Wattenheim Zum Tod von Wolfgang Pessenlehner
Wolfgang Pessenlehner wurde 80 Jahre alt. Der gebürtige Frankfurter, der in Fulda aufwuchs, studierte unter anderem in Mainz Theologie. Nach dem Examen war er Vikar in Lauterecken und Rockenhausen. Am 4. August 1970 übernahm er die Pfarrstelle in Wattenheim. Der Geistliche war seiner Zeit immer ein Stück voraus. Er lud Katholiken zu gemeinsamen Feiern ein, als noch niemand an Ökumene dachte. Er sprach offen über Nazi-Verbrechen, als noch alle den Mantel des Schweigens über die finstere deutsche Vergangenheit legen wollten. Er ging ganz selbstverständlich mit gehandicapten Menschen um, als Behinderte noch schamvoll versteckt wurden.
„Mein Vater hat sich weit über seine eigentlichen Aufgaben als Pfarrer engagiert“, sagt Micha Pessenlehner, der einen Bruder hat. „Ihm waren christliche Werte wie Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Demut und der Erhalt der Schöpfung wichtiger als strenger Glaube.“ Besonders hat sich der Pastor, der von der Jugend liebevoll „Pessi“ genannt wurde, in der Friedensbewegung engagiert. Geboren am 4. Juni 1943 war er ein typischer Vertreter der 68er-Generation. Er initiierte die ersten Eine-Welt-Basare in der Region, gründete Jugendgruppen und war mit einigen Konfirmanden bis zuletzt befreundet.
Bis ins hohe Alter für den Frieden engagiert
Markenzeichen des am längsten in der evangelischen Kirchengemeinde Wattenheim amtierenden Pfarrers war ein orangefarbener VW-Bus. Das Fahrzeug war bei allen Ausflügen und Zeltlagern, die er organisiert hatte, dabei. Bis ins hohe Alter beteiligte sich Wolfgang Pessenlehner an Ostermärschen und Demonstrationen – unter anderem gegen Kernkraftwerke und atomare Aufrüstung. „Einmal hat er sich vor dem Giftgaslager der Amerikaner bei Fischbach angekettet und kam kurzzeitig in Haft“, erinnert sich der Sohn.
Wolfgang Pessenlehner hatte zuletzt in einem RHEINPFALZ-Interview im August 2021 bekräftigt: „Christentum und Gesellschaftspolitik gehören zusammen.“ In Badenweiler, etwa 30 Kilometer südlich von Freiburg, wohin er nach seiner Pensionierung zog, engagierte er sich – natürlich – in der protestantischen Kirchengemeinde. Er spielte Tuba im dortigen Posaunenchor und übernahm hin und wieder auch die Urlaubsvertretung für den Pfarrer.
Trauerfeier
Die Urnenbeisetzung von Wolfgang Pessenlehner findet am Donnerstag, 24. März, 14 Uhr, in der protestantischen Kirche zu Wattenheim statt.