Grünstadt Wolfgang Lenhart: Nicht nur in der Kolpingsfamilie aktiv

Wolfgang Lenhart mit einem Foto der Segensfeier am Kreuz 2000 im Stadtpark von Martin Schöneich.
Wolfgang Lenhart mit einem Foto der Segensfeier am Kreuz 2000 im Stadtpark von Martin Schöneich.

Dass Wolfgang Lenhart seit 2014 pensioniert ist, hat seine Umtriebigkeit nicht gebremst. „Ich habe immer viel zu tun“, sagt er. Das Multitalent engagiert sich mit ganzem Herzen in vielen Bereichen, in der Familie, in sozialen Projekten, in der Politik, in der Fasnacht, in der Kirche.

„Corona hat mir echt wehgetan“, sagt Wolfgang Lenhart. Damit meint der 72-Jährige weniger die Symptome der Erkrankung als vielmehr die Folgen ihrer Bekämpfung. Denn Kontaktverbote und Abstand haben ihn in seiner Kreativität eingeschränkt. Ihm sei zwar weiterhin „immer etwas eingefallen“, aber er konnte es nicht umsetzen. Von seinem Ideenreichtum, seiner Einsatzfreude und seiner Schaffenskraft haben bislang viele Einrichtungen und Organisationen profitiert. Doch mit einer Gemeinschaft ist sein Name ganz besonders, ja untrennbar, verbunden: mit der Kolpingsfamilie, der er 1968 beitrat.

In der Grünstadter Ortsgruppe des international agierenden katholischen Sozialverbands wurde Lenhart nach vier Jahrzehnten an der Spitze vor Kurzem zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der Präses, Pfarrer Martin Tiator, griff dabei einige Höhepunkte im Wirken von „Mr. Kolping“ heraus. Zum Beispiel den Ausbau des Kolping-Klosterkellers neben der St.-Peter-Kirche. „Der war zugeschüttet und wir mussten einen Durchbruch von außen durch den Kirchturm schaffen“, erinnert sich Lenhart. Von 1981 bis 1984 wurde der Gewölbekeller in Eigenleistung für die Kolpingjugend nutzbar gemacht. „Wir hatten alle notwendigen Handwerker und sogar einen Bau-Ingenieur unter unseren freiwillig mithelfenden Mitgliedern“, so der Grünstadter.

60. Jubiläum entpuppt sich als 90.

Tiator erwähnte auch die Organisation von drei Jubiläen: dem 90., dem 100. und dem 125. Als Lenhart 1982 gerade Vorsitzender geworden war, sollte das 60-jährige Bestehen der Grünstadter Kolpingsfamilie begangen werden. „Bei den Vorbereitungen dazu ist mir im alten Pfarrhaus ein Protokollbuch in die Hände gefallen, in dem das Gründungsdatum 6. Januar 1890 belegt war. Kurzerhand haben wir das 90. Jubiläum nachgefeiert“, berichtet er.

Lenhart hat sich laut Tiator weitere Verdienste erworben: durch das Verfassen von Chroniken, das Ausrichten des Bezirksbildungstags mit 300 Teilnehmern im März 1990 und durch großen Einsatz im September 2015 beim Kolpingtag in Köln mit 16.000 Besuchern.

Gemeinschaftsprojekt: Das Kreuz 2000

Auch die Segensfeier zur Aufstellung des Kreuzes 2000 im Stadtpark mit 400 Gästen habe er maßgeblich organisiert. Den Auftrag, das religiöse Symbol anzufertigen, erhielt der Bildhauer Martin Schöneich, der drei Entwürfe für ein riesiges Stahlkreuz abgab. Da das Metall extrem teuer war, habe der Mertesheimer Norbert Benninghoff Modelle im Maßstab 1:10 produziert, die dann zum Stückpreis von 750 Mark verkauft wurden, um die große Skulptur zu finanzieren, erinnert sich Lenhart. Er selbst hat so eine Miniatur im Wohnzimmer hängen.

