Bockenheim Weinlaubenumzug: Das Ende einer Ära

In der Schwebe: Die Weinlaube bei ihrem Umzug.
In der Schwebe: Die Weinlaube bei ihrem Umzug.

17 Jahre lang stand die Weinlaube des Bockenheimer Kultur- und Verkehrsvereins auf dem Gelände der ehemaligen Klosterschaffnerei. Am Samstag ist sie abgebaut worden. Das war eine mühsame Angelegenheit – und hat sogar für ein paar Tränen gesorgt.

Nachdem die Nutzungsvereinbarung für rund 2000 Quadratmeter der historischen Klosterschaffnerei in Bockenheim Ende vergangenen Jahres ausgelaufen ist, muss die Weinlaube des Kultur- und Verkehrsvereins (KVV) verschwinden. Mit Hilfe eines Krans soll es über die alte Mauer gehen. Einige Zaungäste beobachten die Szene, mit Smartphones werden Videos gedreht. Dass auch Ben Gaxherri, der in seinem Haus der Deutschen Weinstraße das Café Ideal betreibt, filmt, wird von manchen Anwesenden als Provokation empfunden.

Im Dorf wird gemunkelt, der Gastronom habe dem Verein das Grundstück weggenommen. Das ist so nicht richtig, wie Kurt Janson, auf Anfrage erklärt. Ihm gehört der größte Teil des denkmalgeschützten Areals und er sagt: „Die Zusammenarbeit mit dem Kulturverein war schon seit langem nicht mehr harmonisch, weshalb ich nicht bereit war, die auf zehn Jahre abgeschlossene Nutzungsvereinbarung zu verlängern.“ Als Gaxherri dann Interesse an dem Grundstück bekundete, um dort eine Weinlounge einzurichten, habe ihm das gut gefallen, berichtet der Winzer.

Umzug auf Stahlschienen

Gaxherri möchte dort sein Café Ideal erweitern und schwärmt von kreativen Möbeln – etwa einer Theke im Hochseecontainer – Bepflanzung mit Riesenzypressen und einer ausgeklügelten Illumination. Um den besonderen Platz am Beginn der Deutschen Weinstraße in Szene zu setzen, soll die Ruine des Zehntkellers aus dem 16. Jahrhundert ein richtiger Hingucker werden.

Die Weinlaube, die bisher auf dem Grundstück stand, hätte eigentlich bereits am 1. Januar verschwunden sein sollen. Doch dem KVV wurde eine Übergangsfrist bis Ende März eingeräumt. Am Mittwoch war das Holzhäuschen „mit Brecheisen und vereinten Kräften“ für den Umzug vorbereitet worden, wie der stellvertretende KVV-Vorsitzende Herbert Disch berichtet. Es war auf ein Gitter aus stählernen U-Schienen gesetzt worden, das Beisitzer Reiner Brand zusammengeschweißt hatte.

Mit Tränen in den Augen

Nun werden von Helfern Spanngurte und Ketten an dem Metallgerüst befestigt. Thomas Schneider klettert dabei behände auf dem Hüttendach herum. Ein Autokran nimmt die Laube schließlich an den Haken. Über einen Paten von Rebenstöcken im Patricia-Wingert sei der Verein an das schwere Fahrzeug mit dem langen Ausleger gekommen, erklärt der Vorsitzende Volker Griebel.

Selma Klingel vom gleichnamigen Weingut stehen Tränen in den Augen. „Ich bin seit 20 Jahren dabei“, sagt sie. In der Zeit habe sich die Weinlaube zu einem Anziehungspunkt für Besucher auch aus größerer Entfernung entwickelt. „Wir haben Stammgäste aus Rüsselsheim“, nennt sie ein Beispiel.

Auf in luftige Höhen

Als die Bude ein Stück über dem Boden schwebt, kappt Griebel noch Stromkabel und Wasserrohr, bevor es vorsichtig auf in luftige Höhen gehen kann. „Wir hatten leider nicht darauf geachtet, dass die Hütte im Falle eines Falles auseinander genommen werden kann“, berichtet Disch. Deshalb muss sie nun in einem Stück transportiert werden.

Auf der anderen Seite der historischen Mauer, wo die Festwiese ist, wird die Weinlaube wieder abgesetzt. „Wir können sie später wie einen Schlitten mit einem Traktor zu ihrem neuen Standort ziehen“, sagt Griebel. Wie berichtet, hatte der Ortsgemeinderat im Herbst 2021 beschlossen, die Hütte westlich der Kneippanlage aufzustellen. Doch nun soll das Verkaufsständchen für Getränke und kleine Speisen weiter in Richtung Weinstraßenhaus rücken.

Verein will im Dorfzentrum bleiben

Gaxherri befürchtet, dass sich dann Café und Laube ins Gehege kommen, etwa weil sich die Musik vermischt, es zu laut wird und seine Seeterrasse zur „Transitstrecke“ der Lauben-Gäste mutiert. Griebel argumentiert, dass Letzteres auch der Fall wäre, wenn die Hütte neben der Kneippanlage stünde. Im Übrigen sehe er die KVV-Hütte als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zu den Restaurants im Dorf. „Erst ein Paket aus verschiedenen Angeboten macht doch einen Ort attraktiv“, findet er.

Problematisch wäre an dem ursprünglich angedachten Standort, dass in der Nähe ein Mehrgenerationenhaus entstehen soll. „Laut Lärmgutachten müssten wir mit Einschränkungen der Öffnungszeiten rechnen“, so Griebel. Auf der Festwiese dagegen wäre man weit genug entfernt und das Haus der Deutschen Weinstraße würde als Schallschutz für die Seeterrasse dienen.

Und wie wäre es mit einem ganz anderen Platz für die Weinlaube in größerem Abstand zum Café? Griebel winkt ab: „Wir organisieren und helfen bei allen großen Veranstaltungen mit, ob Kerwe, Marathon oder Winzerfest, und lassen uns nicht aus dem Dorfzentrum vertreiben.“

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