Lufbildrätsel RHEINPFALZ Plus Artikel Warum man Betrunkene immer nach Hettenleidelheim fragt

Hettenleidelheim von oben.
Hettenleidelheim von oben.

Hettrum – so lautet die richtige Lösung unseres 20. Luftbildrätsels. Aber auch das hochdeutsche Hettenleidelheim, das von den 97 miträtselnden Lesern teils ebenfalls genannt wurde, haben wir gelten lassen. Schließlich wird die Ortsbezeichnung ja im offiziellen Schriftverkehr benutzt. In der gesprochenen Sprache gibt es allerdings eigentlich nur eine Gelegenheit, bei der sich der normale Pfälzer am zungenbrecherischen Hettenleidelheim versucht.

Vielen RHEINPFALZ-Lesern ist dieses linguistische Detail vielleicht gar nicht bekannt. Oder sie kennen den pfälzischen Uznamen für die Hettrumer nicht. Oder dessen Herkunft. Oder sie haben noch nie was von Larum gehört. „Unsere Heimat von oben“ liefert die Antworten.

So hat etwa „de Hettrumer Bojemääschder“ (also Ortsbürgermeister von Hettenleidelheim) Steffen Blaga (CDU) betont, dass „das schöne Luftbild das einzigartige Hettenleidelheim, genauer gesagt insbesondere Laarum“ zeigt. Alteingesessene wissen, was Blaga damit meint: die frühere Siedlung Leidelheim, die durch pfälzische Lautverschiebungen inzwischen zum gesprochenen Laarum geworden ist. Und das gehört noch nach Jahrhunderten zum ureigenen Hettrumer Sprachschatz.

Es gibt eine Grenze

Schon im Jahr 1556 wurden Hettenheim und Leidelheim zu Hettenleidelheim zusammengefügt, weiß Berthold Wassner. Ihren Namensursprung hatten die Ortsteile demnach wohl in den Besitzern zweier Bauernhöfe – den Familien Hitto und Liudilo. Im Laufe der Zeit wurden sie zu größeren Siedlungen und die Namen von Liudilo zu Luttelheim und Leidelheim sowie Hitto über Hitenheim zu Hettenheim. Hettenheim ist der östliche Ortsteil, Leidelheim der westliche. Wer die Abgrenzungen ganz genau wissen will: „Auf der Hauptstraße, ungefähr in Höhe des Anwesens Hausnummer 65 wurde ein Messingband eingelassen, das die Grenze markieren soll“, informiert Wassner.

Hettrum – das eigentlich logische „Gegenstück“ zu Laarum – bezeichnet heute aber nicht mehr nur Hettenheim, sondern die gesamte, gut 3000 „Worschtzippel“ (oder „Werschtzibbel“) zählende Ortsgemeinde. Womit wir schon zumindest mal bei einem genannten pfälzischen Uznamen für die Hettrumer wären.

Neben „Worschtzippel“ haben einige Leser, wie Tobias Kaiser, die Hettrumer auch noch als „Windmacher“ tituliert. Vermutlich hat dieser vermeintliche Uzname seinen Ursprung in dem geflügelten Wort vom berühmt-berüchtigten „Hettrumer Wind“. Dieses spezielle politische Phänomen kann vor allem „Obrigkeiten“ im Ort schon mal kräftig ins Gesicht blasen – heißt es im Volksmund. Allerdings nannten wesentlich mehr Leser „Worschtzippel“ – für Hettenleidelheim-Sager: Wurstzipfel – als pfälzischen Uznamen für die Hettrumer. Alfons Hofmann nennt seinen Heimatort sogar „Worschtzippel-Hauptstadt“.

Woher kommt der Name?

Doch bei aller Begeisterung der 34 miträtselnden Hettrumer: Nur die „Worschtzippelin“ Sabine Appel hatte eine Erklärung für den Ursprung dieses Uznamens: Da der Tonabbau in Hettrum zwischen 1860 und 1960 boomte, und die weitere Verarbeitung in zwei Chamottefabriken gleich mehreren Hundert Menschen einen guten Lohn einbrachte, konnten sich relativ viele Arbeiter die damals so teure Wurstware kaufen.

