Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Über das Ballettstudio Böhl zur Modelkarriere

Die Ballettschülerinnen Mirian Palme, Johanna Hughart, Sophie Edler und Viktoria Parasca werden von Gabriele Böhl unterrichtet.
Die Ballettschülerinnen Mirian Palme, Johanna Hughart, Sophie Edler und Viktoria Parasca werden von Gabriele Böhl unterrichtet.

Wer das Wort „Ballett“ hört, denkt vielleicht an rosa Tutus, an Spitzentanz und Primaballerinas. Für Gabriele Böhl ist es die „Königsdisziplin des Tanzens“. Sie leitet die seit 70 Jahren bestehende gleichnamige Ballettschule in Kaiserslautern. Nicht nur Ballett wird den hauptsächlich weiblichen Eleven dort vermittelt: Heute gehört sogar ein „Modelcamp“ dazu.

„Tanz ist ein Ausdruck der Freude und der Körper ein Instrument dafür“, umschreibt die Ballettlehrerin ihr Verständnis der Bewegung zur Musik. Diese Freude will sie im Unterricht vermitteln, sie selbst hat sie schon in früher Kindheit verspürt, obwohl ihre Eltern zwar kulturell interessiert gewesen seien, aber mit Ballett nichts zu tun hatten. „Seit ich denken kann, habe ich getanzt“, erzählt sie, „sobald ich Musik gehört habe, konnte ich nicht mehr ruhig sitzen.“

Böhl, in Mannheim geboren und in Kaiserslautern aufgewachsen, folgte als Jugendliche diesem inneren Drang im Unterricht von Gisela von Stosch, der damaligen Gründerin und Leiterin der Kaiserslauterer Ballettschule. Nach dem Abitur absolvierte sie ein Sport- und Pädagogikstudium in Köln sowie eine professionelle Tanz- und Choreographieausbildung, bevor sie zu Beginn der 1980er Jahren nach Kaiserslautern zurückkehrte.

Eleven ab dem Alter von drei Jahren bis zu Erwachsenen

Im Gepäck hatte sie den Wunsch, sich als Ballettlehrerin selbstständig zu machen. Da kam die Frage von von Stosch gerade richtig, die ihr die Leitung der 1952 gegründeten Ballettschule mit dem zwei Jahre später eröffneten Pendant in Pirmasens anbot. Nach einer gemeinsamen Zeit stand Böhl schon bald alleine an der Spitze der Ballettstudios, das sich seit 1989 an seinem heutigen Standort befindet.

Als Pädagogin gilt Böhls Aufmerksamkeit ihren Schülern, deren Altersbereich ab drei Jahren beginnt und auch Erwachsene umfasst. „Gerade die Mischung finde ich schön“, meint sie. An der Arbeit mit den Kindern gefällt ihr besonders gut, dass sie deren Entwicklung im Unterricht verfolgen kann, wobei sie mit dem Spiel- und Märchenballett für die jüngsten Eleven eine spielerische Herangehensweise vertritt. „Man merkt, wie sie größer werden und das Niveau anspruchsvoller wird.“

Sie verheimlicht nicht, dass auch Disziplin dazu gehört, aber: „Ich versuche, den Unterricht so zu gestalten, dass ich, wäre ich Schülerin, begeistert davon wäre und gerne kommen würde“, beschreibt sie ihre Maxime. Sollten bei ihren Schülern Selbstzweifel aufkommen, ermutigt sie sie. „Klappt es dann, haben sie ein Erfolgserlebnis und sind oft über sich selbst erstaunt.“

Mit Ballett werden aufrechte Haltung und graziöse Bewegung geschult

Da kommt es durchaus vor, dass Jugendliche nach einer Auszeit wieder mit dem klassischen Ballett beginnen und Gefallen am Spitzentanz finden. Oder dass Erwachsene das Bodenballett, für das es im Grunde keine Altersbeschränkung gibt, für sich entdecken. Wer lieber zeitgenössischen Tanz mag, der kann sich für „Contemporary“ entscheiden.

Ganz neu ist das „Modelcamp“, das sie am 17. Mai im Pirmasenser Ballettstudio anbietet und das sie, sollte es erfolgreich sein, auch nach Kaiserslautern bringen will. Es beinhaltet eine Stunde klassisches Ballett für Anfängerinnen und eine Stunde Modelschule mit Profi-, Laufsteg- und Fotoshooting-Tipps. Dabei ist Karin Wadle, zweimalige Misses Rheinland-Pfalz, zertifizierte Sport- und Gesundheitstrainerin und selbst Model. Für Böhl steht fest: „Junge Frauen mit einem Balletthintergrund werden bevorzugt von Agenturen ausgewählt.“ Entscheidend sei dabei nicht nur die aufrechte Haltung, auch die graziösen Bewegungen ziehen Blicke auf sich. „Ballett ist ein erstklassiges Training. Es gibt nichts Vergleichbares“, ist sie überzeugt.

Die Schülerinnen sind heute größer und ihre Extremitäten länger

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein Wandel vollzogen. „Die Choreographien von früher waren mehr auf Kraft, weniger auf Beweglichkeit ausgelegt.“ Auch haben sich die Körper ihrer Eleven verändert, „sie sind heute größer und ihre Extremitäten länger.“ Aber auch die Unterrichtsumgebung hat sich verändert, sprich, Spitzenschuhe oder Beläge für Tanzböden wurden weiterentwickelt. In ihren beiden Studios sind Schwingböden mit einem Tanzteppich darüber verlegt. „Das sind ideale Voraussetzungen“, findet Böhl.

Gleich geblieben ist, dass Ballett nach wie vor eine Mädchen- und Frauendomäne ist. Nur vereinzelt finden Jungen oder Männer den Weg in ihren Unterricht. Über die Jahre hinweg verbinden sie und ihre Schülerinnen und Schüler viele schöne gemeinsame Erlebnisse. Da sind zum einen die Übungsstunden, zum anderen die Auftritte, für die die Lehrerin eigene Choreographien entwickelt. Dazu gehören etwa jährliche Darbietungen beim Landauer Weihnachtszirkus, bei der Langen Nacht der Kultur oder bei dem Kinderspielfest Fun & Action in der City in Kaiserslautern, wobei Corona für Pausen gesorgt hat.

Selbst heute hat Ballett für sie nichts von seiner Anziehungskraft und von seiner Bedeutung verloren. „In den Stunden vergesse ich alle Alltagssorgen, weil ich mich ganz aufs Tanzen konzentriere.“

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