Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Wattenheim: Kampfsportschule für Kleinkinder

Trainer Pierre Polini bei einer Übung mit den Winzlingen.
Trainer Pierre Polini bei einer Übung mit den Winzlingen. Foto: Benndorf

Stark wie ein Bär, mutig wie ein Löwe und flink wie ein Wiesel – das würde Gimmli gern sein. Das graue Kätzchen mit dem zu kurzen Schwanz will sich wehren gegen die Hänseleien seiner Artgenossen und beschließt, in eine Kampfkatzen-Schule zu gehen. In Wattenheim gibt es eine.

36 kleine Gimmlis sind dem Aufruf von Kampfsport-Lehrer Pierre Polini gefolgt, der die Drei- bis Sechsjährigen in zwei Gruppen geteilt hat. In der Turnhalle der Wattenheimer Grundschule können die Kinder seit dem Nikolaustag am Grundkurs der Kampfkatzen-Ausbildung teilnehmen. In diesen ersten zehn Unterrichtsstunden, denen weitere folgen können, geht es vor allem darum, Berührungsängste abzubauen, das Selbstbewusstsein zu stärken und Verhaltensregeln für einen guten Umgang miteinander einzustudieren.

So ist das Verbeugen voreinander als Ausdruck des gegenseitigen Respekts sehr wichtig und wird von Polini konsequent eingefordert. Jetzt jagt er die Vorschüler zum Aufwärmen durch die Halle – immer auf der weißen Außenlinie entlang. Zuvor hat seine Assistentin Stella McColgan ein Kapitel aus dem Begleitbuch „Gimmli, die kleine Kampfkatze“ vorgelesen. Es wurde verfasst von Heinz Klupp. Der Inhaber des Sportcenters KBV in Erding (Bayern) hat das Konzept der Kampfkatzen 2004 entwickelt.

Spielerisches Erlernen der Grundelemente

Die Familie der wehrhaften Samtpfoten wächst seitdem zusehends: Aktuell gibt es mehr als 1450 Kampfkatzen in Deutschland. Und Polini, mehrfacher Taekwondo-Weltmeister, ist einer von gegenwärtig 72 lizenzierten Partnern zwischen Hamburg und München, die dieses Konzept unterrichten dürfen. Beim spielerischen Erlernen der Grundelemente verschiedener Kampfsportarten werden mit den Kindern unter anderem Fitness, Gleichgewichtssinn und Gedächtnis, Koordination, Körperwahrnehmung, Hilfsbereitschaft und Respekt trainiert.

Auch die Erhöhung der Reaktionsgeschwindigkeit ist ein Ziel. Die Kinder, die durch die Wattenheimer Turnhalle laufen, müssen nun schnell Kommandos befolgen, die ihnen Polini zuruft. Heißt es beispielsweise „Drehung!“, müssen die Vorschüler sich einmal um ihre eigene Achse drehen, bevor sie weiterrennen dürfen. Heißt es „Richtungswechsel!“, müssen sie wieder zurücklaufen. Ruft der Carlsberger: „Kampf!“, sucht sich jeder sofort einen Partner, mit dem das gegenseitige Wegdrücken geübt wird.

Kinder mit Begeisterung dabei

Die Gelenkigkeit und die Dehnung der Muskulatur stehen nun auf dem Programm. Das wird aber so gut verpackt, dass die Kleinen mit Begeisterung dabei sind, sich unter anderem breitbeinig aufstellen und versuchen, mit der Stirn ein Knie zu berühren. Für Rotgurt-Trägerin Stella, die es vormacht, ist das offensichtlich ganz einfach. Als nächstes geht es darum, sich gewaltfrei aus der Umklammerung des Gegenübers zu befreien und dann deutlich „Stopp, hör auf“ zu sagen.

Während der Trinkpause der Kampfkatzen-Azubis baut Polini mit seiner Co-Trainerin die Kulisse für das nächste Spiel auf. „Ihr seid jetzt im Meer. Was gibt es da für gefährliche Tiere?“, fragt der 42-Jährige, deutet auf die im Raum verteilten Matten und erläutert: „Bei ,Hai-Alarm’ müsst ihr euch ganz flink auf eine der Inseln retten.“ Nach dem ersten Durchgang mosert er: „Das dauert zu lange!“ Beim zweiten Mal sind die Kinder tatsächlich erheblich schneller auf den Matten.

Ein ziemliches Gewusel

Polini zeigt nun eine Übung, bei der sich die Kampfkätzchen zunächst in die Hocke begeben und schließlich mit nach vorn ausgestreckten Armen nach hinten abrollen sollen. Es herrscht ein ziemliches Gewusel und für Polini ist es nicht einfach, die Winzlinge zu animieren, konzentriert mitzumachen. Aber er gibt nicht auf, macht schließlich eine klare Ansage: „Erst wenn ihr so gut seid wie ich, könnt ihr aufhören, zu üben.“ Schon wird deutlich disziplinierter geübt. Nach dieser Anstrengung folgt das lockere Rasenmäher-Spiel, bei dem Stella und Polini ein Seil über den Hallenboden ziehen. In Abhängigkeit von der Höhe sollen die Kinder entweder darüber springen oder – mit den Fäusten das Gesicht schützend – darunter hindurch schlüpfen.

Die Jungen und Mädchen sind mit großem Spaß bei der Sache. Bleiben die denn auch beim Kampfsport? Polini erzählt, dass dieses Angebot einen großen positiven Effekt auf die Entwicklung seines Nachwuchses beim TSV Carlsberg und beim ATSV Wattenheim hat. Die meisten Kampfkatzen blieben nach Grund- und Aufbaulehrgang bei ihm und kämen ins Taekwondo-Training. 45 von ihnen aus früheren Kursen 2014 und 2015 hätten gerade die Prüfung zum Blaugurt abgelegt.

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