Der heimatkundige Wassner musste bei der Uznamenherkunft zwar passen, weiß aber, „dass die Bewohner von Hettenleidelheim es immer gern sehen, wenn die Zippel nicht zu eng zusammen sind“.

Besonderer Alkoholtest

Apropos Hettenleidelheim-Besonderheiten. Nicht nur Joachim Schwalb berichtete uns über die am Anfang angesprochene einzige Situation, in der ein Pfälzer die hochdeutsche Hettrum-Version auszusprechen versucht. Demnach dient das Zungenbrecher-Dorf bei Alkoholkontrollen durch die Polizei als Schnelltest: Wer in der Lage ist, Hettenleidelheim innerhalb von fünf Sekunden dreimal hintereinander fehlerfrei aufzusagen, hat weniger als 0,5 Promille und darf weiterfahren. Ob der Schnelltest wohl auch bei den Worschtzippeln selbst funktionieren würde? Das weiß wohl ganz allein der Hettrumer Wind.

Das schreiben die Leser:

Gabi Stiefenhöfer, Hettenleidelheim: Das ist Hettenleidelheim, oder Hettrum, wo die Werschdzippel wohnen. Das Luftbild ist gut gewählt. Helmut Dell hat es den RHEINPFALZ-Lesern – als ehemaliger Hettrumer – nicht gerade einfach gemacht. Die markanten Punkte wie Kirchen, Schwimmbad, Feuerwehr, Supermärkte, Autohäuser, Alte Schule oder Umgehungsstraße sind auf dem Foto nicht zu sehen. Hettrum ist wegen seinem Fasnachtsumzug und seinem Nachtumzug und wegen seinem Schwimmbad weit bekannt.

Hans Bekular, Hettenleidelheim: Obwohl ich ein Zugereister bin, habe ich „Hettrum“ relativ schnell erkannt. Erste Erfahrungen mit Hettrum sammelte ich in den 60er Jahren, als ich meinen Führerschein machte. Da mussten wir jedes Mal über das berühmt berüchtigte Hettrumer Plaschder (Pflaster) hoppeln. Des Weiteren fanden in der damaligen VfR-Turnhalle, heute die Gemeindefesthalle, die schönsten Maskenbälle im weiten Umkreis statt. Hettrumesien, wie es in der Fasnachtszeit heißt, hat auch den bekannten Karnevalsverein „Feuerio“. In der Karnevalszeit entging mir kaum ein Maskenball hier, letztendlich auch wegen der schönen Mädels. Vielleicht hat es das Schicksal deshalb so eingerichtet, dass ich vor 51 Jahren ein echtes Hettrumer Mädchen geehelicht habe.

Berthold Wassner, Hettenleidelheim: Woher der Uzname Werschtzibbel kommt, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Ich weiß nur, dass die Bewohner von Hettenleidelheim es immer gerne sehen, wenn die beiden Zibbel einer Wurst nicht zu eng zusammen sind. Der frühere Bürgermeister Jakob Dormann beendete seine Reden deshalb auch immer mit den Worten: „Die Hettrumer lieben kurze Reden und lange Worschd, deshalb mache ich jetzt auch Schluss.“ Die Herkunft des komplizierten Ortsnamens Hettenleidelheim, den übrigens viele Bürger aus den umliegenden Ortschaften nicht korrekt aussprechen können, kann ich aber erklären: Ursprünglich gab es zwei Siedlungen, wahrscheinlich Bauernhöfe, die nach ihren Besitzern genannt wurden. Das waren die Familien Hitto und Liudilo, daraus wurde im Laufe der Zeit durch die Lautverschiebung Hitenheim, Hettenheim beziehungsweise Luttelheim, Leidelheim. Im Jahr 1556 wurden diese beiden Siedlungen zu Hetten-Leidelheim zusammengefügt. Im Alltagsgebrauch hat es sich ergeben, dass man zwar „Hettrum“ sagt, aber damit nicht nur den Ortsteil Hettenheim meint, sondern den kompletten Ort mit dem zungenbrecherischen Namen. Hettenheim ist der östliche Ortsteil, Leidelheim der Westliche. In meiner Kindheit war es so, dass die Kinder von Hettenheim zum Spielen die Erdekaut vorzogen, die Kinder aus Leidelheim hingegen kannten sich besser im Wald aus.

