Grünstadt Zellertalbahn-Gegner in der Minderheit

Landrat Rainer Guth (stehend) erläutert den Zeitplan der Zellertalbahn-Reaktivierung. Mit auf dem Podium (von links): Heidi Zies
Landrat Rainer Guth (stehend) erläutert den Zeitplan der Zellertalbahn-Reaktivierung. Mit auf dem Podium (von links): Heidi Zies (Vorsitzende des Vereins Zellertal aktiv), der Monsheimer Ortsbürgermeister Michael Röhrenbeck als Vertreter der VG Monsheim, Axel Haas (Bürgermeister der VG Kirchheimbolanden) und Steffen Antweiler (Bürgermeister der VG Göllheim).

Sehr gut besucht war am Dienstagabend in Niefernheim eine Informationsveranstaltung des Vereins „Zellertal aktiv“ mit dem Titel „Wie geht es weiter bei der Zellertalbahn?“. Was vermutlich auch daran lag, dass einerseits eine Gruppe von Albisheimer Anwohnern, die gegen die Reaktivierung der Bahnstrecke kämpft, ihr Kommen angekündigt hatte, andererseits mit Landrat Rainer Guth und Vertretern der Verbandsgemeinden entlang der Strecke gleich die richtigen Ansprechpartner für Fragen, Wünsche und Bedenken auf dem Podium saßen.

Wie sich aber ziemlich schnell herausstellte, waren die Bahngegner klar in der Minderheit. Die Mehrheit im Saal machte es sehr deutlich, dass sie sich die Zellertalbahn wünscht, und dass sie sich die Zellertalbahn im Rheinland-Pfalz-Takt wünscht, also in Anbindung an den überregionalen Fahrplan. Und das lieber heute als morgen. Bereits Steffen Antweiler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Göllheim, gab in seiner Anmoderation den Ton vor: „Was uns hier zu unserem Glück noch fehlt, ist die Reaktivierung der Zellertalbahnstrecke. Das ist eine klare Linie, zu der ich auch jetzt noch stehe“, sagte er unter großem Beifall. Landrat Rainer Guth hielt mit seiner Verärgerung über den von den Albisheimer Bahnanwohnern in der RHEINPFALZ geäußerten Vorwurf der mangelnden Transparenz nicht hinterm Berg. Er nannte die Zellertalbahn „eines der bestpublizierten Bahnprojekte in Südwestdeutschland“. Zur Entkräftung des Vorwurfs trug er eine umfassende Chronologie der bisherigen Ereignisse vor und legte besonderes Augenmerk auf die Gelegenheiten, bei denen der jeweilige Sachstand der Öffentlichkeit entweder vorgestellt worden war oder wo die Öffentlichkeit die Möglichkeiten hatte, entsprechende Informationen einzusehen. Keinen Zweifel ließ Guth daran, dass die Zellertalbahn kommen wird. Außerdem legte er größten Wert auf die Feststellung, dass die Strecke nie stillgelegt worden sei. „Es war nur eine Betriebsunterbrechung, aber keine Stilllegung.“ Das vor dem Hintergrund, dass die Albisheimer Anwohner vor allem darüber geklagt hatten, dass man sie zum Zeitpunkt ihres Grunderwerbs oder ihres Hausbaus im Glauben gelassen habe, die Bahn sei stillgelegt und werde auch nicht mehr reaktiviert. Sehr detailliert ging Guth außerdem auf das Genehmigungsverfahren ein und auf die geplanten und immerhin 8,5 Millionen Euro teuren Maßnahmen zur Streckenertüchtigung. Mit denen es übrigens nach Ostern, spätestens aber im zweiten Halbjahr dieses Jahres losgehen soll. Was allerdings bedeutet, dass die Bahn auch 2019 nicht fahren wird. Erst 2020 sei mit einer Wiederaufnahme zu rechnen, dann allerdings nicht nur an Sonn- und Feiertagen, sondern auch zusätzlich noch mittwochs und samstags. Denkbar seien auf längere Sicht auch Pendlerzüge morgens und abends Richtung Worms und Kaiserslautern. Der Rheinland-Pfalz-Takt aber komme nicht vor 2030, denn so lange bräuchten die entsprechenden Genehmigungsverfahren. Klar machte Guth aber auch, dass mit dem von den Anwohnern befürchteten Güterverkehr durchaus zu rechnen sei. Das liege schon daran, dass es bahnrechtlich nicht möglich sei, eine Strecke einerseits betriebsbereit zu halten, bestimmte Arten des Verkehrs aber grundsätzlich auszuschließen. Allerdings könne die Strecke gar nicht so stark befahren werden wie in dem als abschreckendes Beispiel genannten Mittelrheintal. Zum einen, weil mangels der entsprechenden Anzahl von Nutzern schlicht nicht mit einer ähnlich hohen Frequenz zu rechnen sei, zum anderen weil auf der gesamten Zellertalstrecke aus baulichen Gründen nur eine Geschwindigkeit von maximal 80 Kilometern pro Stunde erlaubt sei. In der Fragerunde, an der sich jeder im Publikum beteiligen konnte, wurden vor allem Bekenntnisse pro Zellertalbahn geäußert – zum Teil sehr emotional. Von den zahlreich anwesenden Funktionsträgern bekannten sich unter anderem die Ortsbürgermeister Klaus Duwensee, Marnheim, und Dieter Heinz, Wachenheim, klar zur Bahn. Der Monsheimer Ortschef Michael Röhrenbeck betonte außerdem, dies als Antwort auf die Frage nach einem Wertverlust von Bahnanlieger-Grundstücken, dass in Orten mit Bahnanbindung die Grundstückspreise eher nach oben gingen. Zu Wort kamen aber auch die Gegner. Sie fragten unter anderem nach Kosten-Nutzen-Rechnungen und ganz konkret nach Möglichkeiten des Lärmschutzes, so wer diesen letztlich finanzieren müsse, und nach Entschädigungen im Fall von Rissen an ihren Häusern durch Erschütterungen. Sowohl Guth als auch Antweiler hüteten sich davor, ohne weitere Kenntnisse des Sachverhaltes pauschal Zugeständnisse zu machen, beide zeigten sich aber gesprächsbereit. Was aber auch deutlich wurde: Die Bedenken der Albisheimer Gleisanwohner scheinen in anderen Orten entlang der Strecke so nicht geteilt zu werden. Von dort kam – zumindest am Dienstagabend – ausschließlich Zustimmung zur Zellertalbahn.

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