein akademische Feststellung, zu sagen, Raab habe das deutsche Fernsehen revolutioniert. Fragen der Methodik und Ästhetik interessieren einen Moderator wohl doch eher weniger, der sich bis zu deren sozialer TV-Totalvernichtung über den Namen Lisa Loch einer 16-Jährigen lustig machen konnte. Nein, das Florett war nie Stefan Raabs Sache. Seine Gags kamen mit dem Holzhammer. Mit der Keule: „Rainer Calmund hört auf. Für Leverkusen heißt es jetzt: Die fetten Jahre sind vorbei.“ Kein Witz war geschmacklos genug, um nicht in seiner Sendung „TV total“ zu landen. Die kann man sich durchaus als Fleischwolf oder als wiederkäuende Kuh vorstellen. Der Metzger und das liebe Vieh halt. Alles wurde verwurstelt darin und nochmals verdaut. Raab sammelte die Peinlichkeiten des deutschen Fernsehens und präsentierte sie einem johlenden und Schenkel-klopfenden Publikum mit jenem bereits erwähnten Grinsen hinter seiner beweglichen Theke des schlechten Geschmacks sitzend. Er machte nur Witze über andere, führte die Freaks der Nachmittags-Talkshows ebenso vor wie die Patzer der vermeintlich öffentlich-seriösen Fernsehindustrie. Das hatte eine Art reinigende Wirkung beim Zuschauer. Der bekam vor Augen geführt, wie viel kontaminierter geistiger Müll sich im Laufe einer deutschen Fernsehwoche so ansammeln konnte. Und ganz im Sinne der aristotelischen Poetik kam es auch zur Katharsis bei uns, die wir mit einem Schauern vor der Glotze saßen und den Fernsehgöttern dankten, dass wir da gerade nicht zu sehen sind, wie wir in breitestem Sächsisch „Maschendrahtzaun“ sagen. Das ist die eine Seite von Stefan Raab. Die andere heißt: Der Alles-Könner. Der Universalist. Der Leonardo da Vinci des TVs. Das Geschäfts-Genie. Wenn im deutschen Fernsehen in den vergangenen 10, 15 Jahren Innovatives passierte, hatte Raab nicht selten seine Wurst-Finger mit im Spiel. Und immer war er für den Selbstversuch zu haben. Keine Raab-Sendung ohne den Mitmach-Raab, den schwitzenden, boxenden, auf dem Eis Runden drehenden, den Turm-springenden und Wok- sowie Autorennen-fahrenden Stefan Raab. Wo ein Günter Jauch auf seinem Quiz- oder Talkstuhl festgetackert zu sein scheint, gab es eigentlich nichts, was Stefan Raab nicht zumindest probierte. Und sich durchaus dabei auch blamierte. So viel Mut hatten wenige, obwohl ihm die Eigenschaft zur Selbstironie sicherlich völlig abging. Seine Geschöpfe bleiben uns ja ohnehin erhalten, die Figuren, die als Eigenmarken aus dem Imperium Raab hervorgingen. Sei es nun Lena, die ESC-Gewinnerin, oder die singende Nussschnecke aus Trier, Guildo Horn. Und natürlich Elton, TV-Praktikant in einer Dauerfernsehsendung. Alles hat ein Ende nur die Wurst aus der Metzgerei Raab, die hat zwei. Er kommt wieder, keine Frage. Nur eine des Gelds. Und hinterm Maschendrahtzaun geht dann unter dem Schlachtvieh auch wieder die Angst um vor dem Alles-Verwurster des deutschen Fernsehens. Das Aufatmen währte nur kurz.

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