Joachim Schwalb, Hettenleidelheim: Als einheimischer „Werschtzippel“, wenn auch von Geburt aus ein „Geelarsch“ (Anmerkung der Redaktion: Uzname für die Battenberger), habe ich lange überlegt, ob ich meinen Heimvorteil ausspielen soll. Aber es geht ja auch darum, den Rekord an Leserzuschriften, den das kleine Höningen bislang für sich verbuchen kann, zu knacken und in der Rangliste Hettrum den ersten Platz zu verschaffen. Wie aus gewöhnlich schlecht unterrichteten Kreisen berichtet wird, dient der fast unaussprechlich schöne Ortsname bei Alkoholkontrollen durch die Polizei im Leiningerland als Schnelltest: Wer in der Lage ist, den Ortsnamen innerhalb von fünf Sekunden dreimal hintereinander fehlerfrei aufzusagen, hat weniger als 0,5 Promille und darf weiterfahren.

Silvester mit River Combo

Hedi Riffert, Obrigheim: Bei Hettenleidelheim erinnere ich mich sehr gut an die tollen Silvesterfeiern mit der Kolpingfamilie und das leckere Buffet. Mein Mann spielte mit der Kapelle „River-Combo“ und wir Frauen waren die Fahrerinnen für die Heimfahrt. Auch an Onkel Waldemar, der unser Haus mit gebaut hat, denken wir sehr gerne. Er wohnte in der Oberhaide.

Dirk Fehrenbach, Grünstadt: Ich kenne zwar den Uznamen für die Hettrumer „Werschtzibbel“, doch über dessen Herkunft ist mir leider nichts bekannt. Selbst in der Zeit, in der ich in Hettenleidelheim bei einem ortsansässigen Unternehmen gearbeitet habe, war das nie wirklich Thema. Vielleicht auch ob der Gewohnheit gerade bei den „Werschtzibbeln“ zu sein. Allein schon deshalb freue ich mich auf die Auflösung, da es dann ja aus dem Kreise der teilnehmenden „Worschtzibbel“ sicher eine Erklärung zum „Wurstzipfel“ geben wird.

Karl-Rainer Leuckel, Mölsheim: Bei Hettenleidelheim fällt einem sofort die schöne Mariengrotte zwischen Hettenleidelheim und Ramsen ein. Sowie als Fußballinteressierten die beiden Brüder Arno und Wolfgang Wolf, die beide unter anderem für den 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga spielten. Leider ist Arno Wolf viel zu früh gestorben. Sein Bruder Wolfgang machte sogar lange Jahre als Bundesligatrainer noch Karriere.

Josef und Gertrude Remmele, Hettenleidelheim: Auf dieses Luftbild-Rätsel haben wir schon lange gewartet. Unseren Heimatort „Hettenleidelheim“ haben wir gleich erkannt, an der Brunnenwiesenstraße, der Luitpoldschule, dem Friedhof, der Verbandsgemeindeverwaltung und dem alten Kinogebäude.

Christa Kühn, Sausenheim: Ich verbinde mit Hettrum die Besuche in der Discothek in meiner Jugend. Die Umzüge an Fasching und der Hexenumzug sind immer sehenswert.

Sieglinde Hammann-Neser, Bissersheim: Hettenleidelheim ist beileibe kein Ort nur zum Vorbeifahren. Im Pfälzischen liebevoll als Hettrum bezeichnet, eine moderne Gemeinde mit vielen Vorzügen und Einrichtungen, die das tägliche Leben bereichern. Das Freibad steht im Sommer für eine unverzichtbare Kombination von Schwimmsport und Erholung. Ganzjährig bieten ASV und VfR Hettenleidelheim viele Möglichkeiten der sportlichen Freizeitgestaltung. Die „Hettrumer Fasnacht“ mit närrischem Umzug als Höhepunkt der Kampagne oder das „Werschtzibbel Theater“ verbinde ich mit Hettenleidelheim.

Alfons Hofmann, Hettenleidelheim: Bei dem gesuchten Ort handelt es sich um die „Worschtzippel“-Hauptstadt Hettenleidelheim.

