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Montag, 13. November 2017 Drucken

Kaiserslautern

Neue Thorarolle für Synagoge

Von Joachim Schwitalla

Hält die neue Thorarolle im Arm: Rabbiner Yitzhak Hoenig von der Jüdischen Gemeinde Mönchengladbach gestern bei der Zeremonie in der Synagoge.

Hält die neue Thorarolle im Arm: Rabbiner Yitzhak Hoenig von der Jüdischen Gemeinde Mönchengladbach gestern bei der Zeremonie in der Synagoge. ( Foto: VIEW)

Die Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz Kaiserslautern hat eine neue Thorarolle.

Bei einer zweistündigen Feier am Sonntagnachmittag in der Synagoge in der Basteigasse hoben Rabbiner und weltliche Vertreter die Bedeutung der neuen Thorarolle für den jüdischen Glauben und das jüdische Leben in Deutschland hervor.

 

Rabbiner Puschkin, Vorstandsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland, sprach vom Erbe des Judentums, das sich in der Thora befinde. Es müsse in einem mühsamen Prozess gefunden, gelebt und bewahrt werden. Gott selbst habe Moses die Thora übergeben, sie den Israeliten weiterzureichen, erinnerte er an die Geschichte des Judentums.

 Erinnerung an Pogromnacht

 

„Heute ist ein Tag, der uns freudig und fröhlich stimmt“, sagte Yitzhak Hoenig von der Jüdischen Gemeinde Mönchengladbach. „Wir haben etwas von Gott erhalten, das für immer bleibt.“ Gleichzeitig erinnerte er an die Pogromnacht am 9. November, in der die Nationalsozialisten in Kaiserslautern und bundesweit die Synagogen, Wohnungen und Geschäfte der Juden zerstörten. „Ein trauriger Tag, der sich nicht wiederholen darf.“ Der Wunsch Gottes sei es, dass alle Menschen in einer Welt friedlich zusammenleben, so Hoenig.

 

Nach der jüdischen Gemeinde in Speyer verfüge nun auch die Kultusgemeinde Kaiserslautern über eine neue Thorarolle, betonte Konrad Wolf, rheinland-pfälzischer Kulturminister. Die Rolle sei ein Zeugnis jüdischer Präsenz und Ausdruck jüdischer Tradition. Über 200 Opfer habe es während des Nationalsozialismus in Kaiserslautern unter Juden gegeben. Seit 2013 erinnerten Stolpersteine an die Opfer. Wolf würdigte die Vielfalt jüdischen Lebens in Kaiserslautern und in Rheinland-Pfalz. Die Landesregierung unterstütze die jüdischen Gemeinden und trage damit zum gemeinsamen kulturellen Erbe bei, hob Wolf hervor. Gewalttaten mit antisemitischem Hintergrund erteilte der Minister eine klare Absage.

Thorarolle als geistige Quelle 

 

Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, erinnerte an Höhen und Tiefen der Juden in Deutschland. Die Einweihung einer neuen Thorarolle sei ein Grund, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen und das Leben der Juden in der Stadt mit Leben zu erfüllen. Dainow warnte davor, Populisten das Feld zu überlassen. Gemeinsam gelte es, demokratische Kräfte zu bündeln und eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern. Die Thorarolle bezeichnete er als den spirituellen Kern, die geistige Quelle einer Synagoge.

 

„Ich bin stolz darauf, dass es in Kaiserslautern gelungen ist, nach dem Krieg wieder eine jüdische Gemeinde aufzubauen“, sagte Oberbürgermeister Klaus Weichel. Die jüdische Gemeinde bereichere das kulturelle Leben der Stadt und trage zu einer bunten Stadtgesellschaft bei, in der 145 Nationen friedlich zusammenleben.

 

Musikalisch gestaltete der Chor der Jüdischen Gemeinde die Feier.

 

 

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