Leiningerland
Was macht der Pfarrer ohne Weihnachtsgottesdienst?
„Ich hätte niemals gedacht, dass einmal Weihnachtsgottesdienste ausfallen“, sagt Sascha Weber, Pastor der Pfarrei Kirchheim-Kleinkarlbach. Im vergangenen Jahr hatte er fünf Gottesdienste. Nachdem die Presbyterien entschieden hatten, alle diesjährigen Gottesdienste abzusagen, erlebt Weber eine ungewohnt ruhige Weihnachtszeit. Er habe sich sehr auf die Gottesdienste gefreut, sagt der 50-Jährige. „Das gemeinsame Singen der schönen Lieder, die Musik, das Umarmen, der Glühwein, das Gesellige – es ist schmerzlich, dass das alles wegfällt.“ Auch hätten sich seine Konfirmanden große Mühe gegeben, um eine riesige Krippe zu bauen. Nun werde man das Werk für nächstes Jahr aufbewahren müssen.
Andererseits habe er diesmal weniger Stress. „Gerade die Gottesdienste an Heiligabend sind schon anstrengend. Man bangt, ob das eingeübte Krippenspiel klappt und es ist zu merken, dass zahlreiche Leute ausschließlich am 24. Dezember in die Kirche gehen, denn der Geräuschpegel ist relativ hoch und sehr viele kennen die Texte nicht“, so Weber, der auch vor und nach der Weihnachtszeit keineswegs beschäftigungslos ist. So zeichneten sich Herbst und Winter durch erhöhten Seelsorgeaufwand aus. Auch gebe es natürlich weiterhin Beerdigungen.
Jeder Tag startet mit einer Andacht
Und wie feiert er persönlich Weihnachten? Jeder Tag beginne – wie übrigens immer – mit einer kleinen Andacht daheim und schließe seit dem Frühjahr mit einem Coronagebet in der Kirche ab. An Heiligabend werde er vorbeischauen im Battenberger Dorfgemeinschaftshaus und in der Kirchheimer Andreaskirche, die beide für stille Gebete geöffnet sind. „Am Ersten Feiertag fahre ich zu meinen Eltern“, erzählt er. Am 26. Dezember wird Weber in Battenberg predigen und bekommt dann Besuch von einem befreundeten Ehepaar.
Für den Pfarrer ist dieses Weihnachten auch in anderer Hinsicht etwas Besonderes: „Es ist das erste mit meiner Hündin Daisy.“ Das Pandemiejahr sei spannend gewesen: „Im ersten Lockdown habe ich das Gärtnern als neues Hobby entdeckt. Auch habe ich die Kreativität schätzen gelernt, etwa bei der Gestaltung von Online- und Open-Air-Gottesdiensten, mit denen wir mehr Menschen erreichen konnten als sonst.“
Herausforderungen mit Lerneffekt
Auch Christopher Markutzik, Pastor der Pfarrei Sausenheim-Neuleiningen, konnte den Herausforderungen viel Positives abgewinnen: „Niemals hätte ich gedacht, dass ich mal Filme schneiden und Podcasts produzieren würde.“ Mehr als 20 Autoren seien inzwischen bei den Telefonandachten engagiert, eine Studentin habe man sogar fest angestellt. „Ich habe in diesem Jahr sehr viel gelernt, aber der Preis war extrem hoch“, so der 45-Jährige, der unter anderem dem Feierabendtreff, dem Kirchenkino und zahlreichen weiteren ausgefallenen Veranstaltungen nachtrauert.
Normalerweise hätte er sieben Gottesdienste über die drei Weihnachtstage gehabt. Die unter Beachtung aller Hygieneregeln geplanten Open-Air-Gottesdienste auf dem Sportplatz des TuS Sausenheim und im Neuleininger Burghof seien von Stadt und Landkreis erlaubt gewesen, sagt Markutzik, „aber es kann nicht sein, dass alle Kontakte vermieden werden sollen und wir Party mit 100 Leuten machen“. Auch hätte man das Einhalten der Abstandsgebote auf den Hin- und Rückwegen der Teilnehmer nicht kontrollieren können. „Wir wollten uns auch solidarisch zeigen mit anderen Gemeinden“, begründet der Pfarrer die Absagen. Als die Entscheidung am Freitag fiel, „ging es mir richtig mies, weil ich es immer so toll finde, wenn viele Menschen zusammenkommen und sich mit Herzblut engagieren“.
Gottesdienst wird gestreamt
Letztendlich müsse aber nun das Beste daraus gemacht werden. Da Weihnachten ohne Kirche nicht gehe, sei das Sausenheimer Gotteshaus von 21 bis 23 Uhr für ein kurzes Innehalten bei festlicher Orgelmusik geöffnet. Er selbst werde den selbstproduzierten Heiligabendgottesdienst vermutlich mit Frau und Schwester streamen. „Am 25. Dezember sind wir mit meinen Schwiegereltern auf unserem kleinen privaten Weihnachtsmarkt“, kündigt Markutzik ein Beisammensein bei Würstchen, Grumbeerwaffeln und Glühwein im Freien an. Am Zweiten Feiertag wird er einen Gottesdienst in Grünstadt halten und dann seinen Vater besuchen.
„Ich glaube, meine Frau plant, Raclette zu machen“, antwortet der Eisenberger Pfarrer Karl-Ludwig Hauth auf die Frage, ob die abgesagten Gottesdienste kulinarische Auswirkungen auf den Heiligen Abend mit seiner Familie hat. Er könne erstmals mit ihr ab etwa 18 Uhr feiern. Ansonsten stehen am 24. Dezember vier Gottesdienste für ihn an. „In normalen Jahren komme ich etwa um 18.30 Uhr nach Hause, dann bleibt etwas Zeit zum Essen und für die Bescherung, bevor ich um 20 Uhr für die Christmette wieder losmuss“, erzählt Hauth.
Diesmal schon um 18 Uhr Feierabend
Dieses Jahr wird für ihn morgen um 18 Uhr Feierabend sein. „Aber wir sind ja nicht komplett aus der Welt. Von 15 bis 18 Uhr stehen wir den Gläubigen in der offenen Kirche zur Verfügung. Sicherlich werde ich dort auch die Weihnachtsgeschichte vorlesen und versuchen, den Menschen, die zu uns kommen, ein Stück weit Heiligabend zu erhalten“, sagt Hauth. An den Weihnachtsfeiertagen gebe es annähernd das normale Programm – nur eben ohne Abendmahl.
Der Pfarrer hat übrigens kein Verständnis für die Verantwortlichen der Landeskirche, die sich nicht zu einer kompletten Absage der Gottesdienste durchringen konnten. Er kenne inzwischen viele Menschen, die an Corona erkrankt waren oder gar daran gestorben sind. „Wenn man einmal den ersten Menschen, der während der Pandemie gestorben ist, beerdigt hat, dann bekommt man eine komplett andere Einstellung zu allen anderen Belangen“, so der Pastor. Kein Problem hat er mit dem Wegfall des Silvestergottesdienstes.