Christina Schildknecht, Carlsberg: Früher, also Ende der 80er, ging ich am Wochenende oft in die Disco „Desiree“ – schön war’s.

Guido Finkler, Ramsen: Wie viele Erinnerungen verbinden sich für mich aus den 1960er und 1970er Jahren mit diesem Nachbardorf. Als Bub durfte ich samstags mit dem Rad für meinen Opa, der ein Schuhmachergeschäft hatte, „die Schuhe ausfahren“. Also die fertigen Schuhe, die noch nicht abgeholt wurden, bei den Kunden vorbeibringen. Dabei gab es immer etwas Trinkgeld, das mein Opa am Ende noch aufrundete. Ein paar Jahre später war eher das Hettrumer Schwimmbad interessant, die Mädels waren wohl mindestens genauso hübsch wie in Eisenberg. Dann die legendäre Disco „Green Ape“ (vorher ein Kino, wo ich die ersten Winnetou-Filme gesehen hatte). Jeden Samstag legte Discjockey Gerd auf, und jedes Mal lief zuerst „Jingo“ von Santana. Nicht zu vergessen die Rockband „Punished Sun“, deren Musiker alle aus Hettrum und Umgebung kamen.

Die historische Grenze

Steffen Blaga, Hettenleidelheim: Das einzigartige Hettenleidelheim, genauer gesagt insbesondere „Laarum“ ist auf dem schönen und aktuellen Luftbild des Ortskerns mit Festhalle, Rathaus, Grundschule und Marktplatz zu sehen. Am rechten Bildrand fällt die Oberhaide ins Auge, und – wenn man gaaaanz genau schaut, sieht man am oberen linken Bildrand auch die historische Grenze zwischen Hettrum und Laarum.

Gerda Süntzenich, Hettenleidelheim: Wenn auch markante Bauwerke wie die Kirchen, die Alte Schule oder das Schwimmbad auf der Ansicht fehlen, ist eindeutig Hettenleidelheim zu erkennen: Ganz links im Bild die Luitpoldschule mit dem alten Baumbestand im Schulhof, das Verwaltungsgebäude, dann der Straßenverlauf der Turnhallenstraße von West nach Ost mit der Festhalle „Gut Heil“ und ganz rechts das Wohnviertel Oberhaide. Als gebürtige Hettrumerin, wohnhaft in „Larum“, ist die Lösung nicht schwergefallen. Bleibt zu hoffen, dass viele „Werschtzippel“ mitgemacht haben und der „Hettrumer Wind“ den alten Teilnehmerrekord wegblasen kann.