„Das Ganze war ein tolles Gemeinschaftsprojekt. Durch Beziehungen gab es gute Preise für die Sandsteinblöcke, die Geräte und Fahrzeuge wurden uns kostenlos zur Verfügung gestellt.“ Zum Jahreswechsel 1999/2000 habe das Kreuz auf dem Luitpoldplatz in der Stadtmitte lagern müssen und es wurde eine Prozession veranstaltet.

Schon als Neunjähriger in der Kirche engagiert

Bei der Übergabe der Ehrennadel an Lenhart hob Grünstadts Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) im Sommer unter anderem die rhythmischen Familiengottesdienste hervor. Die Auszeichnung der Stadt bekam er für sein Engagement bei der Pfarrei Heilige Elisabeth und in der Kolpingsfamilie. Seit 1959 ist der 72-Jährige unermüdlich im Einsatz: Gleich nach der Erstkommunion als Neunjähriger ließ er sich zum Messdiener verpflichten.

1969 gründete Lenhart die Kolping-Band, eine Musikgruppe mit wechselnder Besetzung, die noch heute existiert und in der jetzt seine Tochter Luisa Stoeckel als Geigerin dabei ist. „Zum Pädagogikstudium gehörte das Erlernen eines Instruments und so habe ich schon mit 15, als der Berufswunsch klar war, Gitarrenunterricht genommen“, erklärt der Sonderschullehrer, der allein 34 Jahre lang an der Käthe-Kollwitz-Schule tätig war. Die Band, in der unter anderem Bildhauer Schöneich Schlagzeug spielte, habe früher einen Jugendchor begleitet, der mitunter aus 35 Sängern bestand und im ganzen Diözesangebiet auftrat.

Ghostwriter und Liedtexter

Mit aller Kraft eingebracht hat sich Lenhart auch bei der Kolpingfasnacht sowie bei den Prunksitzungen der Siedlergemeinschaft Grünstadt – als Ghostwriter und Liedautor sowie mit eigenen, oft musikalischen Beiträgen. Als 16-Jähriger hielt er seine erste und bereits selbst geschriebene Büttenrede. „Meine Texte sind immer an aktuellen Geschehnissen orientiert, aber mit Witz und sie reimen sich“, sagt der Familienvater, der je fünf Kinder und Enkel hat. Insbesondere der Pfarrfasching sei für ihn etwas Zentrales, erzählt er. „Ich halte es mit einem Wort von Adolf Kolping, der einst feststellte: ,Lachen aus heiterem Herzen ist besser als die schärfste Predigt‘.“

In der Grünstadter Ortsgruppe des katholischen Sozialverbands übernahm Lenhart schon bald Verantwortung. Ab 1977 war er Schriftführer und ab 1982 durchgängig bis 2022 Vorsitzender der Kolpingsfamilie. „Ich saß auch jahrzehntelang im Bezirksvorstand Grünstadt-Frankenthal sowie acht Jahre lang im Diözesanvorstand“, blickt er zurück. Für das katholische Bildungswerk in Speyer habe er Vorträge zu pädagogisch-psychologischen Themen in Rheinland-Pfalz und im Saarland gehalten. Da er immer alles besonders gut machen wollte, sei das Engagement mit viel Nachtarbeit verbunden gewesen, „ich hatte ja noch kleine Kinder und war mit einem Anbau an mein Haus beschäftigt“.

Lenharts Leben im Ehrenamt beschränkt sich aber keineswegs auf die Kolpingsfamilie, in der er weiterhin im Vorstand sitzt, und auf die bereits erwähnten Siedler. Sein Name taucht auch in den Mitgliederlisten der CDU, wo er Beisitzer ist, und des Grünstadter Stadtrats auf. In der katholischen Studentenverbindung Landau ist er für das Organisieren von Stammtischen zuständig.

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