Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel 550 Familien kommen zur Kaiserslauterer Tafel

Frisches Obst gehört zum Angebot der Tafel.
Frisches Obst gehört zum Angebot der Tafel.

Die Kaiserslauterer Tafel versorgt bis zu 1500 Menschen. Zurzeit ist wieder Aufnahmestopp. Ausreichend Lebensmittel zu bekommen, wird immer schwieriger.

Brot und Brötchen, Äpfel und Kopfsalat oder auch Ravioli in Dosen werden im Tafelladen in der Bleichstraße an Menschen verteilt, die am Existenzminimum leben. Jeder Bedürftige darf im 14-tägigen Rhythmus Hilfe in Anspruch nehmen. Da lediglich gespendete Waren verteilt werden, ist eine Rundumversorgung nicht möglich. Die Hilfe soll eine Ergänzung zum täglichen Bedarf sein.

„Für unser Motto ,Verteilen, statt Vernichten’ arbeiten regelmäßig etwa 85 Frauen und Männer ohne irgendeine Entlohnung oder sonstige Vergütung an fünf Tagen in der Woche für die Tafel“, sagt Stefan Opitz. Er ist Vorsitzender im geschäftsführenden Vorstand der Kaiserslauterer Tafel. Mit dem Sammeln von qualitativ einwandfreien Lebensmitteln bei Supermärkten und Bäckereien arbeitet die Organisation dafür, Menschen in besonderen Lebenssituationen am Rande des Existenzminimums Hilfestellung zu leisten.

Aufnahmestopp bis Februar

„Bei der Versorgung der Menschen stoßen wir aber zunehmend an Grenzen. Wir können einfach den Kreis der Berechtigten so gut wie nicht mehr erweitern“, erzählt der Vorsitzende. Öfter schon habe es Aufnahmestopps geben müssen. Zurzeit gelte dies auch bis Februar. „Aber wir müssen dann wieder genau abwägen und auswählen, wen wir versorgen sollten“, meint Opitz. Die schlechtesten Chancen hätten dabei junge Männer um die 20 Jahre.

Ausgegeben werden die gespendeten Lebensmittel an etwa 550 Haushalte. „Wir erreichen damit zwischen 1300 und 1500 Menschen, darunter sind 240 Kinder.“ Rentner, Harz-IV- und Grundsicherungsempfänger sowie Migranten und Geflüchtete könnten mit ihren Tüten in das Haus in der Bleichstraße kommen, wenn sie den von der Tafel ausgestellten Ausweis besitzen. Den erhalten sie, wenn die Bedürftigkeit durch entsprechende öffentliche Dokumente nachgewiesen wird. Es soll so gewährleistet werden, dass die Ware auch den Menschen zugutekommt, die tatsächlich Hilfe brauchen.

Deutlich mehr Dankbarkeit als Gemecker

„60 Prozent unserer Kunden haben einen deutschen Pass“, erläutert Opitz. Wie groß davon der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund sei, könne er nicht mit Sicherheit sagen. Der Anteil der Ukrainer an den Tafel-Kunden liege bei 30 Prozent und zehn Prozent der Bedürftigen komme aus der Türkei, dem Iran und Syrien. Die Stimmung an den Ausgabetagen sei davon geprägt, dass die meisten Menschen in der Warteschlange sehr dankbar für die Sachen seien. „Natürlich gibt es immer auch welche, die herummeckern. Wir reden dann mit ihnen und erklären, dass nur verteilt werden könne, was an Spenden da ist“, sagt der Vereinsvorsitzende. Das habe bisher immer geholfen.

An den Ausgabetagen seien es meist die Frauen des Tafel-Teams, die mit den Kunden zu tun hätten. Im Laufe der Woche hätten die Männer die Aufgabe, die Sachspenden in den Läden einzusammeln. „Das wird aber in der letzten Zeit immer schwieriger, denn dort wird zunehmend genauer kalkuliert“, berichtet der Mann von der Tafel. Produkte würden eher im Markt stark vergünstigt verkauft, statt umsonst an die Tafel abgegeben. „Das sind alles Sachen, die uns nachher fehlen“, erklärt Opitz, der auch verstehen kann, dass der Marktleiter an seine Marge denken muss. Doch versiegten die Quellen für Sachspenden nicht dramatisch. Bei Edeka, Penny, Lidl, Aldi, Globus und der Barbarossa-Bäckerei klopften die Tafel-Mitarbeiter nie umsonst an die Tür, sagt der Vorsitzende.

Eine der ältesten Tafeln im Land

Um allerdings den laufenden Verpflichtungen – Miete, Energiekosten, Unterhalt der Fahrzeuge, Versicherungen, Entsorgung, Telefon und mehr – nachkommen zu können, sei die Tafel auf Geldspenden angewiesen. „Und hier sind wir der Justiz dankbar“, betont Opitz. Denn in Steuersachen oder für Schwarzfahrer beispielsweise werde gegen eine Geldspende an die Tafel so manches Verfahren eingestellt. Aber auch Firmen und Vereine öffneten die Kasse für die Tafel insbesondere in der Zeit vor Weihnachten.

„Die Kaiserslauterer Tafel wurde von unserer Ehrenvorsitzenden Adele Haag und weiteren Personen 1998 gegründet“, erinnert der Tafel-Sprecher. Sie gehöre damit zu den ältesten Tafeln in Rheinland-Pfalz. Aufgrund der offensichtlichen Förderung mildtätiger Zwecke sei die Organisation als gemeinnütziger eingetragener Verein anerkannt und Mitglied im Dachverband „Tafel Deutschland“ mit seinen mehr als 930 Tafeln in Deutschland.

„Durchstrukturiert wie in einem Unternehmen“

Ganz optimistisch schaut der Tafel-Vorsitzende in die Zukunft mit Blick auf die ehrenamtlichen Mitarbeiter. Frauen und Männer seien etwa gleich stark vertreten. Ihre Anzahl schwanke zwar immer leicht, aber meist könnten die Aufgaben bei der Tafel auch nur Leute übernehmen, die das eigentliche Arbeitsleben schon hinter sich haben. „Wir sind hier durchstrukturiert wie in einem mittelständischen Unternehmen. Das ist unbedingt erforderlich, weil die einzelnen Tätigkeiten unmittelbar ineinandergreifen.“ Dabei sei die Mannschaft eingespielt. Nur so könne bei der Tafel Planungssicherheit herrschen und andauern. „Wir hatten schon Anfragen von Leuten, die vier Wochen Zeit hatten und sich so lange engagieren wollten“, berichtet Opitz. Dies sei zwar gut gemeint, bringe aber leider für den Betrieb bei der Tafel nicht so viel.

Auch Backwaren gibt es kistenweise.
Auch Backwaren gibt es kistenweise.
Die Helfer sortieren die Waren.
Die Helfer sortieren die Waren.
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