Kaiserslautern Geldautomat gesprengt: Mölschbacher Kindergarten bleibt geschlossen
Unbekannte haben in der Nacht zum Montag um 3 Uhr den Geldautomaten der Stadtsparkasse Kaiserslautern gesprengt. Sie hatten Gas in den Automaten eingeleitet und gezündet. RHEINPFALZ-Informationen nach erbeuteten sie eine hohe fünfstellige Summe.
13 Uhr, Montagmittag in Mölschbach. Ein Bild der Verwüstung bietet sich in dem Gebäude in der Douzystraße 4, in dem die SB-Filiale der Stadtsparkasse, die Ortsverwaltung und der Kindergarten Waldwichtel untergebracht sind. Die Sprengkraft, mit der der Geldautomat im Vorraum von Ortsverwaltung und Kindergarten in die Luft gejagt worden ist, muss riesig gewesen sein. Die Haus- und die Zwischentüren, die die Tag und Nacht zugängliche, im Erdgeschoss des Gebäudes liegende SB-Filiale der Sparkasse nach außen und nach innen begrenzt haben, liegen aus der Verankerung gerissen zerstört auf dem Boden. Die Decke ist in Mitleidenschaft gezogen. Der Boden ist übersät mit Glassplittern.
Auswirkungen im Kindergarten
Reichlich Durcheinander hat die Detonation auch in den beiden im Erdgeschoss liegenden Räumen des Kindergartens ausgelöst. Regale sind umgefallen, Glassplitter liegen verteilt auf der Erde. Hier ist normalerweise die Nestgruppe des Kindergartens zu Hause, die Zwerge sozusagen. Die Leiterin des Kindergartens, Gabi Franzinger, ist in Anbetracht der Zerstörung, für die die Detonation gesorgt hat, fassungslos. Sie wurde von Ortsvorsteher Jörg Walter am Morgen alarmiert. Selbst im ersten Stock, in dem das Gros der Räume des Kindergartens Waldwichtel liegt, hat die Explosion noch ihre Wirkung hinterlassen. Fenster und eine Tür haben sich aus der Verankerung gelöst, Sachen wurden vom Schrank gefegt, eine Uhr von der Wand. Rote Farbe war umgekippt, hatte sich über den Boden ergossen.
Notunterkunft für Kindergartenkinder
35 Kinder besuchen den Kindergarten Waldwichtel. Die Kinder haben diese Woche eine Notunterkunft in der städtischen Turnhalle des Stadtteils gefunden, wie die Leiterin der Einrichtung berichtet. Gegen sechs Uhr früh hatte Ortsvorsteher Jörg Walter die Turnhalle aufgeschlossen, damit die Kinder unterkommen können. Am Montagabend trafen sich Eltern und Erzieher zu einer Besprechung. Das Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse, Werner Stumpf, war den ganzen Vormittag vor Ort. Er fand seine beiden Automaten in der SB-Filiale – den Geldautomaten und den daneben stehenden Kontoauszugsdrucker – als Totalschäden vor. Reparatur unmöglich. Die SB-Filiale war erst im ersten Quartal 2016 eingerichtet worden. Die Stadtsparkasse hatte ihre Zweigstelle in Mölschbach aufgelöst und ihre Präsenz in dem Stadtteil auf eine SB-Filiale reduziert. Die Stadtsparkasse ist Mieterin bei der Stadt.
Drei Bargeld-Kassetten entwendet
Die Täter hatten, nachdem sie den Geldautomaten gesprengt hatten, die drei Kassetten mit den 50-, 20- und 10-Euro-Scheinen mitgenommen. Die unterste Schublade mit den 5-Euro-Scheinen konnte das Vorstandsmitglied noch bergen. Sie hatte offenbar geklemmt. Ob er alle 5-Euro-Scheine sicherstellen konnte, ließ er offen. Womöglich konnten die Täter auch einige 5-Euro-Scheine herausziehen. Das Landeskriminalamt in Mainz, das landesweit die Sprengung von Geldautomaten analysiert, hat die Ermittlungen übernommen. Ein Sprecher erklärte am Nachmittag gegenüber der RHEINPFALZ, dass Gas in den Geldautomaten eingeleitet worden und anschließend gezündet worden ist. Wie dies geschehen ist, dazu wollte der Sprecher nichts sagen. Nur so viel: dass das Vorgehen der Täter in Mölschbach von dem üblichen Schema abweicht, mit dem in der Vergangenheit Geldautomaten in Rheinland-Pfalz gesprengt worden sind.
Gas wurde ferngezündet
RHEINPFALZ-Informationen nach hatten die Täter Strom von einer nahen Straßenlaterne abgezwackt und über eine sogenannte Lautsprecherleitung in die SB-Filiale weitergeleitet und damit das Gas ferngezündet. Am Tatort waren nach RHEINPFALZ-Informationen zwei Gaskartuschen gefunden worden. Eine war gefüllt mit Gas, die andere mit Sauerstoff. Sie sorgten für das explosive Gemisch. Sogenannte Delaborierer, also Sprengstoffexperten, mussten erst mal schauen, ob von den beiden Gaskartuschen noch Gefahr ausgeht. Erst danach konnte der Tatort für die Ermittler freigegeben werden.
Sachschaden steht noch nicht fest
Der Mölschbacher Ortsvorsteher war kurz nach vier Uhr am Tatort. Er war von der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert worden. Sie war mit einem guten Dutzend Leuten vor Ort. Walter hatte zunächst dafür gesorgt, dass die Straße wieder so weit freigegeben wird, dass die Menschen zur Arbeit kommen. Walter drängt auf schnellen Ersatz für die SB-Filiale. Er verwies darauf, dass die Sparkassenfiliale stark frequentiert wird. Über die Beute, die die Täter machten, wollte der Sprecher des Landeskriminalamts am Montagabend keine Auskunft geben. Der Sachschaden, den die Täter verursachten, steht noch nicht fest. Ein Statiker war am Montag vor Ort, um das Gebäude auf Schäden hin zu inspizieren.