Kaiserslautern
20 Jahre Künstlerwerkgemeinschaft: Stetig neue Perspektiven aufgetan
In Teil drei der Serie geht es nach den „dreidimensionalen“ nun um die zweidimensional wirkenden Künstler. Scharfkantiges Klassifizieren in einzelne Genres gelingt jedoch bei den Drei- und Zweidimensionalen nur bedingt. Sind doch bildende Künstler „nach allen Regeln der Kunst“ darauf aus, Perspektiven zu entdecken. So manche Schaffensperiode oder Materialentdeckung führt daher zu Tiefen und Höhen, konkret sogar zu papiernen Reliefen oder gar wellpappenen Monumenten.
Letztere kennzeichnen neben grafischen Farbzeichnungen das Oeuvre Roland Alberts. Das KWG-Gründungsmitglied, geboren 1944 in Lothringen, studierte Bildende Kunst in München, unterrichtete an Gymnasien und arbeitete stets als freischaffender Künstler. Von Anbeginn dabei, bezeugt Erika Klos mit experimenteller Malerei und „dichtenden Grafiken“ das gehobene Niveau dieser Gemeinschaft. Geboren 1936 in Marktredwitz, Studium der freien Kunst in München, wirkt sie seit den 1950er Jahren als freischaffende Künstlerin.
Bevölkerte Bildträger und virtuelle Computerwelten
Kunstpädagoge Michael Fetzer, Jahrgang 1971 und eher als „Stadtaktivist“ bekannt, studierte in Stuttgart und Berlin. Seine Motive entstehen in fotorealistischer Malerei und fotografierten Readymades (Fertigwaren). Veronika Olma, Jahrgang 1962, Studium Kunst und Kunstgeschichte in Karlsruhe, kreiert in den Sparten Malerei, Zeichnung, Fotografie und Objekte ihre rätselhaft-poetische, surreale Bildsprache mal im altmeisterlichen Stil, mal in Form minimalisierender Linienformate.
Linien thematisiert auch Silvia Rudolf. 1957 in Heidelberg geboren, studierte sie Innenarchitektur und Zeichnung in Lautern und arbeitet seit 1982 als bildende Künstlerin. Sie bevölkert regelrecht ihre Bildträger längenweise mit Strichen oder Streifen und fertigt durch lageweises Verdichten bizarre Grafiken und Objekte. Designer Norbert Roth, 1950 in Lautern geboren, studierte an hiesiger Hochschule und realisiert seit 2006 seine virtuellen Welten per Computer und Kamera.
Die Expertin für Druckgrafiken heißt Marie Gouil. 1987 in Sarcelles in Frankreich geboren, studierte sie bildende Kunst und Kunstpädagogik in Metz, Paris und Mannheim. Ihre freien Werke versteht sie als „Festhalten und Erinnern“, am liebsten mit organischen Stoffen.
Viele Initiativen bis heute unvergessen
Zweidimensional denken auch Fotografen. Dieses Genre beherrscht Marta Maria Mroz sowohl für bildende wie angewandte Kunst. Geboren 1984 in Polen, studierte sie an der Freien Kunstakademie Mannheim und spürt am liebsten narrativen Motiven zwischen dem Selbst, der Natur und Vereinsamung nach. Jörg Heieck dagegen ist als Fotograf menschenleerer Architektur und Landschaften bekannt. 1964 geboren, studierte er Physik in Frankfurt und beschäftigt sich seit Anfang der 1990er Jahre mit Autorenfotografie rund um den Globus.
Jedes Mitglied der Werkgemeinschaft publiziert sowohl in Einzel- als auch in KWG-Gruppenausstellungen. Unter letzteren rangieren unvergessliche KWG-Initiativen, die tendenziös häufiger die Maler, Grafiker und Fotografen verantworteten. Neben jährlichen Volksbank-Schauen seit Gründung sei hier an herausragende Beispiele jüngerer Zeit erinnert: die siebenfache Serie „O.T./O.N.“ im Fuchsbau. Die Veranstaltungsdichte im temporären Leerstand „Kunstlager“.
Der Stadt kulturellen Reichtum geschenkt
Allein 2017 eröffneten „Weibsbilder“ mit Kreationen ausschließlich von Künstlerinnen. „Mater“, diese erstaunliche Vervielfältigung des biologischen bis mystischen Mütter-Phänomens. Tatsächlich vermögen themenbezogene Schauen Wissen und Verstehen nachhaltiger zu versinnbildlichen. Unterschiedliche Techniken brechen etwa Stereotype auf und erweitern Horizonte.
So wie zum Titel „Schweinesonnen“. Künstler erzählten aus der Welt animaler Kreaturen. Es kommt einem Kraftakt gleich, hier nur wenige der rund 110 Veranstaltungen plus zahlreicher Rahmenprogramme binnen 20 Jahren anzusprechen.
Nur allzu gern erlebten Kulturinteressierte Wiederholungen und/oder Fortsetzungen, gleich ob Symposien, Konzerte, Sketche, Lesungen und Ausstellungen, mit oder ohne Gäste. Es ist die Kunst, die für sich spricht und der Stadt einen Reichtum an Kultur beschert, die seit Menschheitsgedenken Lebenselixier bedeutet.