Heidelberg RHEINPFALZ Plus Artikel Rassismus-Debatte um Gasthaus: Neuer Name „Mohr“ macht nicht alle glücklich

Einfache Wortkosmetik: Aus dem „Gasthaus zum Mohren“ wurde „Mohr!“.
Einfache Wortkosmetik: Aus dem »Gasthaus zum Mohren« wurde »Mohr!«.

Jetzt hat der Wirt seine bekannte Gaststätte in der Heidelberger Altstadt umbenannt, doch die Anfeindungen hören damit nicht auf. Die Einigung mit der Eigentümerin des Hauses auf den gängigen Nachnamen „Mohr“ ist für eine Gruppe von Aktivisten, die sich dem Kampf gegen Rassismus verschrieben hat, nicht die Lösung.

Als Simon Wakeling die Gaststätte vor fast 30 Jahren pachtete, gehörte der Schriftzug zur Hausfassade. „Gasthaus zum Mohren“ stand über 200 Jahre lang über dem Eingang – und niemanden hatte es gestört. Nun sind die Lettern abgehängt und Geschichte geworden. Das Lokal heißt jetzt „Mohr!“. Aber der Treff für Kneipenbummler bleibt weiter im Fadenkreuz der Kritik. Auch in dem neuen Namen der Kneipe komme Geringschätzung von schwarzen Menschen zum Ausdruck, so das Argument des Heidelberger Netzwerks gegen Antirassismus. Mit der „Black Lives Matter“-Bewegung haben die Anliegen dieser Bürger Rückenwind bekommen.

Schon vor einem Jahr hätten ihn Rechte und Linke mit Anrufen bombardiert, beschimpft und gelobt, erzählt der Pächter. Eigentlich habe er den „Mohren“ schon viel früher umbenennen wollen, beteuert der Wirt. Die Eigentümerin des Hauses hätte dies jedoch stets abgelehnt. Nun habe man sich auf einen Mittelweg mit einer politisch korrekteren Namensfindung einigen können: „Mohr!“ sei ein gängiger Nachname in Deutschland, nicht anstößig und viel neutraler als der alte, so sein Credo. Damit hoffte der Mann den Anfeindungen zu entgehen. Doch daraus wurde nichts.

Mahnwache vor der Kneipe

Der Stress mit dem Netzwerk ist durch die Wortkosmetik längst noch nicht ausgestanden. Man könne nicht hinnehmen, dass gerade der Teil des Namens der Gaststätte, der rassistisch sei, bestehen bleibe, sagte eine Sprecherin vor Kurzem bei einer Mahnwache vor der Kneipe. In einer Mitteilung erklärt die Gruppe weiter, dass der Wortursprung und das Wort selbst rassistisch seien. Die Gaststätte weiterhin so zu nennen, sei „eine klare Entscheidung für die Reproduktion von Rassismus“. Das wolle das Netzwerk nicht akzeptieren. Es fordert deshalb ein juristisches Einschreiten der Stadt Heidelberg.

Der kolonialistisch geprägte Begriff „Mohr“ müsse völlig verschwinden. Für die Anti-Mohr-Aktivisten ist die jüngste Protestaktion erst der Anfang. Man wolle eine klare Gegenstimme sein und den Druck aufrechterhalten. Die Aktivisten verlangen, dass auch die Stadt klar „Stellung bezieht“ und vorangeht, wenn es um die Beseitigung rassistisch konnotierter oder kolonial geprägter Namen und Denkmäler geht. Die Stadt Heidelberg teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass sie in der Frage der Umbenennung der Gaststätte in der Unteren Straße nicht zuständig sei.

Die Frage, wie rassistisch die Namen von Straßen und Plätzen sind, wird gerade in vielen Städten diskutiert. Ein ähnliches Beispiel gibt es auch in Mannheim: Dort wurde die Figur eines „Sarotti-Mohrs“, der als Werbeträger für Schokolade im Eventhaus „Capitol“ über der Bar hing, vor wenigen Jahren plötzlich zum Zankapfel. Das Veranstaltungshaus entschied sich nach langen öffentlichen Debatten, die historische Reklame zu verhüllen und den schwarzhäutigen Diener in Pluderhosen und mit Turban zu nutzen, um über das Thema Alltagsrassismus im Dialog zu bleiben.

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