Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Zwischen Amrum und Adenauer: Buchempfehlungen für den Sommer

Unerschiedliche Geschichten für unterschiedliche Menschen: die Tipps aus der Buchhandlung Frank.
Unerschiedliche Geschichten für unterschiedliche Menschen: die Tipps aus der Buchhandlung Frank.

Hitze lädt zum Lesen ein: Auch nach den Ferien gibt es noch genug Gelegenheit, in die Welt der Buchstaben abzutauchen. Sechs Tipps aus der Buchhandlung Frank in Grünstadt.

Auch wenn die Sommerferien vorbei sind, ist Janine Frey von der Grünstadter Buchhandlung Frank überzeugt: „Bedarf für Sommerlektüre ist da.“ Sie ist für Belletristik und historische Romane zuständig. „Die Kunden kommen bereits vor den Ferien und decken sich mit drei bis fünf Büchern ein“, berichtet die 36-Jährige. Es sei der Wunsch vorhanden, sich vom Alltagsstress abzulösen, indem man sich mit viel Zeit in anderer Leute Geschichten vertieft. Es soll spannend sein und unterhaltsam.

Den Traum vom Abschalten umschreibt Janine Frey mit den Worten: „Man stellt sich vor, im Liegestuhl zu liegen mit einem mitreißenden Buch, daneben ein Glas Eistee. Oder im Winter will man gemütlich mit seiner Abschalt-Lektüre auf dem Sofa liegen, in eine Decke eingehüllt, und etwas Warmes trinken.“ Das Buch zum Entspannen sei weder anspruchsvolle Fachliteratur noch Problemwälzer. „Man will in unterhaltsame Geschichten reingezogen werden“, so die Erfahrung von Frey.

Filme wegen Schnelligkeit ermüdend

Das Fernsehen mit Mediatheken bietet viele Sommerfilme an. Ist das Buch jetzt noch interessant? „Auf jeden Fall“, meint Frey, „heute arbeiten viele Menschen am Computerbildschirm und sind des Fernsehens müde. Das Buch hingegen kann man anfassen und beim Lesen das persönliche Tempo wählen. Vor allem entstehen jetzt die Bilder im eigenen Kopf. Die Fantasie wird angeregt. Bei Filmen hingegen werden die Bilder und das Tempo vorbestimmt, was bei schnellen Schnitten ermüdend sein kann.“ Die Langsamkeit des Lesens werde als Erholung empfunden, genauso das Selbstbestimmen des Leseortes und der Atmosphäre. Die richtige Ferienlektüre habe mittlerweile Wellnesscharakter.

Die Wahl des „richtigen“ Buchs sei aber eine sehr persönliche Angelegenheit. „Krimis und historische Romane werden von Männern wie Frauen gerne gelesen. Aber es gibt doch Vorlieben im allgemeinen Einkaufsverhalten: Männer bevorzugen Themen aus Politik und Zeitgeschehen, während Frauen sich gerne auf belletristische Romane einlassen“, meint Frey. Die erfahrene Buchhändlerin schlägt als Sommerlektüre sechs Bücher vor, von denen sie bereits gute Rückmeldung von Kunden erfahren und die sie auch persönlich durchgelesen hat. „Wir Buchhändler lesen fast alle Bücher in den Regalen, sodass wir authentische Kaufempfehlungen aussprechen können.“

Drei Tipps für Leser

Für männliche Leser schlägt die Buchhändlerin drei Titel vor. Der erste, „Amrum“ von Hark Bohm, spielt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als ein Junge auf der Nordseeinsel Amrum die Verantwortung für seine Familie übernimmt. Ein Roman mit autobiografischen Zügen, mit vielen Widersprüchen und großer erzählerischer Wucht. Das zweite Buch, „25 letzte Sommer“ von Stephan Schäfer, handelt von einem Geschäftsmann und einem Landwirt, die ihre Erfahrungen und Werte austauschen.

Es sei bildhaft erzählt und auf wesentliche Gedanken reduziert. Ein Buch zum Innehalten ohne Moralpredigt. Benjamin Woods „Der Krabbenfischer“ versetzt den Leser ins England der 1960er-Jahre: Ein Krabbenfischer an der Küste begegnet einem Filmproduzenten und beide erklären sich ihre unterschiedlichen Träume und Ziele. Eine Geschichte mit großer Sogkraft und das Erstlingswerk des Autors.

Drei Tipps für Leserinnen

Für Leserinnen empfiehlt Frey Anne Barns „Der Duft von Kuchen und Meer“, ein „Entspannungsbuch pur“. Im Zentrum steht ein Familienrezept für die besten Windbeutel, das eine zerstrittene Familie auf Amrum wieder zusammenführt. Eine Familiengeschichte mit Krisen und Happy End. Das Windbeutelrezept wird der Leserin am Ende verraten. Christoph Wortbergs „Gussie“ ist eine Romanbiografie von Auguste Adenauer, der zweiten Ehefrau von Konrad Adenauer.

Das Buch gibt Einblicke in das private und berufliche Leben des Ehepaars Adenauer, erzählt aus der Sicht von „Gussie“. Ein Stück Zeitgeschichte. Die dritte Empfehlung, Sarah Winmans „Das Fenster zur Welt“, spielt gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in Florenz. Dort versuchen ein junger englischer Soldat und eine ältere Britin, Kunstgegenstände in Sicherheit zu bringen. Nach ihrer Rückkehr nach England trennen sich ihre Lebenswege. In gediegenem Alter begegnen sie sich zufällig wieder in Florenz, wo beide eigene Leben eingerichtet haben. Über Freundschaft, Kunst und viel Atmosphäre.

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