Grünstadt Zackig rein, schnell weg
„Noch Monate später haben wir schlecht geschlafen“: Das hat das Opfer eines Einbruchs am Mittwochabend gegenüber der RHEINPFALZ von den Folgen der Tat berichtet. Er war wie rund 50 Besucher, darunter zahlreiche Kommunalpolitiker aus der Region, zu einer Informationsveranstaltung der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land und der Polizeiinspektion Grünstadt nach Ebertsheim gekommen. Die Zuhörer erfuhren, wie Einbrüche vermieden werden können.
Der Mann aus dem Leiningerland, bei dem schon einmal eingebrochen worden ist, bestätigt das, was die Polizisten an diesem Abend in ihren Vorträgen gesagt haben – der materielle Schaden sei bei einem Einbruch das kleinste Übel. Die psychische Belastung der Menschen, in deren Haus oder Wohnung sich Fremde zu schaffen gemacht haben, sei oft viel schlimmer. Das Einbruchsopfer erinnert sich: „Der Schmuck meiner Frau war damals weg. Für sie war es am schlimmsten, dass fremde Menschen in unseren privaten Räumen waren. Sie hat nach dem Einbruch den kompletten Schrank im Schlafzimmer ausgeräumt, alle Fächer gereinigt, sämtliche Sachen, die sich in den Schränken befanden, geputzt oder gewaschen.“ Das Paar habe noch Monate später schlecht geschlafen. Bernd Findt, der als Kriminalbeamter in Grünstadt für die Einbrüche im Leiningerland zuständig ist, bestätigte, dass es im Leiningerland einzelne Gebiete gebe, in denen in manchen Straßen bereits jedes zweite Haus von Dieben heimgesucht worden sei. Findt, der auch Ebertsheimer Ortsbürgermeister ist, warb mit dem Grünstadter Polizeichef Sigfried Doll dafür, mit den Bezirksbeamten eine Begehung zu machen. Die Polizisten beraten dabei, wie Dieben der Zutritt zum eigenen Haus erschwert wird, das sei ein kostenloser Service der Polizei, den jeder Bürger beanspruchen könne. Erfreulich sei, dass die Zahl der Einbrüche im Leiningerland derzeit rückläufig sei, vier waren es im März. Für die Ermittlungsgruppe Bande, bei der alle Einbrüche in Neustadt zusammengefasst werden, sprach Christiane Reit. Die Aufklärungsquote liege mit 30,3 Prozent über dem Durchschnitt auf Bundesebene. Hauptsächlich seien Einbrüche auf international organisierte Bandenkriminalität aus Ost- und Südosteuropa zurückzuführen. Fensterbohrer, die auch schon im Leiningerland aktiv gewesen seien, kämen vorwiegend aus Albanien. Polizistin Reit forderte dazu auf, aufmerksam und wachsam zu sein, Verdächtiges zu melden, dabei auch gerne das Handy für ein Foto zu verwenden, wenn auffällige Fahrzeuge oder Personen in der Nachbarschaft auftauchen. In diese Richtung ging auch Horst Gesell, Leiter der Zentralen Präventionsstelle des Polizeipräsidiums Rheinpfalz, in Ludwigshafen. Er stellte verschiedene mechanische Einbruchssicherungen vor. Schockiert waren die Besucher von kurzen Filmsequenzen, in denen zu sehen war, wie einfach Diebe mit einem Schraubenzieher Fenster aufhebeln können. Hundertprozentigen Schutz gebe es nicht, manches sei auch Abwägungssache, betonte Gesell in seinem umfangreichen Vortrag. Vor Ort informierte auch die Opferschutzorganisation Weißer Ring. Die Schreinerei Weber aus Kleinkarlbach zeigte, wie man sich vor Einbrechern schützen kann. Verbandsbürgermeister Reinhold Niederhöfer (SPD) kündigte weitere Veranstaltungen zur Prävention mit anderen thematischen Schwerpunkten an. Kontakt Polizeipräsidium Rheinpfalz, Zentrale Prävention, Bismarckstraße 116, 67059 Ludwigshafen, Telefon 0621/963-1151, E-Mail: beratungszentrum.rheinpfalz@ polizei.rlp.de. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 10 bis 16 Uhr, Freitag, 10 bis 13 Uhr.