Sabine Appel aus Hettrum beziehungsweise dem „Haus auf der Grenze“ an der Hauptstraße: Na endlich: Hettrum, mein Heimatdorf! Archäologische Funde rund um Hettenleidelheim (keltische Hügelgräber) deuten auf eine frühe Besiedlung der Gegend hin. Um die Zeitenwende gehörte das Gebiet zur römischen Provinz Obergermanien (römische Funde beim Schwimmbadbau und auf den Tonfeldern). Die Ortsnamen mit ihren Endungen auf -heim verweisen auf die Frankenzeit zwischen dem 6. und 7. Jahrhundert. Weitere Ursprünge von Hettenleidelheim liegen in den zwei Orten Hettenheim (Hitenheim) und Leidelheim (Luttelheim, 1267). Das Original-Pergamentdokument, das Hitenheim 1155 erstmals erwähnte, liegt im Bayerischen Staatsarchiv in München und zeugt von Schenkungen des Klostergründers Berthold von Winzingen und seinen Angehörigen an das Kloster in Ramsen. Beide Orte standen im Mittelalter unter der Herrschaft des Klosters, ab 1485 des Hochstifts Worms (der Schlüssel des Wormser Bistumswappens findet sich im heutigen Gemeindewappen wieder). Aus dieser Zeit rührt auch, dass Hettenleidelheim als einziger Ort in der Umgebung katholisch war, wenn auch erst um 1705 eigenständige katholische Pfarrei. In Hettenheim stand die Kapelle St. Stephan (auf dem Gelände Kriegerhain), in Leidelheim die Peterskapelle, aus der von 1720-1724 durch Anbau eines barocken Kirchenschiffes mit Turm die heutige katholische Pfarrkirche entstand. Zwei jüdische Friedhöfe, der alte in der Bahnhofstraße (erste Hälfte des 18. Jahrhunderts bis 1864, heute mit dem Kriegerhain Parkanlage) und der neue östlich des Ortes (ab 1864 bis ins 20. Jahrhundert) sind Zeugen einer jüdischen Gemeinde in Hettenleidelheim. Anlässlich der 850-Jahr-Feier im Jahre 2005 zog man quer über die Hauptstraße (Höhe Hausnummer 65 und 68) den historischen Grenzverlauf zwischen Hettenheim und Leidelheim als sichtbare Markierung nach. Das im Jahre 1556 aus den beiden Orten gewachsene Doppeldorf war bereits früh wirtschaftsgeschichtlich unverwechselbar, denn ab 1767 (wahrscheinlich aber schon früher) setzte der Abbau höchst wertvoller feuerfester Erden (Tone) aus zeitweilig bis zu 130 Erdlöchern, Ton- und Klebsandgruben in der Erdekaut ein, die bis nach Übersee exportiert wurden. Der Tonabbau, der zwischen 1860 und 1960 boomte, und die weitere Verarbeitung in zwei Chamottefabriken gab mehreren hundert Menschen Lohn und Brot. Anschaulich dokumentiert ist diese Zeit im Heimatmuseum. Damit sind wir auch beim Uznamen der Hettrumer „Worschtzibbel“, denn durch den ordentlichen Verdienst konnten sich die Grubenarbeiter auch verhältnismäßig viel Wurst zum Essen leisten. Erwähnenswert ist der verdienstvolle Archivar des Museums, Heimatforscher und Ehrenbürger Karl Blum (1906 - 2002), der unter anderem etliche Stammbäume lange ansässiger Familien (darunter auch den meiner Oma mütterlicherseits) zusammengestellt und manche Fragen aus der Dorfgeschichte geklärt hat. Das Heimatmuseum hat noch viel mehr zu bieten und lohnt einen Ausflug. 1907/08 erhielt Hettenleidelheim eine Grundschule, in den 1920ern die beiden Turnhallen (Jahn/ASV und Gut Heil/VfR, heute Festhalle), 1928 auf dem Gelände der Sauer- und Ochsenwiesen am westlichen Dorfrand ein Schwimmbad, damals eine der modernsten Badeanlagen im Umkreis und noch heute eines der ältesten Freibäder in der Pfalz. Das „Werschtzibbel-Theater“ ist Straßenfeger und musikalisch gesehen ist das Bergmanns-Blasorchester (BBO) weithin bekannt. Die beiden Fußballer Arno Wolf (1959–2013) und Wolfgang Wolf (*1957) spielten bis 1976 beim VfR Hettenleidelheim, bevor sie beim 1. FCK bekannt wurden.

Schwalbennest und Hexen

Rita Bender aus Sausenheim: Ich kenne Hettrum seit Ende der 60er Jahre. Da habe ich mich sonntags um 14 Uhr in Sausenheim in den Bus gesetzt und ab in die Disco nach Hettrum. Später war’s in der Obergasse das Schwalbennest. Erlebt haben muss man die tollen Faschingsveranstaltungen mit den Hexen „uf de Gass“ oder die Prunksitzungen in der Sporthalle. Die Erdekaut ist für Erholung bekannt. Auch das Schwimmbad lockt Besucher.

Werner Bard: Der Ort mit einem Namen als wäre man betrunken: Hettenleidelheim. Hettrum wäre ein schönerer Name!

Wolfgang Will, Kirchheim: Hettenleidelheim ist die nach Einwohnern zweitgrößte Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde, oder wie ich als Wahlpfälzer gelernt habe „Hettrum“, weil den Pfälzern der Name Hettenleidelheim einfach zu lang ist.

Maren Deubert: Da Hettrum der Geburtsort meiner Mutter ist, sind wir dem Ort noch sehr verbunden. So war es für uns nicht schwer, die Straßenverläufe, die Gut-Heil-Festhalle und auch das Elternhaus meiner Mutter zu erkennen. Damit sind viele schöne Erinnerungen an Faschingsfeiern in der Festhalle, meine Großeltern und vieles mehr verbunden.

