Grünstadt Zur Sache: Die Familie Prott

Placeholder-Image

Die Familie Prott hat ihre Wurzeln in Vilbel, damals noch ohne den Zusatz Bad, erzählt Ursula Hempel, die 1944 geborene Tochter des Bauingenieurs Otto Prott. Die pensionierte Lehrerin lebt heute mit ihrem Mann im hessischen Gernsheim. Berufe rund ums Bauen hatten Tradition in ihrer Familie. Von ihrem Urgroßvater Gerhard Prott ist bekannt, dass er nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 mit seiner Frau nach Kehl ging und als Damm-Meister in Straßburg arbeitete. So kam Heinrich Prott, der um 1905 Bezirksbaumeister in Grünstadt wurde, am 24. Dezember 1876 in Kehl zur Welt. Sein Vater lebte da schon nicht mehr, er war im Sommer 1876 bei La Wantzenau nahe Straßburg ertränkt worden. Täter waren laut Polizeiakten Franzosen, die ihn möglicherweise töteten, weil er ein Vertreter der neuen deutschen Obrigkeit war. Die Witwe ging 1877 mit ihren Kindern, Heinrich hatte noch zwei Geschwister, zurück nach Vilbel, wo ihre Eltern lebten. Die Stadt weiter entwickelt Heinrich Prott absolvierte eine Ausbildung zum Baumeister an der Baugewerkschule Idstein (Taunus) und arbeitete nach seiner Heirat als Polier bei einer Baufirma in Offenbach, wo 1904 Sohn Otto geboren wurde. Nachdem die Bewerbung um das Amt des Bezirksbaumeisters in Grünstadt Erfolg hatte, zog die Familie an die Unterhaardt. 1907 wurde hier Sohn Ernst geboren. In der Stadtentwicklung setzte Prott Akzente – der Schlachthof wurde gebaut und die Kanalisation angelegt, lässt sich den Büchern von Ortschronist Walter Lampert entnehmen. Bei der Stadt ist wenig über Heinrich Protts Verdienste zu erfahren, obwohl der Stadtrat 2006 beschloss, eine Straße im Baugebiet In der Bitz nach ihm zu benennen. Dies geschah auf Vorschlag des CDU-Ratsmitglieds Georg Steinle, das 2014 gestorben ist und sein Wissen wohl mit ins Grab genommen hat. Das Haus Zeppelinstraße 1, das Heinrich Prott 1918 kaufte, war lange Zeit im Besitz der Familie. Der Bezirksbaumeister wohnte hier mit seiner Ehefrau bis 1938. Nach der Bildung des Landkreises Frankenthal wurde Prott zum Kreisbaumeister ernannt und zog an den Dienstsitz. Gestorben ist er 1960, vermutlich in einem Altenheim in Höningen. Das Haus der Familie übernahm Otto Prott 1938, richtete hier sein Planungsbüro ein, das sich zuvor im Südring und dann im Haus Asselheimer Straße 20 befand. Seit 1928 war er schon selbstständig, hat in jenem Jahr auch geheiratet, und zwar die Grünstadterin Auguste Elser. Sohn Gerhard kam 1932 zur Welt. In Friedberg studiert Otto Prott führte bald den Titel Architekt, obwohl er eigentlich Bauingenieur war. Studiert hat er von 1923 bis 1926 am Polytechnikum Friedberg. Zuvor hatte er eine praktische Ausbildung beim Bau- und Zimmereibetrieb Wilding in Grünstadt absolviert. Sein Bruder Ernst, der von 1925 bis 1928 ebenfalls in Friedberg Ingenieurwesen studierte, war später zeitweise bei ihm beschäftigt. Ende der 50er und zu Beginn der 60er Jahre waren im Büro von Otto Prott bis zu 18 Mitarbeiter beschäftigt, so dass ein Umzug in größere Räume in der Mörikestraße erfolgte. Privat traf Prott 1958 ein schwerer Schicksalsschlag: Ehefrau Auguste starb mit nur 51 Jahren. Zu Beginn der 60er Jahre heiratete er wieder: Christina Degen (Jahrgang 1905) wurde seine zweite Ehefrau, die ihn um 28 Jahre überlebte. Otto Prott erlag 1970 einem zweiten Herzinfarkt, nachdem er 1964 einen ersten noch überstanden hatte. Sohn Gerhard, ebenfalls Bauingenieur und seit Mitte der 60er Jahre Partner im Planungsbüro, führte das Unternehmen nach dem Tod des Vaters kurze Zeit weiter. 1983 ist er gestorben. Die Protts sind in zwei Familiengräbern auf dem Grünstadter Friedhof bestattet.

x