Eisenberg RHEINPFALZ Plus Artikel Zugunglück bei Schwäbisch-Gmünd: Eisenberger unter den Passagieren

Fernab von einem richtigen Bahnsteig musste mit Leitern improvisiert werden.
Fernab von einem richtigen Bahnsteig musste mit Leitern improvisiert werden.

Glück im Unglück hatte eine Reisegruppe aus Eisenberg am vergangenen Wochenende. Sie saß in dem ICE 510, der aufgrund eines Erdrutsches wegen andauernder Regenfälle bei Schwäbisch-Gmünd mit zwei Wagen aus den Gleisen rutschte. Die 14-köpfige Gruppe und die anderen Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon.

„Eigentlich wollten wir längst zu Hause sein“, erzählt SPD-Stadtrat Ender Önder, der mit der Eisenberger Reisegruppe für einen Kurzurlaub in Bosnien war. Aber: Auch dort war das Wetter dieser Tage schlecht. Es hatte am vergangenen Freitag, dem eigentlichen Abreisetag, geregnet. So stark, dass die Straßen teilweise überflutet waren und die Gruppe ihren Flieger nicht rechtzeitig erreichte. „Wir waren 15 Minuten zu spät am Flughafen“, so Önder.

Wegen dieser Viertelstunde mussten die Reisepläne komplett auf den Kopf gestellt werden. Statt mit dem Flugzeug wurde die Rückreise nach Deutschland kurzerhand mit dem Zug angetreten. Es sollte eine Reise werden, die die Eisenberger Gruppe so schnell wohl nicht vergessen wird. Nach einer zusätzlichen Übernachtung ging es zunächst zum Zwischenstopp nach Wien. Nach einigen Stunden Aufenthalt in der österreichischen Hauptstadt sollte es mit dem ICE weiter nach Stuttgart gehen.

Mittlerweile gab es auch hierzulande ein Unwetter. Massive Regenfälle sorgten dafür, dass die Bahnstrecke zwischen Ulm und Stuttgart gesperrt wurde, erzählt Önder. Trotzdem ging es nach München, um dort den ICE zu erwischen, der nach Stuttgart fahren sollte. Die Eisenberger Gruppe ergatterte einen Platz im Wagen 9, die Stimmung trotz der ganzen Reisestrapazen: noch entspannt.

Gegen 23.20 Uhr entgleist

Da wusste man ja auch noch nicht, was einen auf der Ausweichstrecke erwarten würde. Ab Ulm ging es wegen der Hochwasserlage auf die Regionalstrecke ins Remstal. Dort passierte dann gegen 23.20 Uhr bei Schwäbisch-Gmünd – rund 50 Kilometer östlich von Stuttgart – das Unglück. Bei einem gewaltigen Erdrutsch waren auf einer Länge von rund 30 Metern rund 3000 Tonnen Erdreich und Bäume auf die Bahnlinie niedergegangen. Ein Pkw und eben der ICE fuhren – trotz Vollbremsung – in das Geröll und die umherliegende Bäumen hinein. Wie später bekannt wurde, hatte der Zug in diesem Bereich rund 100 Stundenkilometer drauf und schob auch einige Baumstämme vor sich her. Die Räder blockierten, die ersten beiden Wagen entgleisten.

„Wir sind heftig erschrocken, aber sonst ist uns zum Glück nichts passiert“, berichtet Önder. Zunächst sei es unheimlich still gewesen im Abteil, jeder fragte sich, was gerade passiert war. „Innerhalb weniger Minuten gab es dann aber eine Durchsage“, so Önder. Panik habe es keine gegeben, für die Fahrgäste bestand keine Gefahr, verletzt wurde offenbar niemand.

Kurze Zeit danach gingen dann die Rettungs- und Evakuierungsmaßnahmen los, erzählt Önder. Während alle Fahrgäste in die hinteren Wagen geleitet wurden, rückte draußen ein Großaufgebot von Feuerwehr und Rettungsdienst an. Große Scheinwerfer, teilweise sogar von einer Drehleiter, leuchteten die Einsatzstelle aus. Weil der Ausstieg weitab von einem Bahnsteig war, musste die Feuerwehr mit Leitern einen Behelfsausstieg aufbauen, um die 185 Fahrgäste aus dem ICE zu führen.

Bei strömendem Regen waren 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz. „Das lief alles beispielhaft ab“, fasst Önder die Rettungsmission zusammen. „Da war ein eingespieltes Team im Einsatz.“ Die Passagiere wurden zunächst in einen Kindergarten gebracht, der zur Notunterkunft umfunktioniert wurde. Nach etwa drei Stunden konnten sie ihre Weiterfahrt antreten, dann allerdings mit Bussen. Die Eisenberger Gruppe war schließlich am Sonntagmorgen gegen 6 Uhr wieder zu Hause.

Mit Licht von der Drehleiter wurde der Unglücksort ausgeleuchtet.
Mit Licht von der Drehleiter wurde der Unglücksort ausgeleuchtet.
Für die Einsatzkräfte gab es viel Lob.
Für die Einsatzkräfte gab es viel Lob.
150 Einsatzkräfte rückten aus.
150 Einsatzkräfte rückten aus.
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