Carsten Graf, Lautersheim: Hettrum ist unter anderem wegen der Knolle bekannt. Seit vor einigen Jahren die Umgehung in Betrieb genommen wurde, kommt man nicht mehr so häufig durch Hettrum durch.

„Penny Hettrum“

Erik Höber: Erkannt haben wir Hettenleidelheim an der markant breiten Weggabelung und dem Parkplatz vor der Schule, da dies oft unser Fahrtweg (von Carlsberg) zur tollen Bücherei von Hettenleidelheim ist. Und Hettenleidelheim hat mir als Zugezogenem die Heimatverbundenheit der Region gezeigt: Schließlich heißt der Pennymarkt hier „Penny Hettrum“.

Tobias Kaiser: Unser Haus seh’ ich auf der Mittelhaide, das Haus, in dem ich auf die Welt kam in Laarum, ist nicht drauf. Worschdzippel und Windmacher könnten die kleene schwarze Pünktcher sein.

Beate Wassner, Wartenberg-Rohrbach: Hettenleidelheim, ein Dorf, das ich bis Mitte der achtziger Jahre nur als Schild an der Autobahn kannte. Dann lernte ich meinen lieben Berthold kennen, nun sind wir schon mehr als 30 Jahre verheiratet. Bürgermeister a.D. Helmut Rüttger hat es mit meiner Einstellung bei der damaligen Verbandsgemeinde Hettenleidelheim ermöglicht, dass ich seit 1991 in dem Heimatort meines Mannes an einer Vielzahl von Projekten nicht unerheblich mitgewirkt habe. Hettenleidelheim erkenne ich auf den ersten Blick an „meinem Rathaus“, ein Herzensprojekt genauso wie die Ortsumgehung und die Gut-Heil-Halle. Wenn ich so zurückblicke, hat sich in den letzten Jahren vieles bewegt und neue Großprojekte zur weiteren Entwicklung von Hettenleidelheim sind am starten beziehungsweise im Bau.

Klaus Kany, Grünstadt: Während meiner Ausbildungszeit als Radio- und Fernsehtechniker in Grünstadt hatte ich mit einem Mitschüler im gleichen Beruf eine Fahrgemeinschaft in die Berufsschule nach Lautern. Radio Fürst als eingesessenes Unternehmen gab’s ja zumindest vom Namen her in beiden Orten.

Kurt Dinger, Kindenheim: Auf meinen Wanderungen von Kindenheim über Eisenberg, komme ich zwei-, dreimal im Jahr auch nach Hettenleidelheim. Man läuft dort auf sehr schönen Wanderwegen um den Ort durch den Wald, vorbei am „Fliegenstein“, dem „alten Keltischen Fürstengrab“ und nachdem ich die Erdekaut durchschritten habe, freue ich mich fast immer auf eine Einkehr in der Gaststätte „Seltenbach“. Außerdem sind mir die vielen AH-Spiele auf dem Hettrumer Sportplatz mit der anschließenden lustigen „dritten Halbzeit“ in guter Erinnerung. Schön war’s.

Die Scarletts

Wolfgang Rörig, Ramsen: Schon in jungen Jahren hatte ich mit Hettrum zu tun. Als Mitglied der Jungkolpinggruppe Ramsen trafen wir uns oft dorfübergreifend mit der Kolpingjugend aus Hettenleidelheim. Meine Lehrstelle war in Wattenheim, also fuhr ich jeden Tag mit dem Fahrrad durch Hettrum. Im Teenageralter waren wir Ramser gerne zum Jugendtanz gegangen. Die Scarletts waren damals der Anziehungspunkt in Sachen „Musik für die Jugend“. Bei diesen Veranstaltungen lernte ich auch meine Frau, die von Hettrum stammt, kennen. Überhaupt fanden einige Frauen in Ramsen ihre zukünftigen Männer. Einige Feste, wie das Waldfest am Pfingstmontag oder die Kerwe im August ist für uns ein Muss. Auch der Uzname „Die Hettrumer Werschtzibbel“ wird von den Einheimischen hochgehalten. Vor allem aber zeigen sie ihre Geschichte zu Recht ganz stolz im Heimatmuseum, das sehenswert ist.

