Grünstadter Wochenend-kolumne
Wunsch und Wirklichkeit
Es ist ein Glück, dass in Deutschland gewählte Vertreter die Interessen der Bevölkerung vertreten. Die Ratsmitglieder bringen mitunter Ideen ein, auf die Verwaltungen von sich aus nicht gekommen wären. Und sie bilden ein Korrektiv, wenn Bauherren allzu betonlastige Pläne für neue Gebäude erstellen und vergessen, dass es so etwas wie Bäume gibt. Manches Mal würde man sich aber wünschen, dass die Mitglieder von Räten die Folgen ihrer Ideen etwas genauer bedenken. Zum Beispiel, wenn man die Sausenheimer Wellpappenfabrik nun dazu bringen will, bei der Straßenbaubehörde nachzufragen, ob die Firma eine Bahn über die Leininger Straße fahren lassen könnte.
Zur Erinnerung: Die Wellpappe will eine Brücke bauen, die dazu dient, Kartonagen aus dem Werk ins Lager zu transportieren, das auf der anderen Seite der Straße ist. Bislang erfolgt der Transport mit Lastwagen.
Kreativ, aber auch praktikabel?
Bei allem Respekt für die Kreativität des Sausenheimer Ortsbeirats in Sachen Bähnchen sollte man doch folgende Frage stellen: Will man wirklich, dass sich die Fahrzeuge in Sausenheim mehrmals am Tag zurückstauen, weil die Autofahrer warten müssen, bis das Bähnchen die Kartonagen rübergebracht hat? Es gibt wohl sinnvollere Arten, die Autofahrer abzubremsen.
Verabschieden sollte man sich auch von dem Gedanken, dass den Touristen eine solche Brücke nicht zuzumuten ist. Wenn sie gebaut wird, ist sie da. Wenn sich ein Tourist an einer Brücke stört, die errichtet wird, damit ein Unternehmen gut bestehen kann, muss er halt zu Hause bleiben.
Um den Tourismus zu fördern, empfiehlt sich der Bau von Radwegen, nicht das Festhalten an einem Disneyland-Ideal. Anders als die Brücke über das Weinstraßenhaus in Bockenheim ist die Brücke für die Wellpappe kein Zierrat, sondern offenbar notwendig.