Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Stadt streicht Projekt des Barbarossa-Rundwegs

Der Burgberg ist eines der herausragenden Zeugnisse aus der Zeit von Kaiser Barbarossa.
Der Burgberg ist eines der herausragenden Zeugnisse aus der Zeit von Kaiser Barbarossa. Foto: VIEW

Die Stadt hat das Tourismusprojekt „Herzlich digital auf Barbarossas Spuren“ gestrichen. Oberbürgermeister Klaus Weichel erklärte am Donnerstag, dass der Aufsichtsbehörde ADD die Finanzierung des Eigenanteils durch die Stadt nicht vermittelbar sei. Was noch dem Rotstift zum Opfer fallen soll.

Die Stadtverwaltung werde das Tourismusprojekt „Herzlich digital auf Barbarossas Spuren“ nicht verwirklichen, erklärte Oberbürgermeister Klaus Weichel. Grund sei die nicht gesicherte Finanzierung. Zwar hätte die Stadt 135.000 Euro, also 90 Prozent der veranschlagten 150.000 Euro Gesamtkosten, über das „Entwicklungsprogramm Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung“ des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums finanzieren können, die verbleibenden 15.000 Euro jedoch hätten über den freiwilligen Leistungsbereich der Stadt abgewickelt werden müssen.

Wie der Oberbürgermeister erläuterte, sah es die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) nicht als gegeben an, dass die Stadt diese 15.000 Euro ohne Gefahr für die eigene Leistungsfähigkeit werde tragen können. Die Aufsichtsbehörde empfahl dem Wirtschaftsministerium als Fördermittelgeber, Erklärungen dazu bei der Stadt einzuholen. Darin sollte die Stadt zusichern, dass die Kostendeckung gewährleistet sei und mit den Haushaltsentscheidungen der ADD in Einklang stehe.

„Wir werden keinen Förderantrag stellen“

Oberbürgermeister Weichel sah sich indes dazu nicht in der Lage. „So Leid es mir tut, aber diese Erklärungen können wir aufgrund unserer Haushaltssituation nicht abgeben. Wir werden daher keinen Förderantrag stellen“, fasste er die Situation zusammen.

Wie berichtet, hatte die Aufsichtsbehörde erst vor kurzem gegenüber dem Rathauschef betont, dass am Deckel für den Zuschussbedarf der Stadt zu den freiwilligen Leistungen nicht gerüttelt werden kann. Sollte er überschritten werden, würden von der Stadt zusätzliche und nachhaltige Konsolidierungsmaßnahmen erwartet.

Das Tourismusprojekt „Herzlich digital auf Barbarossas Spuren“ sollte die Geschichte von Kaiser Friedrich Barbarossa und seiner Kaiserpfalz aufgreifen und diese in die Neuzeit übersetzen. Durch digitale Inszenierungen der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten und Augmented-Reality-Technologie, eine computergestützte Möglichkeit, die Realität zu erweitern, sollte im Rahmen eines Stadtrundgangs die Möglichkeit geschaffen werden, das historische Erbe authentisch zu erleben.

Sonderpreis gewonnen

Mit dem Projekt hatte die Stadt bei dem vom Ministerium ausgelobten Profilierungswettbewerb „Tourismus mit Profil in Stadt und Land Rheinland-Pfalz“ im Februar den Sonderpreis Digitalisierung gewonnen. Für die Idee und Ausarbeitung zeichnete die städtische Tourist-Information um Julia Bickmann verantwortlich.

Aufgeben wird die Stadt im Zusammenhang mit dem Thema Barbarossa auch ein weiteres digitales Projekt, sollte sich keine andere Finanzierungsmöglichkeit ergeben. Bereits seit einiger Zeit arbeiten die städtische Digitalgesellschaft KL.digital, die Tourist-Info und externe Partner an einer virtuellen Kutschfahrt um den mittelalterlichen Burgberg. Dabei sollten die Teilnehmer in einem Bus sitzen und durch Virtual-Reality-Brillen ein Computermodell der damaligen Situation vor Augen haben. Das Projekt hätte vollständig von der Stadt finanziert werden müssen.

Weichel offen für Sponsoren

Auf RHEINPFALZ-Anfrage zeigte sich Weichel offen für die Finanzierung des Eigenanteils durch Sponsoren. „Vielleicht findet sich wer, dem Tourismus so viel wert ist“, sagte er. Betonte aber auch, dass es nicht angehen könne, Stadtentwicklung von Sponsoren abhängig machen. Dies könnte eine Lösung sein, aber keine Dauerlösung.

Als Konsequenz aus den Auseinandersetzungen mit der Aufsichtsbehörde kündigte Weichel für die Aufstellung des Doppelhaushalts 2020/2021 Veränderungen an. Er verwies dabei darauf, dass das Problem der Stadt sei, dass sie von der Aufsichtsbehörde nach dem Plandefizit beurteilt werde. Das Ist-Defizit sei deutlich geringer. Die Referatsleitungen meldeten Mittel für den Haushalt, planten aber nicht exakt. Er werde daher für die Aufstellung des nächsten Haushalts den drei- oder vierjährigen Mittelwert der tatsächlich verbrauchten Mittel in den Haushalt aufnehmen und als Budget zur Verfügung stellen. Abweichungen davon seien Einzelentscheidungen vorbehalten.

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