Martina Benz: Lustig fand ich Boiselles Cartoon: Ein Polizist fordert anlässlich einer „Alkohol-Kontroll“ den Autofahrer auf, „drei Mool hinnernonner“ Hettenleidelheim zu sagen - der Mann scheitert an der Aufgabe ...

Känguru-Viertel

Regina Mitsche, Bockenheim: Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, die Aufnahme zeigt überwiegend Larum, mir als Hettrumer Mädel blutet das Herz. Es ist schon eine Kunst, den Ort ohne die beiden Kirchen und das Schwimmbad aufzunehmen. Auf einen Blick zu erkennen sind Grundschule, Friedhof, Marktplatz und Rathaus auf der linken Bildseite, rechts das Känguru-Viertel (Oberhaide). Auch wenn ich seit meinem 14. Lebensjahr nicht mehr in Hettenleidelheim lebe, ich komme immer wieder gerne zurück. Schließlich lebt meine Schwester mit Familie im Ort und meine Eltern und alle vier Großeltern sind auf dem Friedhof begraben.

Hedi Berg, Hettenleidelheim: Auf den ersten Blick habe ich mein Wahlheimatdorf erkannt, in dem ich schon seit 41 Jahren mit meiner Familie sehr gerne lebe. Viele Straßen, Gassen und Gebäude kenne ich wie meine Westentasche, denn ich bin eine „Hettrumer Grubehexe“, die mit ihresgleichen am Schmutzigen Donnerstag das Dorf unsicher macht.

Matina Frank aus dem „amtierenden Spitzenreiterdorf“ Höningen: Zu Hettrum selbst kann ich nicht viel sagen, außer dass ich dort jahrelang in der Kantorei Heiliger Lukas gesungen habe. Als das noch möglich war. Leider auf unbestimmte Zeit verboten.

Kai Pricken, Grünstadt: Den pfälzischen Namen des Ortes benutze ich sehr gerne, um Auswärtigen die Besonderheiten der pfälzischen Sprache nahezubringen, indem ich den folgenden Satz verwende: „Isch nämm jetz die Schees un de Schoggelgaul un fahr mit de Bankert no Hettrum.“ Ein Nicht-Pfälzer versteht da kein Wort.

Werner Dörr, Grünstadt: Hettenleidelheim, vor nicht allzu langer Zeit selbst Verbandsgemeinde, jetzt nur eine Gemeinde in der VG Leiningerland zusammen mit den ehemaligen Gemeinden der VG Grünstadt-Land und der VG Hettenleidelheim. Ob der Zusammenschluss etwas gebracht hat (er ist ja von der Landesregierung verordnet worden), muss die Zukunft zeigen. Wenn man bei der Auffahrt Wattenheim auf die A 6 Richtung KL auffährt, kann man Hettrum auf der neuen B 47 umfahren, bekommt also von der Kommune nichts mit. Dass dem so ist, werden die „Hettrumer“ sicher zu schätzen wissen.

Buchtipp

Joachim P. Heinz: „Der Tonbergbau zwischen Eisenberg und Hettenleidelheim“, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern, 31,90 Euro.
Das Freibad von Hettenleidelheim.
Das Freibad von Hettenleidelheim.
Die katholische Kirche.
Die katholische Kirche.
Fasnacht in Hettenleidelheim.
Fasnacht in Hettenleidelheim.
Fasnachtsumzug mit der Feuerwehr.
Fasnachtsumzug mit der Feuerwehr.
Das Bergmannsblasorchester.
Das Bergmannsblasorchester.
Das Werschtzibbeltheater.
Das Werschtzibbeltheater.
Weißwursteuropameister Christian Speeter von Hettenleidelheim.
Weißwursteuropameister Christian Speeter von Hettenleidelheim.
Hettenleidelheim von oben.
Hettenleidelheim von oben.
Die katholische Kirche in Hettenleidelheim bei einem Sonnenaufgang im August von Florian Schmidt aus Hettrum.
Die katholische Kirche in Hettenleidelheim bei einem Sonnenaufgang im August von Florian Schmidt aus Hettrum.
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